Die Weihnachten…the Wineeights

Das war es dann also schon wieder mit Weihnachten für dieses Jahr. Angesichts der Flüchtigkeit dieser Feiertage stellt sich mir gelegentlich die Frage, was der ganze Hickhack im Vorfeld eigentlich soll. Ab August üben sich die Geschäfte in Frömmigkeit, schalten Organisationen emotionale – und selbstverständlich nicht durch Spendengelder finanzierte – Werbespots zur besten Sendezeit und tauchen Supermärkte Teile ihrer Ladenfläche in mildes dunkelrot-grün-gold. Das Wetter im Dezember wollte nicht so recht mitspielen, was uns eigentlich gar nicht überraschen sollte, denn weiße Weihnachten war in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme denn die Regel. Außer vor acht oder neun Jahren, was vermutlich damit zusammenhängt, dass wir das Fest aus Gründen in Schweden verbracht haben. Wie die Zeit vergeht.

So, genug geschimpft. Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit. Man darf nicht schimpfen. Man darf auch nicht streiten. Bei einem Anflug von Disharmonie schreite ich gerne ein und verweise darauf, dass ja nun Weihnachten ist und wir uns erst wieder an die Gurgel springen dürfen, wenn der 26.12. vorüber ist. Eigentlich sage ich das nie, weil es a) keinen Grund zu streiten gibt und man es b) nicht von einem halbwegs willkürlichen Datum abhängig machen sollte, wann man sich zofft oder nicht.

„Wer ist die Frau in dem Kleiderschrank?!“

„Nee du. Heute nicht. Is‘ Mittwoch.“

Andererseits halten sich Tiere und andere mysteriöse Vorkommnisse wie zuletzt auch nicht unbedingt an bestimmte Zeiten, tauchen und treten einfach irgendwann auf, um mit mir zu sprechen.

Und damit sind wir mitten im Geschehen. Denn wenn die äußeren Umstände wenig weihnachtlich anmuten, muss der Autor zu Mitteln greifen, die eine solche Stimmung erzeugen. Und so kurios einem die ganze Sache mit dem Räuchermännchen auch vorgekommen ist, so hat sie mir doch ein wenig das mystische Moment von Weihnachten wiedergebracht. Vielleicht ein wenig verstrahlter und mit mehr sprechenden Tieren, aber immerhin. Vor vielen Jahren war es unheimlich und gemütlich, wenn man wusste, dass jemand wenige Wochen vor Weihnachten nachts die Wunschzettel vom Kaminsims mitgenommen hatte. An Heiligabend war dieser jemand zurückgekehrt, um Geschenke zu hinterlassen. Im Grunde wie ein Einbrecher, der allerdings selten Dinge zurücklässt; außer vielleicht Fuß- und Fingerabdrücke. Der klaut normalerweise nur die Wunschzettel und kommt nie wieder. Vielleicht ist das Christkind ein Einbrecher. Muss es ja sein.

Was heute anders ist, als noch vor einigen Jahren, sind die Wünsche. Ich weiß selten, was ich mir wünschen soll, was zum einen damit zu tun hat, dass mir just zu Geburtstagen und Weihnachten die Ideen ausgehen. Zum anderen hat man sich früher als Kind weniger darüber Gedanken gemacht, was den Angehörigen zuzumuten ist. Da wurden aus den Spielzeugkatalogen Dinge ausgeschnitten, für deren Gesamtwert man heute vor Scham im Boden versinken musste, und auf ein Blatt Papier geklebt. Der Preis spielte damals keine Rolle, weil die Dinge nicht von jemandem gekauft wurden. Sie wurden vom Christkind gebracht, das bekanntlich keine Steuernummer hat und folglich keinen festen Arbeitsvertrag besitzt. Ergo: Es zaubert die gewünschten Spielsachen einfach her, wobei „zaubern“ der falsche Ausdruck ist. Vielleicht klaut es sie auch.

