#BTW17: Protest wählen, aber witzig

btw17

Teil eines sozialen Experiments

Vielleicht sind wir Menschen ja einfach eine Spezies, der schnell langweilig wird. Vielleicht sind wir einfach nicht dafür gedacht, eine gewisse Konstanz zur Grundlage unseres Daseins zu machen. Möglicherweise ist dem menschlichen Wesen ein gewisser Drang nach Chaos bei gleichzeitigem Pessim- und Egoismus seit jeher inhärent.

Vielleicht machen wir deshalb voller Inbrunst regelmäßig dieselben Fehler.

Gelegentlich fühle ich mich wie ein Teilnehmer einer gigantischen Verhaltensstudie. Wie weit kann man bestimmte Entwicklungen treiben, bis irgendjemand stutzig wird? Keine Ahnung, wer diese Entwicklungen vorantreiben sollte – bestimmt der große Hühnergott, Außerirdische und vielleicht „die da oben“. Irgendjemand wird diesen Versuch schon inszeniert haben. Irgendjemand sitzt irgendwo und feixt vergnügt: „Schau dir diese Trottel an! Ich dachte eigentlich, die schnallen das langsam, aber irgendwie steigen die voll drauf ein.“

Der Frosch im Kochtopf

Wir amüsieren uns geradezu über die Blödheit des Froschs, den man in einen Kochtopf setzt, welcher langsam erhitzt wird, bis der Frosch verendet. Er würde es wieder tun, würde man ihn ein zweites mal in den Kochtopf setzen und das Wasser erhitzen. Er würde den Kontext nicht erkennen. Armer, dummer Frosch.

Nimmt man diesen Versuch als Schablone für den Menschen, man käme zu dem Schluss, dass aktuell viele dumme Frösche unterwegs sind. Der einzige Unterschied zum realen Frosch ist der, dass diese dummen Frösche den Herd, auf dem der Kochtopf steht, in dem sie schwimmen, voller Euphorie noch eine Stufe höher stellen.

„Irgendwie steigen die voll drauf ein.“

Vor anderthalb Jahren sorgte ein Tweet der Spitzenpolitikerin einer Partei für allgemeine Empörung. Im Rahmen der Verteidigung der deutschen Grenzen solle es erlaubt sein, auch auf Frauen und Kinder zu schießen. Der mediale Gegenwind erzwang eine Rechtfertigung für den Tweet: Man sei auf der Maus ausgerutscht. Hühnergott, Außerirdische und „die da oben“ – also diejenigen, die das Sozialexperiment hier unten steuern – springen von ihren Sitzen auf und schütteln sich vor Lachen.

„Jetzt fliegt das Experiment auf! Das schlucken die doch nie im Leben!“

Es gab keine Konsequenzen. Die Politikerin ist nach wie vor an der Spitze ihrer Partei. Ganz offensichtlich haben wir es geschluckt.

Wie ist das möglich?

Vor kurzem erst rief ein befreundeter Moderator dazu auf, diese Partei nicht zu wählen. Nachdem ihn über die Nachrichtenfunktion von Facebook sehr konkrete Gewaltandrohungen von Befürwortern der Partei erreichten, löschte er seinen Aufruf.

Die Methode, politische Gegner mittels Gewalt mundtot zu machen, ist nicht neu. Die gab es schon mal. Und man fragt sich, wie es sein kann, dass nicht viel mehr Menschen diese Methode erkennen. Viel mehr von uns, die diese einmalige Gabe besitzen, sich wiederholende Muster zu erkennen und daraus zu lernen. Warum also lernen wir nicht?

Vielleicht sind wir Menschen ja tatsächlich eine Spezies, der schnell langweilig wird. Vielleicht sind wir tatsächlich nicht dafür gedacht, eine gewisse Konstanz zur Grundlage unseres Daseins zu machen. Möglicherweise ist uns ein gewisser Drang nach Chaos bei gleichzeitigem Pessim- und Egoismus seit jeher inhärent.

Vielleicht machen wir deshalb voller Inbrunst regelmäßig dieselben Fehler.

Aber nicht dieses Mal

Denn wer mit der Politik dieses Landes unzufrieden ist, wird auf seinem Wahlzettel sehr viele Möglichkeiten angeboten bekommen, der aktuellen Regierung „eins auszuwischen“, wenn er denn will. Das sind vielleicht nicht unbedingt realistische Alternativen. Aber das ist die, die sich als eine solche bezeichnet, definitiv auch nicht.

Und weil es beim politischen Geschehen irgendwie auch ein wenig um Unterhaltung geht, sollte man sich selbst doch den Gefallen tun und lieber eine Partei wählen, die beispielsweise die „Förderung des Formationstanzes als Nutzbarmachung der expressiven Kraft von Tanz und Bewegung als gemeinschaftlich exerzierte Manifestation öko-anarchistisch eingefärbten Linksaußentums“ oder aber „für jeden gefällten Baum ein eingeschmolzenes Auto“ fordert.

Denn das ist wenigstens lustig.

Aber wie gesagt: Ich klammere mich an meinen Glauben, dass irgendwann der Vorhang aufgeht, Hühnergott, Außerirdische und „die da oben“ hervorspringen und die ganze Situation auflösen. Bis es so weit ist, sollten wir unser Machtinstrument sinnvoll und mit Bedacht einsetzen. Man kann ja nie wissen.

Also:

Geht wählen.

 

 

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