Ein Beitrag, an dem ihr gute Blogs erkennt und wie eins zum anderen kommt

Ich muss gestehen, dass ich aktuell an einer kleinen kreativen Flaute leide. Wobei das auch nicht ganz stimmt. Die Zahl der Entwürfe ist mittlerweile auf 38 angewachsen, wovon einige bestimmt eingestampft werden, weil ich sie langweilig finde oder einfach nicht mehr weiß, was ich schreiben wollte. Andere sind gut, aber nicht rund. Und wieder andere sind bislang lediglich Ideen und knappe Stichpunkte. Das werden mal gute Artikel…eines Tages.
Was für ein Blödsinn, sich deswegen einen solchen Druck zu machen. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit. Vielleicht habe ich schon alles geschrieben oder bin zu anspruchsvoll. Ich beginne gelegentlich Sätze und lösche die anschließend wieder. Eine Bloggerin hat mir neulich geraten, in solchen Momenten, in denen die Schreibblockade droht, einfach aufzuschreiben, was man heute angezogen hat und warum man das getan hat. Das sei bei vielen anderen Blogs eine erfolgsversprechende Strategie. Oder ich solle einen Test über Klopapier verfassen.

Ich bin geneigt, den letzten Vorschlag tatsächlich in Erwägung zu ziehen. Es gibt keinen wichtigeren Alltagsgegenstand, was man mit einem Blogbeitrag duchaus honorieren könnte. Zumal es auch in der Anwendung den einen oder anderen Unterschied gibt, den man beleuchten könnte. Von den qualitativen Unterschieden ganz zu schweigen.

Oder ich schreibe einen Beitrag, in dem ich der Welt die Ohren vollheule, weil ich seit zwei Tagen keinen Post veröffentlicht habe. Damit das nicht passiert, hat das nun auch ein Ende. Denn ich brauchte nur eine kleine Vorgeschichte, um die Belanglosigkeit der folgenden Zeilen zu rechtfertigen. Nach dem Motto „Ach, sind wir mal nicht so streng mit ihm. Er hat gerade so eine Phase.“

Ich hätte auch einfach schreiben können, dass ich mir momentan viel mehr Gedanken über meine Masterarbeit und Weihnachten mache, aber das ist wenig originell und dürfte vielen momentan so gehen. Nicht das mit der Masterarbeit. Das andere. Wobei das auch von meiner Zielgruppe abhängt, die ich noch gar nicht so eindeutig definieren konnte. Aber soweit ich das überblicken kann, befinden sich auch oder sogar überwiegend Nichtstudenten unter meinen „Followern“, weshalb die Vermutung mit den Erfahrungen mit einer Masterarbeit wohl als falsch bezeichnet werden kann. Und selbst die ehemaligen Studenten dürften das Glück gehabt haben, nicht im aktuellen System vom Bätscheler und Mahsta zu studieren.

Das hätte ich auch haben können. Dann hätte ich jetzt das Diplom in Elektrotechnik. Dann hätte ich aber einige andere Dinge nicht, die ich heute besitze. Und das sind immerhin zwei Meerschweinchen, zwei Kaninchen, eine Katze, eine Frau, die in unserer Wohnung lebt, einen oder ein Blog mit dem fürchterlichen Namen Dampfbloque (obwohl ich mich mittlerweile an die aus der Not geborene Schreibweise gewöhnt habe) und über 100 Verfolger desselben.

Was für eine Überleitung! Was für ein Teufelskerl, dieser Dampfbloque! Denn darauf wollte ich hinaus. Nebenbei: Ich spiele mit dem Gedanken, mir selbst eine Fangruppe einzurichten, um dort meine Lieblingsartikel zu posten. Vor kurzem wurde in der wohl besten Bloggruppe auf Facebook die Frage gestellt, welchen eigenen Beitrag wir für unseren besten halten. Da es schwer ist, sich auf einen Artikel zu beschränken, würde mir eine Fanseite entgegenkommen. An der Anzahl der Gruppenmitglieder würde der Erfolg dieses Vorhabens wohl scheitern.

Wie dem auch sei. Dieses Sammelsurium säuberlich sortierter Buchstaben, die Worte und schließlich Sätze bilden, fanden über 100 verschiedene (!) Internetnutzer nicht vollkommen schlecht, was mich immer freut. Wirklich überrascht war ich allerdings nicht, denn nach geltenden Konventionen der Mathematik folgt auf die 99 irgendwann die 100. Ein Zähler mehr und der Autor rastet aus, weil er nun eben endlich einen Artikel darüber schreiben kann, dass er 100 Verfolger hat. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob das viel oder wenig ist. Das Problem ist vermutlich, dass es keine Norm gibt.
Womit vergleicht man solche Zahlen sinnigerweise? Gehe ich nach den Zahlen eines Blogs, der genre-technisch in eine ähnliche Kerbe schlägt und den ich sehr gerne lese, müsste ich niedergeschlagen sein, denn dessen Zahlen scheinen unerreichbar. Ich bin es aber nicht. Erstens, weil man nie weiß, ob man nicht morgen den Oberknaller raushaut und die Zugriffszahlen durch die Decke schießen (zum Glück habe ich diesen Buchstabendreher korrigiert, bevor der Artikel veröffentlicht wurde), und zweitens, weil ich zwar leicht narzisstisch veranlagt bin, aber mein Selbstbewusstsein nicht ausschließlich aus meinem Blog speise. (Das sei aber jedem selbst überlassen. Also ob er sein Selbstbewusstsein aus meinem Blog speist.) Außerdem sind es ja nicht bloß 100 Verfolger sondern +7.500 Zugriffe. Schrieb er und fragte sich anschließend, ob 7.500 Zugriffe viel oder wenig sind.

