Laptops: Unverzichtbare Ausgeburten der Hölle

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Ich erinnere mich gern an eine Zeit, als es noch keine Computer gab bzw. diese noch nicht derart den Alltag bestimmten, wie es heute der Fall ist. Ich erinnere mich mit Fassungslosigkeit an eine Zeit, als es noch keine Computer gab bzw. diese noch nicht derart den Alltag bereicherten, wie es heute der Fall ist. Zwischen diesen beiden Aussagen liegen gerade mal ein Punkt und ein Leerzeichen, was beide allerdings nicht weniger richtig macht. Satz- und Leerzeichen sowie Aussagen. Nach einem Satzzeichen setzt man ein Leerzeichen. Ergo: Richtig. Die Aussagen ebenfalls. Denn Computer sind Alptraum und Traum. Wir hassen sie, weil und obwohl sie uns so oft eine Hilfe sind. Weil sie uns helfen, wenn wir Hilfe benötigen. Weil sie uns nicht helfen, wenn wir um Hilfe gebeten haben. Weil sie uns helfen, wenn wir nicht um Hilfe gebeten haben.

Wobei letzteres eher Smartphones betrifft. Meine elektronische Fußfessel mit dem aussagekräftigen Namen „S5“ fühlt sich gelegentlich angesprochen. Genaugenommen fühlt sich Google angesprochen. Während einer Autofahrt versteht die Spracherkennung aus dem ohrenbetäubenden Lärm aus Musik und Gesang des Fahrers – gemeint bin ich – „Ok, Google“. Google sucht anschließend nach dem, was es für suchenswert erachtet. In der Regel versteht Google kein einziges Wort, was klar ist, weil ich dermaßen laut Musik höre, dass das Handymikrofon völlig überfordert ist.

Als ich noch ein kleiner Blogger von etwa 6 oder 7 Jahren war, verbrachte ich gelegentlich den Nachmittag im Musikgeschäft meines Vaters. Er besaß dort einen Computer samt Drucker, der wohl zum Drucken von Rechnungen gedacht war. Wir nutzten ihn anderweitig und produzierten pixelige Ausdrucke von Donald Duck und Mickey Mouse, die im Deutschen kurioserweise Micky Maus heißt. Donald Duck heißt Donald Duck. Ich weiß nicht, was das nun bedeutet, aber ich erwähne es, damit ihr euch darüber das Hirn zermartern könnt.

Mit zunehmendem Alter schlichen sich Computer in den Alltag ein und was anfangs noch eine aufregende Ergänzung des durch analoge Aktivitäten gefüllten Alltags war, wurde irgendwann obligatorisch. Im gleichen Maße wuchs der Frust. Denn Computer, das weiß jeder, sind perfide Maschinen, die uns mit ihrer Logik in den Herzinfarkt oder zumindest Trommelfellriss treiben wollen. Nämlich dann, wenn sie nicht so verfahren, wie es der menschlichen Intuition entspräche, und das heimische Arbeitszimmer durch den ausrastenden Insassen in eine akustische Wasserstoffbombe verwandeln. Sie sind das Böse. Was akzeptabel wäre, wenn sie nicht gleichzeitig eine solche Erleichterung wären.

Dass sie jemanden zur Weißglut treiben können, liegt übrigens glücklicherweise nicht daran, inwieweit jemand mit technischem Verständnis gesegnet ist. Das geht mir zwar nicht ab, aber ein Informatiker wurde und werde ich nie. Vor dem Computer sind alle Menschen gleich. Ob Programmierer, Reinigungskraft, Designer, Texter oder Politiker. Alle sind sie vor ihm zum Scheitern verurteilt. Programme stürzen ab, Codes arbeiten nicht wie vorgesehen, Texte werden gelöscht oder man rutscht schlicht auf der Maus aus.

Und so beruhigt es mich, dass mein Bruder, der Informatik studiert hat und über ein ausgeprägtes Verständnis vom Zusammenspiel der Ziffern 0 und 1 verfügt, regelmäßig eskalierte, wenn er „mal eben gucken“ sollte, was mit dem Rechner eines Familienmitgliedes nicht stimmt. Oftmals stellte sich nach stundenlanger Fehlersuche heraus, dass eigentlich alles stimmte. Das allerdings ist für einen Rechner noch lange kein Argument, vernünftig zu laufen.

