Themensuche I – Die Vergänglichkeit von Ideen

Hier sitze ich und bin am verzweifeln. Am verzweifeln am dran am sein. Man hat es nicht leicht, wenn man mit leichter Ruhrpottprägung aufgewachsen ist. Aber das ist ein anderes Thema. Seit Stunden versuche ich mich an die Idee für einen Beitrag zu erinnern, die mir im Halbschlaf eingefallen ist. Es waren nur wenige Sekunden im Dösezustand, aber innerhalb dieser Zeitspanne war der komplette Inhalt zusammengestellt. Ich müsste nur aufstehen und den Rotz runterschreiben. Aus dem Dösezustand wurde Schlaf und als ich wieder aufgewacht bin, war der Gedanke weg.

Hing es mit meinem Traum zusammen? Ich habe von Aliens geträumt, die sich in einem Schulgebäude verschanzt hatten. Dieses hatten sie schon mit allerlei Technik ausgestattet, was ein Eindringen von uns Menschen unmöglich machte. Für einzelne Personen ohnehin nicht, denn irgendwie sorgte die Alientechnik dafür, dass einzelne Menschen gelöscht wurden. Keine Ahnung, wie man das anstellt, aber die waren einfach weg, sobald die von der Alientechnik erfasst wurden. Tot waren diese Menschen nicht. Darum ging es den Aliens nicht. Sie war nur eben nicht mehr da.
Aus diesem Grund musste man stets mit vielen anderen zusammen die Angriffsaktionen durchführen, was den Nachteil hatte, dass die Aliens große Menschenansammlungen sofort registrierten. Eine Zwickmühle. Übrigens liefen die Eroberungsversuche von uns Menschen stets ohne Waffen ab. Vielleicht ein Grund, weshalb im Traum keine Lösung gefunden wurde, sich von der Bedrohung zu befreien.

Jetzt fällt mir ein, dass dieser Traum irgendwo in Russland spielte und ich aus welchen Grund auch immer mit einer Draisine in ein verlassenes Dorf fahren musste, um Hilfe zu holen. Am See des Dorfes traf ich jemanden. Er hielt es für sinnvoll, mir eine Tarnung zu verpassen, weshalb ich mich wenig später in den Klamotten von Alice im Wunderland wiederfand. Was sagt das über meine Psyche aus? Ich weiß es nicht. Jetzt trug ich ein blaues Kleid und bekämpfte die Aliens. Ohne Waffen. Mit einer Schleife im Haar.

Als mein Handy brommselt, stehe ich auf.

(„Brommseln“ ist der Ausdruck für das Geräusch, das insbesondere männliche Meerschweinchen von sich geben, wenn sie paarungswillig sind. Paarungswillig ist nicht zwangsläufig gleich paarungsfähig, was das winzige Hirn des Schweinemanns in unserem Haushalt nicht erfassen kann. Er verfolgt als brommselnd die neue Schweinefrau, die er wenn überhaupt nur mit Platzpatronen beschießen könnte. Andererseits hat er ein schöneres Leben, wenn er sich von Fakten nicht einschränken lässt. Soll es auch bei so manchem Menschen geben.)

Facebook meldet mir per Vibrationsalarm, der die Frau, die in unserer Wohnung lebt, wohl irgendwann in den Wahnsinn treiben wird, unzählige Neuigkeiten, die ich pflichtbewusst durchgehe. Neue Blogposts, einige Kommentare in Gruppen, viel Mode. Weil ich mit meinen Fingernägeln eigentlich ganz zufrieden bin, ignoriere ich die Tipps für Farbakzente an den Griffeln und werfe einen Blick auf neue Beiträge meiner gefolgten Blogs. Dabei lese ich von dem Phänomen, dass zweite Teile einer Reihe oftmals hinter dem ersten Teil verblassen. Auch ich stelle mir oft die Frage, ob der zweite Teil dann einfach schlecht war oder der erste schon so übel, dass kaum jemand den zweiten lesen möchte. Wobei „kaum jemand“ ein wenig übertrieben ist. Ich verfüge noch nicht über Myriaden an Followern, aber für die Verhältnisse dieses Blogs lesen doch relativ viele Menschen meine Beiträge, was ich übrigens fast unglaublich finde. Trotzdem bleiben die Zweifel an der Qualität zweiter Teile. Beispielsweise startete der zweite Teil der Blackie-Geschichte unglaublich schleppend, obwohl er – wie ich finde – sehr gut war und in einer Pointe endet, die auch ich beim Schreiben erstmal sacken lassen musste. Das passiert manchmal, weil mir gelegentlich erst just nach dem Fertigtippen bewusst wird, was da gerade aus meinen Fingern kam.