Wenn man derart verunsichert ist, gibt es eigentlich nur wenige Dinge, die man machen kann. In meinem Fall habe ich mich bei Twitter angemeldet. Und war völlig überfordert, weshalb ihr dort bis jetzt noch nicht allzuviel Lesenswertes zu lesen bekommt. Außerdem weigere ich mich noch mehr oder weniger, diese Herzen zu klicken, wenn mir da was gefällt. Das wird sich bestimmt noch ändern, wenn ich dieses Medium verstanden und akzeptiert sowie den Trend, möglichst kryptische Tweets mit diversen hashtags (engl.: Raute) zu verfassen, adaptiert habe. Eigentlich spricht das mal wieder nur für meine Angewohnheit, bei Trends grundsätzlich ein wenig zu spät dran zu sein. In der 6. Klasse habe ich vorrübergehend Schlaghosen getragen. Da waren die 70er aber schon seit 20 Jahren vorbei. Wusste ich nicht. Heute twittert wahrscheinlich jeder Teenager und ich beschließe mit 30 Jahren, dass ich mir dieses verrückte Ding names social media mal anschauen sollte, obwohl ich es eigentlich nie wollte.

Das war mit diesem Blog genauso. Aber den habe ich direkt verstanden. Was ja auch klar ist, denn ich habe ihn selbst geschrieben.

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32 Kommentare

  1. Bei Facebook hatte ich mich mal angemeldet, nutze es aber nicht und Twitter schon gar nicht. Mich nervt schon Google+ und ich denke, dass ich da mein Profil auch lösche, obwohl man da wirklich schöne Bilder zu sehen bekommt.
    Mein Blog nimmt auch viel Zeit in Anspruch, schaffe all die Kommentare nicht und Gegenkommentare in anderen Blogs müssen auch warten.
    Immer mal wieder Pause vom Blog…sonst geht nix mehr.

    LG Mathilda 🙂

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  2. Ich finde einen Artikel pro Tag sehr ambitioniert. Das habe ich mir deshalb gar nicht vorgenommen. Andere soziale Medien kann ich aus denselben Zeitgründen nicht verfolgen. Ich hab‘ ja auch noch ein Leben mit persönlichen sozialen Kontakten neben all diesen Netzwerken.

    Also wünsch‘ ich Dir viel Erfolg beim täglichen Bloggen! Aber stress‘ Dich nicht!

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      • Man könnte versuchen, das virtuelle dem wirklichen Leben anzupassen. Du stellst die Frage, woran man gute Blogs erkennt. Ich glaube nicht, dass man sie an der Zahl der Artikel oder der Worte erkennt. Ich wage sogar zu bezweifeln, dass alle „Likenden“ die Beiträge auch wirklich gelesen haben. Am ehesten kann man noch aus den Kommentaren darauf schließen.

        Auf einen guten Artikel warte ich auch gern etwas länger und lese ihn gelegentlich sogar in einer ruhigen Minute noch einmal.

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      • Ich verstehe es, wenn jemand zwinkert. … aber es gab‘ schon mehrere Beiträge über Followerzahlfreude etc. und in diesem Beitrag hast Du die Zahlen auch angesprochen. Ja, man weidet sich gelegentlich an solchen vermeintlichen Erfolgen, aber ausdrucksstark sind diese Statistiken nicht gerade, weil nicht vergleichend. Da mag ich noch am meisten die Zugriffsstatistik über mehrere Jahre hinweg betrachtet, weil ich mindestens an meiner sehe, dass die Zugriffe immer kontinuierlich gestiegen sind. 🙂

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  3. Die Idee mit dem Klopapier und dem Outfit des Tages finde ich grenzgenial 😉 die Bloggerin muss echt Grips haben xD

    Bzgl. Der Aufrufzahlen… Das ist glaub ich echt schwer zu sagen
    sagen. Es gibt Leute die meinen, 1000 Besuche pro Monat wären viel. Auch wenn ich keine Ahnung habe, scheint mir das wenig.
    Waren die 7.500 in einem Monat bei dir??