Da hilft dann in der Regel nur der Neukauf. Die Achillesferse solcher Gerätschaften. Sie gehen vom Status des Neugeräts bereits nach wenigen Monaten nahtlos in den eines Schrottrechners über. Die Hersteller wird es freuen. Den Käufer stellt es jedoch vor eine schier unlösbare Aufgabe:

Finde den für dich passenden Computer.

Man neigt heutzutage im Privatbereich eher zu Laptops/Note-/Net-/Chrome-/Ultrabooks, weshalb der klassische Rechner mit Tower unterm Schreibtisch auch bei mir ausgedient hat. Aktuell krankt mein Notebook, das Lenovo aus Gründen der Verwirrung ahnungsloser Menschen – wie ich einer bin – „ThinkPad“ nennt. Steht drauf, deshalb weiß ich das. Das wählte ich vor etwas mehr als zwei Jahren als für mich passend aus. Der Weg dorthin ist ein endloser Wechsel zwischen völliger Überzeugung, massiven Zweifeln, Beinahekäufen, erneuter Beratung, Beinahekauf eines ganz anderen Geräts, Internetrecherche und Besuchen von Eletronikgeschäften, der letztlich nur eines zutage fördert: Die Erkenntnis, dass man keine Ahnung hat.

Aus diesem Grund ist mein erster Ansprechpartner in Bezug auf neue Gerätschaften computerhafter Natur mein Bruder. Solche Gespräche verlaufen dann in etwa so:

„Mein Bruder, erhöre mich! Ich benötige ein neues internetfähiges Endgerät!“

„Wo ist denn dein Preislimit?“

„Achja. Drölfzig…vielleicht einundrölfzig. Dachte an gebrauchte Geräte.“

„Problem ist, dass gebrauchte Geräte keine Gewährleistung haben. Außer die sind refurbished. Die Händler bieten oftmals eine an.“

„Eine Garantie?“

„Gewährleistung. Eine Garantie gibt oft nur der Hersteller.“

„Ach?“

„Du weißt, was refurbished heißt?“

„Nein.“

„Aufbereitet. Da bekommt man gebrauchte Geräte, die aber im Grunde wie neu sind. Was sollte dein Neuer denn können?“

„Internet. Vielleicht etwas Audio und Grafik.“

„3D?“

„…ja…?“

„Also nein.“

„Brauche ich 3D?“

„Das frage ich dich.“

„Wichtiger wäre, dass der nicht sofort in die Knie geht, wenn der mal etwas mehr belastet wird.“

„Also schon mal kein Netbook.“

„Nein?“

„Nein. Ich suche mal.“

„Wenn die zweiunddrölfzig oder dreiunddrölfzig kosten, ist es auch nicht schlimm.“

„Dafür bekämst du schon gute neue Geräte.“

„Lohnt sich das?“

„Dann hättest du die Herstellergarantie…“

„…ja dann…“

„…aber soweit ich das überblicken kann, hättest du bei deinem Budget dann nur 13 Zoll Display.“

„Das ist zu klein. 15 Zoll wären gut.“

„Gibt es viele gute, aber mit deinem Preislimit haben die zu wenig RAM.“

„Ja…“

„Musst du wissen.“

„Ja…also…brauche ich RAM?“

Das Problem ist, dass man sich zwar im Vorfeld informieren kann, spätestens beim Kauf aber vom Verkäufer eines Besseren belehrt wird. Deshalb sollte man Verkäufer meiden. Nicht, weil sie keine Ahnung haben, sondern weil man die Variablen in dieser Rechnung soweit es geht reduzieren sollte. Wer halbwegs weiß, was er möchte, begibt sich ohnehin ins Internet und vergleicht. Das ist nämlich ein großer Vorteil dieser fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags. Informationen sind jederzeit verfügbar.

