Erbarmungslose Wolken – gerade war doch noch Freitag

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Die Wolken. Sie ziehen erbarmungslos am Himmel dahin, bevor sie trotzig irgendwo am Horizont verschwinden. Oder aber vorher von der aggressiven Sonne in ihre Einzelteile zerlegt werden, die sie ohnehin schon sind. Ich musste 29 Jahre lang auf diesem Planeten umherirren, um zu begreifen, was es mit dieser Luftfeuchtigkeit auf sich hat. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, weshalb diese in ihr – der Luft – unsichtbar ist. Wird es kalt, kann die Luft die Feuchtigkeit nicht halten und entlässt sie als formschöne Gebilde in die Umgebung.

Toll.

Deshalb also kann die Sonne Wolken einfach veschwinden lassen. Und deshalb also ist die Luftfeuchtigkeit bei Minusgraden in der Regel 100 %. Es ist zwar nur wenig absolute Feuchtigkeit, aber gemessen an dem, was die Luft in diesem Zustand aufnehmen kann, die relative Obergrenze.

Und so steht sie da oben, die Sonne, und vernichtet Wolken, die erbarmungslos am Himmel dahinziehen. Trotzig. Und viel zu hell. Manchmal sind Wolken unfassbar hell. Die Sonne trägt daran Schuld.

Warum ist eigentlich schon wieder Sonntag? Wie konnte das passieren? Gerade noch stehe ich im Büro, das keines ist, und verabschiede einen Arbeitskollegen, während in Ermangelung einer vernünftigen Musikanlage (Wo ist eigentlich unsere Musikanlage geblieben?!) mein Handy sich redlich Mühe gibt, die 90er wiederzubeleben, und plötzlich sitzt man oberkörperfrei in Jogginghose auf dem Sofa und fragt sich, wie es sein kann, dass man gerade noch im Büro steht, das keines ist, und einen Arbeitskollegen verabschiedet, während in Ermangelung einer vernünftigen Musikanlage (s. o.) mein Handy sich redlich Mühe gibt, die 90er wiederzubeleben, und man plötzlich oberkörperfrei in Jogginghose auf dem Sofa sitzt.

Der Freitag ging angenehm gleitend ins Wochenende über. Ab 17 Uhr roch es auf einmal verbrannt, weil der von dannen ziehende Abeitskollege – nennen wir ihn Herr Proviak – die Agenturküche nutzte, um Eier mit Mehl, Zucker, Salz und der Geheimzutat Backpulver (Hammer-Tipp!) zu vermengen und diese Mixtur in eine glühend heiße Pfanne zu gießen. Währenddessen erklang das fröhliche Klimpern diverser Bierflaschen, die dem Gefrierfach entnommen und deren Inhalt menschlichen Mägen zugeführt wurde. Und die Backstreet Boys, deren Klänge über mein Smartphone menschlichen Ohren zugeführt wurden. Da der Plan lautete, später in die Düsseldorfer Altstadt zu fahren, wechselte ich mein sehr seriöses schwarzes Hemd gegen einen Kapuzenpulli.

Und büßte somit unter dem hämischen Applaus von Herrn Proviak einen erheblichen Teil meiner Seriösität ein.

Es folgte eine Autofahrt in einem viel zu engen Audi, der zum sogenannten „Carpool“ der Agentur gehört. Als einer unserer Praktikanten, nein! Azubis, der auch im Wagen saß, einen Musikwunsch äußerte und uns somit französischen Hiphop (Das war doch Hiphop? Und das war doch Französisch?!) aufzwang, schmissen wir ihn raus. Er hätte ohnehin schon früher rausgemusst. Weil wir aber vor lauter Übermut einfach vergaßen, ihn an der gewünschten S-Bahnhaltestelle abzusetzen, wie wir es ihm versprochen hatten, musste er schließlich vom Hauptbahnhof in Düsseldorf nach Hause fahren. Es wird ihm eine Lehre sein.

Einmal bitte klatschen für diesen unbeabsichtigt genialen Wortwitz. Steht mal alle auf! Danke.

