Das Geheimnis guten Urlaubs – Das Spiel ist aus

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Die Vorgeschichte:

Verkürzter Urlaub ist, wenn man trotzdem lacht, dachten wir uns, als wir eigentlich noch vier Tage vor uns hatten, die wir in der Eifel verbringen wollten, es aufgrund schicksalhafter Fügungen aber nicht konnten. Deshalb reisten wir nach der vierten Nacht ab und fuhren die landschaftlich schönere Strecke nach Hause, weil wir uns schworen, die übrigen Tage trotzdem im Urlaub zu verbringen. Wir vermieden Autobahnen. Im Urlaub fährt man einfach nicht auf Autobahnen. Zuhause angekommen schalteten wir unser Festnetztelefon aus, informierten bloß wenige Menschen über unsere Heimkehr und planten die kommenden Tage, die wir wie schon in der Eifel mit Wandern verbringen wollten. Am letzten Tag sollte alles anders werden…

Nichts hasst die Welt mehr als unnötig erzwungene Cliffhanger. Bestimmte Internetseiten generieren damit haufenweise Traffic, was dieser Strategie entweder Recht gibt oder aber beweist, dass der Mensch einfach ein sensationsgeiles Tier ist. Das Zweite bedingt das Erste, was es nicht besser macht. Aber nett, dass Ihr drangeblieben seid, denn was jetzt geschieht, konnte ich kaum glauben. Lest selbst.

Das könnte ich nun die folgenden 900 Wörter durchziehen, aber ich mache es nicht. Ich zog Euch ohnehin schon knapp einen Monat durch unseren Urlaub, von dem ich heute schon nicht mehr genau weiß, wann er eigentlich zuende war. Ich müsste nachschauen und tue dies nun.

So. Meinen nicht existierenden Aufzeichnungen zufolge fuhren wir am 16.10. bei schwülen 6 Grad ab, kehrten am 20.10. nach Düsseldorf zurück und beendeten unseren Urlaubsmodus am 23.10. gegen 19 Uhr vormittags. Das bedeutet also – und das überrascht mich ebenso wie Euch – dass ich Euch seit über einem Monat von einem Urlaub berichte, der lediglich eine gute Woche dauerte. Die ersten drei Tage blies ich auf sechs Beiträge auf. Nun ist Ende November und Ihr lest vom letzten Urlaubstag am 23.10.2016.

Es ist kalt. Es ist wirklich sehr, sehr kalt, was uns noch in der Eifel dazu veranlasste, Bekleidung zu kaufen, die die körpereigene Wärme dort hält, wo sie gebraucht wird. Das dürfte wohl irgendwo am Körper sein. Neben sogenannten Softshell-Jacken besorgten wir uns diverse Socken und Funktionskleidung, denn wir wollten die Zeit in der Eifel nicht nur mit Wanderungen, sondern auch mit diversen sportlichen Aktivitäten verbringen. Rhythmische Schrittbewegungen, bei denen ein Fuß vor den anderen gesetzt wird und man durch diese Weise eine beschleunigte Fortbewegung erwirkt. Wir wollten eigentlich laufen gehen, taten es aber nicht. Das wollen wir heute nachholen. Wobei von „wollen“ im Augenblick des Erwachens keine Rede sein kann, denn der Blick aus dem Fenster verrät uns: Es ist kalt. Es ist wirklich, also echt wirklich, sehr, sehr kalt. Wir zwingen uns zum Aufstand.

Nach dem Aufstehen werfen wir wie gewohnt einen Blick auf die Wanderrouten der näheren Umgebung und können uns nicht entscheiden, wohin es heute gehen soll. Die Auswahl ist groß genug, aber es fehlt die zündende Idee. Ich werfe einen nachdenklichen Blick nach draußen. Es sieht noch immer sehr, sehr kalt aus. Meine Lust, den heutigen Tag draußen zu verbringen, reduziert sich um einige Pfung. Ich weiß nicht, in welcher Einheit Lust gemessen wird, aber Pfung scheint mir angebracht.

„Wie wäre es denn…“, setze ich an.

„Kommt jetzt irgendein Unsinn?“, wirft sie ein.

„Ja. Nein, also, wie wäre es denn, wenn wir den Weg nach Hagen laufen.“

„Und wie kommen wir von dort zurück?“

„Ich könnte Dich mit dem Wagen abholen kommen.“

„Ich soll alleine gehen?!“

„Es ist so kalt!“

Nach einiger Diskussion einigen wir uns auf einen Kompromiss: Es geht nicht nach Hagen und ich muss mitkommen.

Stattdessen fahren wir zu einem nahegelegenen Wald. Die Idee: Wir rennen hier durch die Gegend und treiben Sport, wie es unsere Vorfahren schon vor Urzeiten taten: an öffentlich zugänglichen Sportgeräten, die hier seit Jahrtausenden stehen. Das Ganze nennt sich „Trimm-dich-Pfad“ oder „Trimmpfad“. Als wir den Parkplatz erreichen, wird uns bewusst, dass wir uns einen denkbar schlechten Tag ausgesucht haben. Es ist Sonntag und die Sonne scheint. Das bedeutet, dass hier unfassbare Massen an Menschen unterwegs sind, die hier mindestens einen Familienausflug begehen.