Also klickt man sich durch Testberichte, Vergleichsportale und Kundenbewertungen, um sich einen Überblick zu verschaffen, der die Erkenntnis fördert, dass es unabhängig von der Kaufentscheidung immer ein Kompromiss werden wird. Dabei ist es beinahe egal, ob man sich auf Chip rumtreibt, Computerbild (wobei mich hier der letzte Wortteil skeptisch stimmt) oder Netzsieger. Allerdings bin ich großer Freund von Auflistungen aller Daten. Gerade weil ich ohne den direkten Vergleich aufgeschmissen wäre. Ich würde nach Optik wählen. Oder nach medialer Prägung. Apple-Produkte werden quer durch alle Schichten als die großen Heilsbringer gefeiert. Weil sie so präsent sind. Kaum jemand nutzt das Potenzial der Geräte, aber sieht sich im Kauf des Apple-Notebooks bestätigt, weil es das Word-Dokument in einer Zehntelsekunde weniger öffnet als unter Windows. Toll!

Notebooks sind heute vielmehr Einrichtungsgegenstand als Arbeitswerkzeug. Sie sehen ja auch so unfassbar schick aus. Das soll von dem Unvermeidlichen, dem eigentlich Offensichtlichen ablenken. Dass sie der Wolf im Schafspelz sind. Spätestens nach zwei Jahren offenbart sich das wahre Gesicht. Kompatibilitätsprobleme, veraltete Treiber, Leistungsabbau. Insbesondere letzteres macht Laptops zu nichts anderem als einem beutellosen Staubsauger: Saugkraftverlust nach anfänglicher Euphorie. Vielleicht rufe ich mal meinen Bruder an und informiere mich über die Vorteile von Staubsaugern. Da weiß ich wenigstens, was ich will: einen Staubsauger.

Die Sache mit Donald Duck und Micky/Mickey Maus/Mouse lässt mich irgendwie nicht los und wird mich wohl mein gesamtes Leben lang verfolgen. Ich bin großer Verfechter deutscher Begriffe, wenn sie angebracht sind. Aber Eigennamen? Die Eindeutschung von „Laptop“ ist übrigens gescheitert. Dafür sind die Bezeichnungen schlicht zu unterschiedlich. Ein „Laptop“ ist etymologisch nicht mit einem „Notebook“ oder „Netbook“ verwandt. Es sind aber wohl alles Klapprechner. Und vor allem in jeglicher Hinsicht die Pulstreiber der heutigen Zeit. Weil wir sie haben wollen, obwohl sie uns gleichzeitig so oft in den Wahnsinn treiben. Im Grunde wie beutellose Staubsauger…oder Micky Maus…Mickey Mouse…verdammt!


Weil unser Staubsauger tatsächlich bald kaum mehr eine Minute am Stück saugen kann, suchte ich gerade nach einem neuen und wurde in diesem Modell fündig. Will ich haben. Das Problem: Er ist beutellos. Was mich überzeugt: Er ist schick. Der Mensch steht im Verdacht lernfähig zu sein. Manchmal zweifele ich daran. 


Ihr könnt lesen? Fein! Lest ein Buch. Etwa Facebook.

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16 Kommentare

  1. Du weisst schon, dass man Treiber updaten kann? Also, meistens. Ausser dem Bluetooth-Treiber für Windows 10. Den scheints gar nicht mehr zu geben. Alles verwirrend. Aber auf der Tastatur von meinem Laptop sind ja auch Buchstaben zusätzlich aufgeklebt. Er war wohl ursprünglich für einen Anhänger der französischen Sprache und Tastenbelegung gedacht.

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  2. Für was brauchst du denn deinen Staubsauger? Nur für die Wohnung oder auch im Freien?
    Was muss der alles können? Soll er einfach nur saugen oder auch gleich noch feucht reinigen?
    Wie stark soll denn seine Leistung sein? Wieviele Saugwatt soll er haben? Möchtest du die Leistung einstellen können?
    Wir laut darf er denn sein? Muss er ultraleise sein, damit du auch des nachts in Dunkelheit den unsichtbaren Staub saugen kannst?
    Muss dein Staubsauger über einen integrierten Sackbeutel verfügen oder so ein „Kübel-Air-System“ haben?

