Die Mauer muss weg!

Unsere Psyche ist ein eigenartiges Ding. Aus irgendwelchen Gründen führt sie ein selbstständiges Leben und achtet dabei nicht auf ihre Umwelt. Die Umwelt wäre zunächst mal der eigene Körper, der sie dankenswerterweise durch die Gegend trägt. Zwischen Körper und Psyche besteht ein Zusammenhang, der sich mir gerade eben erschloss. Ich habe mich verändert. Das ist nach den ersten Absätzen von diesem Artikel keine große Erkenntnis mehr und auch kein Wunder, weil ich mal wieder eine freiwillige Pause in der Ausübung eines weit verbreiteten Ausdauersports eingelegt habe. Sie dauerte etwa ein halbes Jahr. Bis gestern. Die Gründe sollten bekannt sein: unsere Waage bzw. Schwerkraft ist kaputt. Vielleicht sogar beides. Eine frustrierende Allianz widerlicher Tatsachen.

Zurück zum Wesentlichen. Aus irgendeinem Grund übertragen sich körperliche Aktivitäten nach einiger Zeit automatisch auf die Gedanken, weshalb schnelles Rennen den Kopf denken lässt, dass er sich tatsächlich schnell bewegt. Wenn der Körper also sich wiederholende Aktivitäten ausübt, denkt sich die Rübe, dass sie dem Körper da in nix nachstehen möchte. ABER: Wie auch im Autobau verbergen sich die Tücken nicht in der Mechanik sondern in der Elektronik. Dieser Tage ist das deutlicher geworden als jemals zuvor. Ich merke gerade: Der Vergleich von Menschen und Autos ist besser, als ich erst angenommen hatte. Das Pendant zu „Jaja, wir haben die Grenzwerte nicht überschritten.“ wäre nämlich „Was mieft hier denn so? Also ICH war das nicht!“. Die Software gaukelt uns und andere also etwas vor. Ich finde diesen Vergleich treffend. Das muss aber auch nichts heißen, wenn man überlegt, was mir die Masse im Schädel gestern angetan hat. Da scheint Manches im Argen zu liegen.

In Bezug auf körperliche Ertüchtigung wird der Körper also einfach nur müde, der Geist aber arbeitet weiter und verhunzt einen vollkommen willkürlich gewählten Gedanken. Das Schlimme ist, dass ich gestern stolz und ausgeruht aus der Haustür schritt und die Bauarbeiten am Keller begutachtete. Die Augen sehen eine Mauer und das war’s. Der Kopf denkt „Mauer.“ und setzt eine Assoziationskette in Gang, die kranker nicht sein kann.

Natürlich ist es faszinierend, dass unser Gehirn zu soetwas in der Lage ist, aber in diesem konkreten Moment sorgte diese tolle Leistung dafür, dass ein armer Jogger eine Dreiviertelstunde lang wie ein hirnamputierter Zombie durch den Südpark in Düsseldorf gurkte und dabei über verschiedene Variationen des Satzes

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

nachdachte.
Und weil sich dieser blöde Satz prima mit meiner Atem- und Schritttechnik vereinen lässt, wirkte er wie ein Virus in mir fort, was ich umgehend der Frau, die in unserer Wohnung lebt, berichten musste:

„Und dann schwirrte mir die ganze Zeit dieser Satz durch den Kopf: ‚Niemand braucht einen Habicht, um einen Bauern zu verdichten!‘. Furchtbar!“

„Oje!“

„Ja, das Gehirn ist ein Fehler.“

Dein Gehirn ist ein Fehler.“

Da ist vermutlich was dran. Zunächst ist es zur Verdichtung eines Bauern tatsächlich nicht notwendig, einen Habicht zu bestellen und vor allem bin ich mir nicht ganz sicher, weshalb man das Gewicht pro m³ Agrarwirt überhaupt erhöhen sollte. Denn darauf liefe es ja hinaus. Darüber sollte man auch nicht zuviele Gedanken verlieren, denn spätestens wenn ein Grund gefunden wurde, sollte man sich selbst in die Geschlossene einliefern lassen. Seitdem bilde ich aber pausenlos neue Verhohnepiepelungen von Walter Ulbrichts Lüge. Es bietet sich einfach an. Ich präsentiere:

  1. Niemand braucht einen Habicht, um einen Bauern zu verdichten!
  2. Wieland haucht seine Absicht, einen Tower zu errichten!
  3. Niemand ist der Ansicht, man müsse Sauerland vernichten!
  4. Brisant ist die Aussicht, zwanzig Bauern aufzuschichten!
  5. Kiefern haben die Absicht, einen Pfauen hinzurichten!
  6. (Ich bin für Vorschläge offen)

Das alles ist sehr verstörend, weil keine Variante auf eine gesunde Psyche schließen lässt.

Passend dazu klingen mir bei Haushaltstätigkeiten, die ich voller Elan – kommt vor – durchführe, im Wechsel entweder Mozarts Requiem oder Peter und der Wolf. Ersteres habe zuletzt vor etwa 20 Jahren gehört, aber das hat sich so dermaßen in meinem Hirn festgesetzt, dass mir fast jedes mal, wenn ich staubsauge oder aufräume, ein gigantischer Chor hektisch „Kyrie eleison“ entgegenschmettert.

Das musste ich mal loswerden.
Und um schonmal ein wenig zu spoilern:

Hier wird es zeitnah um die sinnvolle Verknüpfung von Alterungsprozessen und Borstentieren gehen.

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