Helden, Marienkäfer und Spinnen: Ein Sonntag in Düsseldorf

Tropen in Düsseldorf

Im Moment findet in unserem Garten der Spätjahresputz statt. Unser Garten ist eine etwa 6 m² große Betonplatte, die ein Geländer umgibt und deren Boden mit geschmackvollen Granitplatten bedeckt ist. Kurz: Es ist ein Balkon. Von den 6 m² ist 1 m² für menschliche Aktivitäten nutzbar. Auf dem Rest wohnen Pflanzen. Ich beschwere mich nicht darüber, sage der Frau, die in unserer Wohnung lebt sogar, dass  sie gerne eine neue Pflanze kaufen dürfe. Dafür müsse aber erst eine vom Altbestand eingegangen sein. Sie antwortet meistens, dass ich ja eh nie mit ihr auf den Balkon kommen würde. Ich stehe in der Balkontür mit einem Kaffee und lächle milde, während ich mir die ultimative Antwort überlege.

„Ich bin doch durchs Arbeiten schon so oft draußen.“

Sie erwidert, dass ich dafür aber ziemlich blass bin. Ich überlege weiter. Mir fällt nichts ein, entgegne ihr aber im Brustton der Überzeugung, dass ich Engländer oder Albino oder so etwas sei. Sie glaubt mir nicht. Nun haben wir eine Pflanze mehr.

Pflanzen waren noch nie meine Sache. Ich war immer der Ansicht, dass Pflanzen in die Erde kommen und dann machen Wind und Wetter den Rest. Weil es aber im Innern der Wohnung selten regnet, habe ich bisher sämtliche Zimmerpflanzen zugrunde gerichtet und bin auf HauIMG-20151011-WA0001stiere umgestiegen. Die meckern wenigstens, wenn denen was fehlt. Da nun aber Herbst ist und die Frau, die unserer Wohnung lebt, etwas für Pflanzen übrig hat, muss unser Balkon voller Pflanzen auf die harten Monate des Frostes jenseits der +8 Grad vorbereitet werden. Vieles muss umgetopft werden. Ich erkenne darin kein Muster und bin immer wieder verwirrt, wenn diese Pflanze in den Genuss von warmem Wintervlies kommt, jene aber ohne Schutz bleibt. Das Weib wird schon wissen, was es tut.

Ohnehin bin ich vor allem derjenige, der bösartige Tiere entfernt. Oder Pflanzen nach bösartigen Tieren durchsuchen soll. Oder als erstes auf den Balkon gehen soll, um die über Nacht gesponnenen Spinnweben zu entfernen. Meistens geschieht das mit meinem Gesicht, weil ich die Dinger nicht sehe. Ich berichtete bereits. Nach getaner Arbeit stelle ich mich wieder in den Türrahmen und warte ab.

Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, mag eigentlich alle Tiere und ist auch zu meinem Erstaunen immer begeistert, wenn ein Hundertfüßler unter einem Blumentopf hervorkriecht und sich panisch die nächste vorübergehende Bleibe sucht. Bei anderen Krabbeltieren ist es fast genau so, nur dass die solange putzig sind, wie sie sich nicht bewegen. Wir haben in den letzten Tagen viele Marienkäfer auf dem Balkon. Seit gestern sehr viele tote, weil die vergangene Nacht die erste etwas frostigere war. WAAAAS?! Mitten im Oktober?! Jaja.

Gerade eben krabbelt ein Marienkäfer seines Weges.

Sie (entzückt): „Oh!“ 

Der Marienkäfer fliegt weg. Sie geht erschrocken einen Schritt zurück. Das erinnert mich an eine Szene aus „Mars Attacks“. Die Marsianer landen auf der Erde und als Zeichen des Friedens lassen die Menschen eine putzige weiße Taube fliegen, die kurz darauf von den Außerirdischen geröstet wird. Niedlich ja. Aber nur, wenn sie sich nicht auf die Außerirdischen zubewegt. Zwar ballert die Frau, die in meiner Wohnung lebt, nicht mit scharfen Waffen auf arglose Insekten, aber in Gedanken stelle ich mir vor, wie sie als Verteidigungsmaßnahme einen Feuerball in Richtung des possierlichen Käferchens schießt.