    Äh … soll er auch noch schön aussehen? Vielleicht kommt ja mal netter Besuch und du staubst gerade Staub?

    Möchtest du überhaupt noch selber Staub saugen oder soll es sogar ein selbstsaugendfahrendes Roboterstaubsaugermodell sein? Dann könntest du während dem Staub saugen auch gleich noch die Computermodelle vergleichen…

    aber du siehst: auch einen Staubsauger kannst du nicht einfach so ohne weiteres mal kaufen 😉

    Lg, Stefan von Quer durch den Alltag

    Gefällt 2 Personen

    • ich habe einen Roboterstaubsauger, den ich Robby nenne, er arbeitet wann er will, und fährt die Ladestation selbstständig an. eine perfekte Haushaltshilfe für faule Hausfrauen, wie ich eine bin

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    • Eine Möglichkeit, die ich nicht ausschließe und über die ich bereits nachgedacht habe. Ich könnte es selbst drucken, aber dafür bräuchte ich einen neuen Drucker. Werde mir einen zulegen in naher Zukunft. Daher in Kürze: Drucker: Unverzichtbare Ausgeburten der Hölle.

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  3. Da ich keine Ahnung von PC, Computer und/oder Laptop habe, aber auch nicht zwingend über das Disney Universum vermute ich das MM von Micky auch mit Maus funktioniert das DD, welches auch den Geldspeicher des Onkels von Donald ziert hätte dann für den deutschsprachigen Raum anders gedruckt werden müssen DE für Dagobert Ente, welcher ja gleich wie sein Neffe Donald heißt, im Nachnamen natürlich …

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  4. Zwei Jahre? Mein Laptop ist jetzt gerade 7 Monate und hat seit gestern einen schwarzen Bildschirm. Alle hilfreichen Tipps erwiesen sich als nicht hilfreich. Nun muss ich wohl doch zurück zum Händler und nachschauen lassen. Gut wenn man ein veraltetes Ersatzgerät hat…Sonst entständen diese Zeilen nämlich nicht 😉

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  5. Ich fühle mich nur mal wieder darin bestätigt, keinen Laptop zu wollen sondern an meinem PC festzuhalten. Mit ihm bin ich schon seit Jahren sehr glücklich, weil ich ihn, wenn meine Maus, eine Ball- und keine Micky Maus, streikt („Mäuse – unverzichtbare Ausgeburten der Hölle“), betatschen kann und er dann Dinge tut (meistens die, die ich will). Leider kann das meine Katze beim Vorbeigehen mit ihrem Schwanz auch, weswegen wir da immer sehr viel Spaß zusammen haben… also hauptsächlich die Katze.

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  6. Ich breche mal eine Lanze für die Computerbild :-).
    Sie wurde uns (überraschenderweise) in einer früheren Weiterbildung empfohlen vom EDV-Dozenten, der meinte, auch wenn man mit dem „Mutterschiff“ der Computerbild fremdelt, sei das doch eine Publikation, die Informationen gut und verständlich aufbereitet für Menschen, die eher nicht so viel Ahnung haben und von den Artikeln z. B. der c’t eher eingeschüchtert sind :-).

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  7. Wir nutzten ihn anderweitig und produzierten pixelige Ausdrucke von Donald Duck und Mickey Mouse, die im Deutschen kurioserweise Micky Maus heißt.

    Das ist der Vorteil, wenn man etwas älter ist. Wir haben selbstverständlich nackte Weiber in ASCII-Code auf Endlospapier gedruckt.
    Mein PC läuft übrigens seit nunmehr fast 8 Jahren recht klaglos. Beängstigenderweise habe ich in dieser Zeit nicht einmal das Betriebssystem neu installiert, wie es in früheren Zeiten doch jährlich durchaus ritualisiert praktiziert wurde.

    Als jemand, der in gewisser Weise „vom Fach“ ist, finde ich das geradezu furchterregend. Aber es gibt ja Samsungs Galaxy Note 😀

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