Wir laufen los und werden nach wenigen Metern beinahe von einem Kind erschlagen, das mit einem schweren Ast gewaltsam die umliegende Flora liebkost. Der Mutter ist es egal. Im Vorbeilaufen werfe ich dem Kind einen bösen Blick zu. Es blickt böse zurück. Ich beginne zu weinen. Mir bleibt allerdings nicht viel Zeit, mich meiner Furcht hinzugeben, denn schon kommt uns eine Gruppe Walker entgegen.

Ich habe nichts gegen den handelsüblichen Walker als solchen. Diese Fortbewegungsart soll ja die Gelenke schonen. Allerdings belächele ich gerne Walker, die mit zwei Walkingstöcken ausgerüstet ihre Kreise ziehen. Man verwendet Krücken, um sich darauf zu stützen, um die Beine eventuell zu entlasten bzw. zu unterstützen. Welcher Sinn aber verbirgt sich hinter zärtlich aufgesetzten Walkingstöcken? Er will sich mir nicht erschließen. Soll es professionell wirken? Welcher Profiwalker verwendet Stöcke?

Was mich ebenfalls an Walkern stört: Sie weichen nicht aus. Ich habe mich damit abgefunden, dass man als Läufer gerne ignoriert wird, woran selbst meine neongelben Laufklamotten wenig geändert haben. Aber Walker stolzieren mit einer Selbstverständlichkeit auf einer festgelegten Schneise und mähen alles nieder, was nicht ausweicht. Eventuell habe ich doch etwas gegen Walker im Allgemeinen.

Wir erreichen schließlich die erste Station und beginnen die dort beschriebenen Übungen: Klimmzüge, Bockspringen und diverse Bauchübungen. Die Klimmzüge frustrieren mich, die Bauchübungen, welche man an einer Sprossenwand hängend absoliveren soll, sind in Ordnung, aber beim Bockspringen ereilen mich ernsthafte Sorgen, die ich im Kindesalter nie hatte. Wo oft sprang man in der Grundschule über Böcke? Sogar ohne Hände. Heute traue ich weder meiner Bein- noch meiner Armmuskulatur zu, die Planung von Dörthe und Wombat zu sichern. Das sind die Arbeitstitel unserer möglichen Kinder. Ich habe Angst, dass ein nach gutem Anlauf zu niedrig geratener Sprung bleibende Schäden im Leistenbereich verursachen könnte. Kastrierten Löwenmännchen fällt die Mähne aus. Also habe ich auch Angst um meinen Bart.

„Können wir weiter? Ich habe das Schicksal jetzt fünfmal herausgefordert. Lange geht das nicht mehr gut.“, dränge ich die Frau, die in unserer Wohnung lebt, zum Aufbruch.

Sie stimmt zu. Wir sind ohnehin auf dem falschen Weg. es gibt hier zwei Trimm-dich-Pfade und der hier ist falsch. Also laufen wir zurück, kommen noch einmal an dem nach wie vor pflanzenvernichtenden Kind vorbei und befinden uns schließlich auf dem Pfad, der uns von oberster Stelle empfohlen wurde.

Am Ende des Tages können mehrere Lehren notiert werden:

  1. Ich kann nicht hangeln. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, sehr wohl.
  2. Stupides seitliches Springen über einen Baumstamm und wieder zurück begünstigt Herzinfarkte. Mein Pulsmesser verzeichnete hier 207 Herzschläge pro Minute.
  3. Ich kann nicht balancieren. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, sehr wohl. Sogar rückwärts! Teufelsweib!
  4. Auch stupides vorwärtiges Springen über Baumstämme begünstigt Herzinfarkte: 209.

Zuhause angekommen lege ich mich ins Wohnzimmer und setze unverzüglich Rost an meinen Gelenken an, weshalb ich mich nur mit großer Mühe irgendwie aufs Sofa wuchten kann. Abends bestellen wir uns eine ungeheure Menge Nahrung. Erstens weil wir es uns verdient haben und zweitens weil das unser letzter Urlaubstag war. Als wir später durch Sport und Essen bewegungsunfähig auf dem Sofa umherrobben, beschließen wir, das Telefon wieder anzuschließen und den Urlaub offiziell zu beenden. Heute würde nicht mehr viel passieren, also ist nun ein guter Zeitpunkt gekommen, unsere Ferien zu beenden.

Der Urlaub war schön. Ob er besser geworden wäre, wenn wir die gesamte Zeit in der Eifel verbracht hätten? Vielleicht. Schwer zu sagen. Fest steht allerdings, dass wir auch in Düsseldorf schöne Tage hatten. Dass ich die paar Tage in derart epischem Ausmaß dokumentiere, scheint das zu belegen. Gefehlt hat uns hier nichts, weil wir – was man im Vorfeld bezweifelte, als wir von diesem Plan erzählten – unser Vorhaben, der Stadt zu entfliehen und jeden Tag etwas zu unternehmen, durchgezogen haben. Und es hat uns Spaß gemacht.

Später am Abend vibriert mein Handy. Eine Email. Ich halte sie der Frau, die in unserer Wohnung lebt, vors Gesicht. Sie grunzt. Sie ist längst eingeschlafen. Ich lese die Mail noch einmal. Der Urlaub ist vorbei.

In einer Woche geht es los…


Die gesamte Urlaubschronik findet Ihr hier. Viele schöne Fotos findet Ihr dort ebenfalls. Wem das nicht reicht, dem sei die Handreichung meiner sozialmedialen Außenposten ans Herz gelegt. Sie sind sehr, sehr gut.


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