Seit ich 10 oder 11 Jahre alt bin, weiß ich, dass das Christkind nur zu Kindern kommt und alle Wünsche erst durch den Tausch von D-Mark und später Euro in meinen Besitz wechseln. Da wird man zwangsläufig bescheidener. Zumindest, was die Menge der Wünsche angeht. Wenn das Gewissen zu schlecht wurde, weil nur teure Wünsche auf dem Zettel standen, habe ich ab einem gewissen Alter die aktuell bevorzugten Autos ebenfalls auf die Liste gesetzt. Auch diese Zeiten sind nun vorbei, weil unsere Karre die allerbeste ist. Sie ist alt, sie ist klein, ihre Kofferraumklappe knatscht und sie hat andauernd irgendwelche Wehwehchen. Sie hat aber Charakter, weshalb wir sie stolz tätscheln, wenn sie morgens den Entschluss fasst, den Motor starten zu lassen.

Der diesjährige Wunschzettel las sich also wie der eines Spießers:

  • größerer Küchenmülleimer
  • Staubsauger
  • Handyhalterung fürs Auto
  • Laptopakku

Eigentlich hätten da noch Dübel und Schrauben drauf gekonnt, aber auch ich habe irgendwo meinen Stolz. Die habe ich gestern selbst gekauft und heute in diverse Löcher in einer Wand unserer Wohnung gejagt. Nicht ohne vorher desöfteren geflucht zu haben, was ich in der Regel sehr leise mache. Ich verzweifele lautlos und blicke ins Leere. Generell äußere ich mich in Extremsituationen ziemlich zurückhaltend.
Ich habe mir vor drei Jahren mit einem Messer, das ich mit unserem wiederentdeckten Messerschleifer erst in ein solches verwandelt habe, saftig in den Daumen gefurcht. Es entfuhr mir ein „Fuck.“ in Zimmerlautstärke, das die Frau, die in unserer damaligen Wohnung lebte, zum Anlass nahm, panisch in die Küche zu stürzen. Das gleiche ist mir letztes Jahr passiert ohne einen Ton von mir zu geben. Da die Kartoffeln aber rot waren, wusste die Frau, die in unserer Wohnung lebt, sofort bescheid, was Sache war.

Um abgeschnittene Gliedmaßen – meine sind glücklicherweise noch alle dran…noch – soll es hier nur bedingt gehen. Das dürfte das köstliche Schweinfilet, das an Heiligabend mit verschiedenem Obst gefüllt wurde, natürlich etwas anders sehen, weshalb ich ihm hiermit huldige.

(Macht mich das zu einem schlechten Menschen? Man empört sich ja gern dieser Tage und nun habe ich öffentlich zugegeben, Fleisch gegessen zu haben. Möge mich ein potenzieller Shitstorm verschonen, denn ich kann alle beruhigen: Es gab neben dem Schweinefilet auch Klöße und Gemüse. Damit bestand das Mahl zu zwei Dritteln aus veganer Nahrung, was ja wohl die Waage eindeutig zu „guter Mensch“ ausschlagen lässt.)

Weihnachten haben die Frau, die in unserer Wohnung lebt, und ich zunächst getrennt verbracht. Sie bei ihrer, ich bei meiner Familie. Der Witz an der Sache, wenn man zu Familienfeierlichkeiten oder eben größeren Feiertagen zusammenkommt, ist darin zu finden, dass man sich nach wenigen Augenblicken wieder in einem altbekannten Umfeld wiederfindet. Mit den altbekannten Verhaltensmustern. Und so albert, ironisiert und sarkastisiert (neues Wort, Rechte bei mir) man sich durch den Abend, bis alle Anwesenden satt sind, alle Geschenke ausgepackt und alles Wichtige ausgetauscht wurden. Manche fehlen, aber einige sind noch da. Und das ist viel wert.