Vielleicht ist das Risiko von Zweiteilern, dass für den zweiten Teil doch Grundlagen fehlen könnten, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Wer weiß? Gegen diese These spricht, dass Einkaufen durch die Decke ging, als der dritte Teil veröffentlicht wurde. Es war bestes Wetter und auch uns hatte es nicht in der Wohnung gehalten, weshalb wir einen Spaziergang in einem Nachbarstadtteil gemacht haben. Wieder zuhause brachen die Zugriffszahlen des Tages die bisherige Schallmauer. Nun war das aber auch ein Dreiteiler. Vielleicht haben die ihre ganz eigene Dynamik. Man müsste es mal langfristig testen.

Ich werde das Thema vom Dösen heute morgen nicht wiederfinden. Ungelogen habe ich dieses eine Wort „wiederfinden“ gerade viermal falsch geschrieben: wieerfinden, winderfinden, Wiederfinden, wirderfindn. Ich schiebe manchen Tippfehler und das mysteriöse Auslassen von Worten auf die Unart von WordPress, den Entwurf während des Schreibvorgangs automatisch abzuspeichern. Dadurch werden Buchstaben oder eben manchmal auch Worte einfach geschluckt, was beim schnellen Schreiben schon mal untergeht. Die andere Möglichkeit wäre, dass ich manchmal recht grob daherfleddere beim Tippen. Es wird eine ungünstige Paarung beider Punkte sein.

Aus Gründen des Themenverlusts erhebe ich mich also schweren Herzens vom Sofa und stiefel in die Küche, um uns Kaffee zu kochen. Das ist angesichts der Padmaschine vielleicht der etwas falsche Ausdruck, weil Kaffeekochen in meinen Augen immer etwas Langsames war. Der Inbegriff der Entschleunigung, wie man heute so gerne sagt. Eines Tages wird es hier einen Vollautomaten geben. Wir würden ihn nirgends platzieren können, weshalb wir zum Vollautomaten eine neue Wohnung mieten müssten. Vielleicht auch einfach eine zweite, in der wir den Vollautomaten unterbringen würden. Es muss ja nur ein kleines Appartement sein. Am besten in einem Stadtteil, der günstig ist. Dann könnten wir hier wohnen bleiben und ich hätte jeden Morgen einen konkreten Grund, laufen zu gehen.

„Ich lauf mal kurz nach Garath. Kaffee kochen.“

„Nimm Pfefferspray mit.“

Man merkt: ich bin auf Themensuche.

Hier geht’s zum zweiten Teil!

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29 Kommentare

  1. Guten Morgen, war richtig überrascht das jetzt ein Beitrag von Dir kam.
    Warum Pfefferspray (Habe Garath in Wikipedia eingetippt – dachte vielleicht ist es wie in Chicago …)
    Du könntest ja versuchen zu analysieren was blaue Kleidchen und Schleifen im Traum über deine Psyche aussagt 🙂 Wäre sicher interessant zu lesen …

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  2. Hallo, Meister Kaffeedampfer aus dem Ruhrpott, Deine Themensuche erinnert mich an Alfred Hitchcock in dem – für Geschichtenerzähler hochgradig lesenswerten – Buch von Truffaut: „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ – Da erzählt er von einem Regisseur, der sich extra einen Notizblock aufs Nachtschränkchen gepackt hat für die genialen Einfälle und Träume, die er beim Frühstück schon nicht mehr weiß. – Also, eines Nachts hat er mal wieder einen total genialen „Schreib-das-bloß-auf!“-Einfall. Und als er morgens auf den Block guckt, steht da: „Boy Meets Girl“. 😉

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    • Ich fürchte, dass wir dafür in einer etwas zu spießigen Gegend wohnen. Den Autos und deren Insassen nach zu urteilen, nehmen die alle lieber richtige Kredite bei einer Bank auf und machen nicht solch modernen Schnickschnack.
      In Garath könnte das funktionieren, aber dann wäre der Automat vermutlich sehr schnell weg. Und nein, ich drücke diesem Stadtteil kein Etikett auf. 🙂

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  3. Für mich stellt sich die Frage, ob es tatsächlich notwendig ist, ständig omipräsent zu sein und täglich Beiträge zu posten. Genauso frage ich mich auch, warum Menschen ständig informiert sein müssen, ob irgend jemand irgendwas bei facebook geantwortet, geliked oder gepostet hat. Aber ich gehöre wohl doch schon zur Generation „jenseits von gut und böse“ :mrgreen: Und ja, auch ich habe ein Smartphone, eine Internetflat, zwei Laptops (noch dazu mit verschiedenen Betriebssystemen), einen Blog bei WordPress, aber ich fühle mich keineswegs „komisch“, wenn ich mal Blogpause mache. Leider habe ich auch keinen Vollautomaten, denn wir machen Kaffee in so einer Presskanne und haben sogar eine mit doppelwandiger Isolierung.
    Übrigens funktioniet bei mir der Link nicht „Hier geht’s zu Teil II“ 😦
    LG ☼Sigrid☼