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  4. Ich hab zur Zeit einen ziemlichen Blog-Hänger und bin aufgrund meines Beschäftigtseins mit dem analogen Leben nicht in der Lage, mehr als ein bis zwei Artikel pro Woche zu fabrizieren. Deshalb ein grosses Bravo für einen Artikel pro Tag, das ist wirklich sehr ambitioniert!
    Twitter nutze ich eigentlich nur, um neue Posts zu bewerben und hoffe, dass sie überhaupt gelesen werden; dasselbe gilt für Facebook. Instagram ist für mich ein Kanal, um auch persönlichere Dinge zu teilen, die auf meinem Blog so keinen Platz haben.
    Da mein Blog einzig meinem Privatvergnügen dient und auch kein kommerziell verwertbares Format hat freue ich mich einfach, auf diesem Weg neue Leute kennenzulernen und zu schauen, welche coolen Blogs es hier draussen sonst noch gibt. Am meisten freue ich mich über das Feedback der Leute, die mich auch im richtigen Leben kennen und sagen: Dein Blog bist Du:)!

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    • Stimmt, Instagram gibt es ja auch noch. Vielen Dank für das Schulterklopfen in puncto Veröffentlichs-Frequenz. Das hat sich eigentlich nur so ergeben, weil mir zwischendurch einiges unter den Nägeln brennt und dann schreibe ich zwei oder drei Artikel an einem Tag, die dann auf Halde liegen.
      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob viele meiner Freunde mein Gedankenwirrwarr lesen. Von zweien weiß ich es. Die Dunkelziffer muss noch ermittelt werden. 😉

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  5. Ha! Großartig, jetzt muss ich den Artikel bzgl. der ungelösten Blogfragen nicht mehr schreiben, die Fragen hast du ja notiert und ich kann mich voll auf die Antworten konzentrieren. Vielen Dank. Ich denke, in sechs bis acht Monaten habe ich den Blogbeitrag beisammen. *geht in seine Schreibklause* Masterarbeit *murmel* Was für eine Talentverschwendung *schreib* 🙂

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  6. Ja, Deine Gedankengänge kann ich sooo guuut nachollziehen. Seufz. Hach, da verfall ich gleich in Selbstmitleid! Aber wenn ich lange, gut fundierte Tipps poste (ich weiß, ich bin manchmal zu bescheiden…) interessiert das kaum den berühmten Bus voll Leute… Poste ich hingegen Lustig-Alltägliches aus meiner Flachliteratur-Feder oder auch meinem Kleiderschrank, der, abgesehen von 100 Fehlkäufen eigentlich fast leer ist, ernte ich seitenlange Kommentare. Aber dann ertappe ich mich dabei, wie ich eben nicht die gut dokumentierten Filme auf Arte schaue sondern lieber Arzt Serien auf Sixx (liegt natürlich auch in der Natur der Sache…).. und wie ich im Flugzeug verstohlen zuerst zu den Modezeitschriften greife um sie dann schnell in die FAZ einzuwickeln, damit ich auf dem Weg zum Sitz nicht ertappt werde… So sinnse halt, die Menschen und ich vornedran! Mein Tipp: Poste einfach das, nach was Dir grad´ist! Herzliche Bloggergrüße, Nessy von den happinessygirls.com

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    • Och, eigentlich zähle ich mich zu denen, die Lustig-Alltägliches aus ihrer Flachliteratur-Feder posten. 😉
      Aber mal im Ernst: Ich glaube, dass jeder Blog irgendwie seine Berechtigung hat. Ganz gleich, welchen Tiefgang er hat. Dafür stehe ich mit meinem Namen, weil ich mich mit meinen Beiträgen immer irgendwo zwischen zwischen reiner Unterhaltung und teils ernster Gesellschafts-/Medien-/Irgendwaskritik befinde.

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  7. Genau so mach´ich das ja auch. Lustige Geschichtchen zwischen Hintergründe der Flüchtlingsproblematik und den neuesten Verhütungsmitteln… Die Mischung machts… Tschüß, Wünsch´Dir einen schönen Tag, Nessy von den happinessygirls

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  8. Erst mal Danke für Deinen Like zu „Emse Bremse und Olle Ihmchen (54)“, von den Geschichten nehm ich auch manche wieder raus. Ansonsten halte ich mich an den Spruch von Wilhelm Busch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert.“ – Das gilt auch fürs Schreiben. Und wir schreiben und bloggen ja sowieso freiwillig, uns – oder jedenfalls mich – zwingt doch keiner.
    Manche Blockade kommt auch daher, dass wir uns dauernd selber korrigieren und kontrollieren. Dagegen hilft: Monitor abschalten und erst mal blind loslegen. Verbessern lässt sich nachher alles, aber es muss ja erst mal was da sein. 😉

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  9. Vorschlag: Tippe wahllos 10- 20 Zeichen. Bilde mit den Zeichen 1 oder 2 Sätze. Dann erkläre warum Du den Satz geschrieben hast. Es ist witzig, selbstkritisch und kann sehr spannend sein.

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