Ich: „Der ist doch nur weggeflogen.“

Sie: „Du weißt nicht, ob das so ist wie mit den Einhörnern. Denn wir haben die Einhörner ja ausgerottet und die Pferde sind getarnte Einhörner, die sich bei Gelegenheit an uns rächen werden. Und mit den Spinnen ist das genauso, nur dass die eben sehr, sehr zornig sind.“

Ich: „Darf ich das aufschreiben?“

Sie: „Das ist eine ernstzunehmende Theorie!“

Ich habe mir das anhand eines Cartoons erklären lassen und präsentiere nun: Die ernstzunehmende Theorie!

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Ich: „Aber was hat das denn mit dem Marienkäfer zu tun?“

Sie: „Einhörner, Spinnen, Marienkäfer. Das ist doch alles das Gleiche. Und selbst wenn nicht: Die hassen uns trotzdem.“

Weibliche Logik ist beizeiten fehlerlos. Ich muss allerdings an dieser Stelle erwähnen, dass ich selbst nicht der allergrößte Freund von dem bin, was so kreucht und fleucht. Arbeitsbedingt habe ich mit Vogelspinnen, diversen Schreckenarten und Schlangen kein großes Problem und nehme sie auch auf die Hand. Solange ich die Viecher kenne. Gut, jetzt latschen auf unserem Balkon nicht andauernd Vogelspinnen und Schlangen rum, dafür aber Wespen. Und wenn mir ein Marienkäfer zielstrebig ins Gesicht fliegt, bin ich ebenfalls wenig begeistert. Das verhält allerdings auch bei den Tieren so, die ich schon kenne. Vogelspinnen, Schlangen, Meerschweinchen, Katzen. Solche Tiere haben im Gesicht einfach nichts zu suchen.

Um den Schein zu wahren, trete ich total überzeugend auf den Balkon und greife todesmutig nach Pflanzen, um sie zu schütteln und sie von A nach B zu bewegen. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, steht in der Balkontür und sieht mich schmachtend mit verzücktem Blick an. Der Held hebt und schiebt, beseitigt Spinnweben, entfernt alte Insektennester. Eine Hummel kommt angeflogen. Sie wird doch nicht…zielstrebig manövriert sie sich genau zwischen meine Lichter, um anschließend empört das Weite zu suchen! Ich drehe mich um.

Ich: „Hast du das gesehen?!“

Sie: „Ach komm, lass mich das mal lieber machen.“

Ich stelle mich wieder in den Türrahmen.


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6 Kommentare

  1. Ihr seid aber früh dran mit „Balkonien“. Den Eifer deiner Mitbewohnerin verstehe ich aber aus tiefstem Herzen. Auf unserem Balkon wachsen zeitweise Tomaten, Gurken, Paprika und natürlich Blumen, Kräuter!
    ABER ich habe alles wieder ins Wohnzimmer geholt, denn die Nächte sind noch furchtbar kalt und für mediterrane Pflanzen wie Oregano, Basilikum usw. überhaupt nicht geeignet. Die kalte Sophie ist erst am 15.5. und so lange warten Gärtner auch mit dem Auspflanzen empfindlicher Pflänzchen! Auch auf Balkonen wird es kalt und in Töpfen erfrieren Pflanzen eher als im Boden. Ansonsten viel Spaß beim Gartenbalkon oder Balkongarten. Hier hat’s heute schon gehagelt, geregnet und jetzt strahlt die Sonne. 🔆Sigrid🔆

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  2. das mit zugrunde gerichteten Zimmerpflanzen und Haustieren, welche wenigstens meckern haben wir gemein ..
    das der Galan vorgeschickt wird, wenn es um Spinnen geht und Kriechtiere solange putzig sind, wie sie sich nicht bewegen haben die Frau, die in Eurer Wohnung lebt und ich gemein …
    für jeden was dabei inklusive einiger lacher 🙂

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