Blackie frisst Kartoffelpüree I – Warten an Neujahr

schwarzes_schweinchen

Vorwort

Eines vorweg: Ich bin mir nicht sicher, ob Blackie Kartoffelpüree fressen sollte. Das erscheint mir merkwürdig. Ebenfalls erklärungswürdig: Ich kannte Blackie heute morgen noch nicht. Ich habe ihn erst später kennengelernt, weil er eines unserer Haustiere fressen wollte. Um alle nun vollständig zu verwirren, erkläre ich, dass Blackie unser neuer Nachbar ist. Aber diese Aussage könnte ja tatsächlich nur verwirrungstechnischen Aspekten dienen. Lasst es uns herausfinden!

Da sitze ich nun an Neujahr. Gegenüber ist die Rezeptionstheke, links neben mir sitzen verschiedene Menschen mit ihren noch verschiedeneren Haustieren. Ganz hinten liegt ein gigantischer Waschlappen mit Troddeln in schwarz. Wahrscheinlich Spielzeug oder eine Kuscheldecke. Links daneben sitzt ein Hund, der seinem Besitzer verblüffend ähnlich sieht. Er scheint ziemlich ruhig zu sein und wartet geduldig, blickt immer wieder zu seinem Herrchen auf. Herrchen reagiert nicht und schaut stur gerade aus. Ich schaue den Hund konzentriert an. Er fixiert mich. Nicht, dass er mich gleich anfällt.

„Nicht beißen.“, ermahne ich ihn.

„Warum sollte ich? Er hier ist der Hund.“, antwortet der Hund und deutet auf sein Herrchen hinter ihm. Herrchen kläfft.

Ich schrieb bereits, dass die beiden sich ähneln. Das erklärt aber nicht, warum sich der Mensch auf den Boden setzt, während sich der Hund einen Sitzplatz nimmt. Ich schaue weiter.
Links neben dem Hund auf dem Sitzplatz wartet eine Frau mit ihrem unruhigen Hund. Ich mag unruhige Hund nicht. Die rennen einem mit ihrer tropfenden Zunge dauernd vor die Füße. Und ich falle schon zuhause gelegentlich über die Katze, die in ihrer ignoranten Gelassenheit bräsig den morgentlichen Laufweg zum Klo kreuzt. Die Fußhupe ist auch so ein Kandidat, der reges Interesse an mir zeigt. Ich schlage die Beine übereinander und drehe mich demonstrativ zur Seite.

„Nein, Blackie! Da ist nur ein Meerschweinchen drin. Das ist nicht zum fressen.“

„Theoretisch schon.“, antworte ich.

Die Frau lacht. Sie nimmt mich nicht ernst und ich ärgere mich, weil es die Wartezeit verkürzt und die Tierarztkosten verringert hätte. Das darf man eigentlich nicht schreiben oder sagen. Ich glaube nicht wirklich an schlechtes Karma, aber eventuell hätte ich mir einen Satz vom zweiten Teil des Weihnachtsmärchens sparen sollen. Denn just dieses Tier, über das ich schrieb, dass es mir langsam unsympathisch werde und ich deshalb froh wäre, dass es schon alt ist, ist der Grund, weshalb ich hier sitze.  Und da nagt dann schon manchmal ein wenig das schlechte Gewissen an mir. Dass Feiertag ist und ich deshalb neben stinkenden Hunden in einer sehr wahrscheinlich pervers teuren Tierklinik sitze, relativiert die Bedenken nur bedingt.

Die Frau von gerade spricht mit Blackie und drängt somit jedem im Foyer – ein Wartezimmer ist es nicht wirklich – seine Leidensgeschichte auf.