Die Zusammenfassung zu Weihnachten kommt spät, aber sie kommt, was mehrere Gründe hat. Ich habe ich mir selbst eine kleine Pause auferlegt, die auch hiernach fortgesetzt wird, weshalb dieser Artikel wohl der letzte im Jahr 2015 sein wird. Vielleicht auch nicht. Ich bin unberechenbar. Das ist eine meiner Stärken. Leider stimmt das nur bedingt, was eine meiner Schwächen ist. Ich erinnere an den Meister der Illusion, den ich dieses Jahr – zumindest an Weihnachten – relativ erfolgreich durchziehen konnte. Sie hat kein Geschenk erraten können.
Die  Pause war eigentlich eher dem Umstand geschuldet, dass ich während der Feiertage nicht wirklich großes Interesse daran hatte, mich hinter den Laptop zu klemmen. Gründe gab es genug, zumal ich seit Heiligabend im Besitz eines leistungsstarken Akkus für mein Arbeitstier bin, was zur Folge hat, dass dessen Ausdauer ohne Netzteil von 7 Minuten auf mehrere Stunden emporgeschnellt ist. Endlich wieder auf dem Lokus schreiben! Und vor allem: Endlich wieder die Wahl haben zwischen „Stelle ich das Teil links von mir ab, wenn ich aufstehe, oder rechts?“. Die Wahl fiel im vergangenen Jahr immer auf links, weil ich mich andernfalls mit dem von links kommenden Netzkabel ans Sofa gefesselt hätte.
Ein weiterer Grund für die kleine Pause ist der Umstand, dass dieser Blog hier immer noch ein Freizeitunternehmen ist und ich mich nicht dem Zwang aussetzen möchte, andauernd abzuliefern. So sehr es mir auch gelegentlich unter den Fingernägeln gejuckt hat. Aber weil sich über die Feiertage viele neue Verfolger zu mir gesellt haben, habe ich das Gefühl, dass auch meine alten Beiträge nicht unbedingt die schlechtesten sind. Also kann das Geschäft ein wenig ruhen und das Bestehende darf reifen. Und das neue Jahr wird mit mindestens einer Neuerung beginnen. Die verrate ich aber noch nicht. Vielleicht doch. Mal schauen. Nein, ich denke nicht.

Und so schreibe ich die letzten Worte dieses vielleicht letzten Beitrags in 2015 auf meinem nun temporär schnurlosen Plastikkasten, esse die Reste des Inhalts meines Nikolausstiefels (nicht das Räuchermännchen; es dürfte wohl nicht schmecken) und schmeiße den anfallenden Müll in unseren neuen pervers großen Küchenmülleimer. Er ist rot. Und weil uns vorgestern beim Einstöpseln unter einem dumpfen *fffump* die Lichterkette des Weihnachtsbaums abgeraucht ist, befindet sich diese nun in jenem Mülleimer. Wenn das mal nicht weihnachtlich ist…

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8 Kommentare

  1. Hahaha – eine Spießerliste 😉 Meine war ähnlich spießig: Wolle, Strick- und Häkelnadeln, Stabmixer oder eine Buskarte….. Irgendwie eine Mischung aus alt und spießig. Nur, dass ich mir die Buskarte aus Gründen der Romantik selbst kaufen werde oder einfach weiter zu Fuß gehen, weil wir ja eh ganzes Jahr Frühling haben….

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  2. Also, das Christliche ist definitiv KEIN Einbrecher! Musste ich meiner Großen versprechen – alles andere hätte ihr Angst gemacht. So kann ich nun bestätigen, dass das Christkind sich von den Eltern Fenster oder Türe öffnen lässt. Vielleicht beruhigt das ja den ein oder anderen hier 😋
    Auch möchte ich gepflegt widersprechen, dass Veganer die besseren Menschen sind. Viele von denen finde ich einfach nur oberlehrerhaft und arrogant (ob dieses Themas), was für mich keine charakterlichen Züge eines guten Menschen sind. – Darauf ein saftiges Steak! Ich mag es übrigens gerne Medium-rare!
    Ob ich aber jemals wieder diesen Blog werde lesen können, ohne Kopfkino vom „Klo-Hock-Schreiber“ zu haben, ist fraglich! 🙈😁😄

    In diesem Sinne:
    FROHES NEUES!

    Gefällt 1 Person

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