Die Herausforderung des Konsums von Bier liegt in der Tücke der menschlichen Anatomie, dass Bier zunächst gar nicht und schließlich in seiner Gesamtheit, die sich im Köper befindet, in die Blase schießt. Wie Schleusentore am Blaseneingang, die der immensen Wassersäule bis zu einem gewissen Grad standhalten, um schließlich doch nachzugeben. Folglich begann ich auf dem Rücksitz, als der Wagen auf eine Straße mit Kopfsteinpflaster gelenkt wurde, lautstark an zu plärren. Als unser Fahrer schließlich einen Parkplatz mitten in einem Wohngebiet fand, der nicht weiter von unserem Ziel entfernt hätte liegen können, wurden die Schmerzen unerträglich. Ich nahm mir noch ein Bier aus dem Rucksack von Herrn Proviak, weil Minus und Minus ja Plus ergeben müsste und folgerichtig weniger Blaseninhalt.

Manchmal erkennt man die Wahrheit in den ungünstigsten Situationen: Mein Mathelehrer, Herr Wiese, hatte mich belogen. Minus und Minus ergibt 2 x Minus.

Als die Flasche Bier geleert war, schielte ich zu einem Krankenwagen, der in einer Seitenstraße stand. Ob die mir vielleicht einen Blasenkatheter legen würden? Ich sah davon ab und nahm mir ein weiteres Bier, in der Hoffnung, dass die mathematische Faustregel ähnlich wie Intelligenz eine Generation überspringen würde.

Die Folge war, dass ich um zehn Zentimeter schrumpfte, weil es mir schmerzbedingt unmöglich geworden war, aufrecht zu gehen. Obwohl es an der Rheinpromenade wie in einem Dixieklo mieft, bewahrte ich mir einen Hauch von Respekt, den meine Kollegen zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch vor mir gehabt haben könnten, und schleppte mich männlich wimmernd in die erste öffentliche Toilette, die unseren Zielort markierte. Nicht die Toilette. Die Bar drumherum, wo andere ehemalige und unehemalige Kollegen auf uns warteten.

Und dort blieben wir bis irgendwann. Keiner weiß mehr genau, wann wir uns aufmachten, eine andere Örtlichkeit aufzusuchen, und mir ist es unmöglich zu sagen, wo dieser Ort war und wie wir dorthin gelangten. Vorher ernährten wir uns von einer italienischen Spezialität und verabschiedeten einen Teil der Gruppe, was uns zu einem Quintett machte.

Da die Welt bekanntlich ein Dorf und somit nicht sehr groß zu sein scheint, traf ich in diesem mysteriösen Club, der zwar betreten und verlassen, nicht aber gefunden werden kann, einen ehemaligen Kommilitonen, der nicht nur ebenfalls in einer Werbeagentur sein Dasein fristen darf, sondern in seiner bisherigen Karriere zwei Menschen kennenlernte, mit denen ich heute zusammenarbeite.

Also wenn die Welt kein Dorf sein sollte: Die Werbung ist es bestimmt.

Irgendwann verabschiedete sich Herr Proviak. Das tat er alkoholbedingt relativ kussreich, was ich allerdings von einer anderen Person schon kenne und deshalb toleriere. Gerüchten zufolge ist er irgendwann zuhause angekommen.

Und plötzlich: Sonntag. Es ist nicht so, als hätte ich den Samstag verpennt. Ich war sogar recht früh wach und darüber hinaus in der Lage, den Abend medial aufzubereiten, indem ich für Herrn Proviak ein GIF generierte, das ihn zeigt, wie er sich mit der Frau, die unserer Wohnung lebt, unterhält. Das klingt weniger witzig, als es ist. Allerdings bleibt dieses Zeitdokument unter Verschluss.

Trotzdem ist auf einmal Sonntag. Ich schaue hoch, sehe die hinterlistigen Wolken erbarmungslos den Himmel dahinziehen, während die Sonne ihren Teil dazu beiträgt, dass es so unerträglich hell ist, dass es in den Augen schmerzt. Ebenso sehr wie die Erkenntnis, dass Minus und Minus schlicht 2 x Minus ergibt.

Daran ändert auch ein drittes Minus nichts.

Manchmal.


Ich weiß. Ich sollte wieder häufiger etwas schreiben. Werde ich auch. Bald. Bis dahin sollte jeder, der mit dem Schreiben Geld verdient und total darauf steht, wenn ihm jemand seine Fehler aufzeigt, einen Teil seines Geld wieder für ein Lektorat ausgeben. 

– Buuuuh! Schleichwerbung! –


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