„Nein, Blackie! Nicht so viel rumlaufen. Du hast Schmerzen im Hinterteil.“

Blackie ist das egal. In den kommenden Minuten erfährt der Wartesaal, dass Blackie am liebsten Brühwürstchen frisst und selbst diese gestern abend verschmäht hatte. Wohl wissend, dass auch wir Menschen durchaus dazu neigen, Dinge zu uns zu nehmen, die nicht unbedingt unserem natürlichen Speiseplan entsprechen, gratuliere ich Blackie stillschweigend zu seiner Form des Protests gegen püriertes Fleisch im Phosphatschlauch. Immerhin bekommt Blackie nachher zuhause Kartoffelpüree. Vielleicht sogar mit Würstchen. Das müsse man schauen, je nach dem, wie es sich mit den Schmerzen am Arsch – sie verwendete ein anderes Wort – verhält. Blackie hat zwischenzeitlich die schwarze Decke mit Troddeln entdeckt und das Zaubern erlernt. Denn die Decke bekommt urplötzlich Augen und schlägt Blackie durch hastiges Schwanzwedeln in die Flucht.

Mit meiner schwarz-weißen Wurst mit Haaren im Transportkörbchen komme ich mir langsam etwas fehl am Platze vor. Übrigens musste ich bei der Anmeldung lügen. Wir haben – ich korrigiere – ich habe die Angewohnheit, meinen Haustiere ungewöhnliche Namen zu geben. Das ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass ich seit ich denken kann Haustiere hatte, die nicht selten Nachwuchs bekamen. Kaninchen und Meerschweinchen. Irgendwann gingen uns Kindern die Namen aus, was mein Bruder zum Anlass nahm, den drei Jungtieren von Maxi und Mini – zwei Meerschweinchen – die Namen Eckbert, Speckbert und Verkrüpplibert zu geben.
Verkrüpplibert hatte einen angeborenen Fehler am Beckenknochen, was sich durch das komplette Fehlen von jenem äußerte. Speckbert wohnte bei meinem Bruder im Zimmer und da dieser älter als ich war und damit auch schon früher einen Computer besaß, musste Speckbert ein ums andere mal den verbalen Zorn über verlorene Spiele ertragen. Was ich sehr gut nachempfinden kann. Computer arbeiten willkürlich und Spiele besitzen eingebaute Fehler, um das Meistern gewisser Szenarien zu verhindern. Und so ereignete sich die Geschichte, dass wir friedlich in unseren Kinderzimmern saßen und nur die leicht gereizten Reaktionen von meinem Bruder zu vernehmen waren. Die Anspannung entlud sich urplötzlich in einem kräftigen „Scheiße!“. Und weil irgendjemand am Misslingen des Angriffs bei irgendeinem Strategiespiel Schuld haben musste, folgte ein Satz, der sich allen Familienmitgliedern ins Hirn gebrannt hat:

„SPECKBERT!!! GUCK MICH NICHT SO AN!!!“

Fairerweise muss man sagen, dass Meerschweinchen tatsächlich blöd dreinschauen. Das ist aber auch gleichzeitig die Entschuldigung für Speckbert. Er konnte eben nicht anders, weil der dümmliche Gesichsausdruck ab Werk zu den unveränderlichen Voreinstellungen des Tiers gehört. Dazu war Speckbert ein Albino, was ihm eine noch sonderbarere Optik verlieh. Alternativ wurden Eckbert und Speckbert auch Backbert und Steuerbert genannt. Auf jeden Fall wurde damit eine langjährige Tradition dämlicher Namen eingeleitet, weshalb ich gerade bei der Anmeldung den Phantasienamen Stupsi angab, um nicht verständnislose Blicke zu ernten, wenn ich den tatsächlichen Rufnamen Fleckenfurz 18 nenne.

Und so warten wir zwei aufmerksam, dass uns jemand unter unserem falschen Namen aufruft.

Hier geht’s zum zweiten Teil!

 

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14 Kommentare

  1. Wünsch Dir und Fleckenfurz 18 ein „Frohes Neues“ und was besseres zum Essen als Kartoffelpüree, obwohl ich ja noch gar nicht weiß, was es damit eigentlich auf sich hat, außer dass es Blackie frißt 😉 . Nessy von den happinessygirls.com

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