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    • Weil der zweite Teil zwar schon auf Freigfang wartet, aber erst morgen rausposaunt wird. 🙂
      Ich bin übrigens ebenso wie du (darf ich duzen?) der Meinung, dass man nicht immer verfügbar sein muss. Was den oder das Dampfbloque angeht, mache ich mir – auch wenn es anders wirkt – gar nicht den großen Druck. Aber mich fuchst es ungemein, wenn ich eine Idee hatte, die mir entglitten ist. Ebenso wie Ideen, die sich ansammeln und die ich nicht ausformuliert bekomme.
      „Fuchsen“ ist ein tolles Wort. Es wird vermutlich im zweiten Teil vorkommen. 🙂

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      • Stimmt, wenn Ideen ins ewige Nirwana entgleiten, ist das ärgerlich! Da bin ich froh, dass das anscheinend nicht nur mir passiert, was ich manchmal meinem Alter zuschreibe, aber wohl doch nicht zutrifft, was mich ungemein beruhigt. Und ja, duzen ist kein Problem, sondern Normalität hier und überhaupt heutzutage. Auch mein sehr junger türkischer Frisör duzt mich ganz ungeniert 😀 und hier bei wordpress duze ich ohne zu fragen auch jede(n). Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, möge mir das bitte mitteilen. Fuchsen ist ein guter Ausdruck. Du benutzt das Wort im Sinne von „ärgern“ und ich kenne es auch so, aber häufig wird es auch im Sinne von „trickreich“ verwendet. Ich bin dann mal gespannt in welchem Zusammenhang es bei dir in Teil II vorkommt. Vermutlich wird das ein richtig „ausgefuchster“ Beitrag. 😉

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  4. Das schnelle halten wollen eines Traumes kenne ich auch. Es ist ja so das man ihn verewigen will –am besten wärs gewesen wenn man eine Cam hätte und könnte vom Hirn aus abspulen.Seit Jahren habe ich ein dickes Buch mit leeren Seiten. In dem die leeren Seiten nur noch zu einem 7/8 leer sind ich habe vor 15 Jahren angefangen meine Träume da hinein zuschreiben. Aber alles ändert sich und so gab es große Lücken.Dann hab ich sie in mein Tagebuch geschrieben und sommit fehlen sie im Traumbuch. Aber wenn man nach Jahren darin blättert kommt es einem vor als hätte es ein Fremder geschrieben.Es ist ja geradzu unglaublich was einem damals im Traum passiert ist. Man kann sich nur an Fragmente erinnern und ist total überrascht weil man es vergessen hat.Einfach vergessen hat.

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  5. Mir ist es schon oft passiert, dass eine „geniale Idee“, die mir im Halbschlaf vor dem wirklichen Aufwachen kam, sich verflüchtigt hatte, noch bevor ich einen Fuß auf den nicht vorhandenen Bettvorleger setzen konnte. Für meinen eigenen Seelenfrieden beschließe ich dann regelmäßig, dass es keine wirklich gute Idee gewesen sein kann, wenn ich sie so schnell vergessen habe. (Das gleiche gilt für Ideen unter der Dusche, die das Abfrottieren nicht überleben.)

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  6. Der Smartphone-Notizblock ist bei mir durch das Sprachmemo abgelöst worden, geht schneller, vor allem nachts!
    Den Mann, der bei mir lebt und neben mir im Bett schnarcht, treibt das wahrscheinlich mehr und mehr in den Wahnsinn, aber man(n) kann eben nicht alles (perfekt ausgefuchst) haben, oder? 😉

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  7. Ich hatte einen grandiosen Einfall für einen scharfzüngigen, gewitzten und zugleich liebenswerten Kommentar, scrollte herunter, stieß auf andere Kommentare, blieb hängen und vergaß meinen Einfall.
    Sollte also eines fernen Tages (ferner Tag…eine Zeiteinheit mit einem Adjektiv des Raumes…was ja das Adjektiv gezwungenermaßen verzeitlicht….und Zeit ist, wie wir natürlich alle wissen und detailliert verstehen, weil wir kluk sind, relativ…oh die Weltformel ist kurz vor…ach nee, wieder weg)
    Also: Sollte eines zeitlich entfernten Tages ein überhaupt nicht zum deinigen™ Text passender und somit verwirrender Kommentar von mir erscheinen, probiere einmal aus, ob er nicht hier passen tun täte.

    Was bedeutet dein zweiter Satz?
    Und warum fehlt die Verlinkung zum zweiten Teil? (Sträfliche Vernachlässigung?!)
    Und was bedeutet für dich die Zahl 2?

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    • Zur ersten Frage: Dasselbe wie der davor.
      Zur zweiten Frage: Faulheit. Willkür. Künstlerische Freiheit. Vieleicht hole ich das nach.
      Zu dritten Frage: Darauf zu antworten, verstößt gegen meine Weltanschauung. 😉

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