Das Geheimnis guten Urlaubs – Erstmal weg und dann mal gucken

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Es ist ein weit verbreitetes Geheimnis, dass man als Student enorm viel Freizeit hat. Die alte Tröte mit dem Namen „Wir sind ja aber gar nicht so voll faul, ey!“ will ich hier gar nicht bedienen. Habe ich schon. Vor einem Jahr. War sehr, sehr gut, aber irgendwann ist es auch abgedroschen. Zumal ich mich schon seit einiger Zeit nicht mehr zu „den Studenten“ zähle, was unter anderem damit zu tun hat, dass mir einige meiner Kommilitonen peinlich sind. Das wiederum hat damit zu tun, dass ich älter werde. Und weise.

Meine Weisheit hat im Laufe der Jahre ein derart hohes Niveau erreicht, dass ich mich dazu genötigt sah, diese in der Praxis anzuwenden. Hier komme ich zurück zu meinem Dasein, als „Student, der ich nicht bin, weil…“. Den letzten wirklich von jeglicher Person unabhängigen Urlaub machte ich vor acht Jahren. 2008. Zwischendurch waren die Frau, die in unserer Wohnung lebt, und ich mal in Schweden, was immer mit der Unterstützung diverser Menschen einherging. Entweder tauschten wir für die Zeit mit jemandem aus der Familie das Auto, um zu gewährleisten, dass wir auch tatsächlich dort ankamen, wo wir hinwollten, oder wir fuhren nicht allein oder in das Ferienwohneigentum eines anderen.

Immer waren wir darauf angewiesen, dass sich irgendjemand in der Zwischenzeit um das heimische Getier kümmert. Dieses hat nämlich die unangenehme und äußerst lästige Angewohnheit, bei geringer Nahrungszufuhr das Atmen einzustellen. Nun ist die Haut ebenfalls in der Lage, Sauerstoff aufzunehmen. Das wissen allerdings die Tiere nicht. Ihr könnt euch unsere überraschten Blicke vorstellen, wenn wir von einem Urlaub heimkehrten. Es dauerte vier Urlaube, bis wir dahinterkamen, dass die Atmungsaktivität der Haut keinesfalls vor dem Ableben verschont.

Da richtige Reisen, von denen man als ordentlicher Student heutzutage gefälligst zu schwärmen hat, auch finanziell nicht unbedingt immer möglich waren, fielen unsere Ferienaktivitäten in der Regel so aus, dass wir zuhause blieben. Wir merkten nie einen Unterschied, aber fanden es irre entspannend zu wissen, dass wir rein theoretisch gerade Urlaub haben. Den wir nicht hatten, weil wir im Grunde seit immer alle paar Tage in unseren Nebenjobs arbeiteten.

Da sich bei mir aktuell lebensabschnittsmäßig ein wenig was tut (ich habe dauerhaft Falten auf der Stirn), nutzten wir die Gunst der Stunde (bevor es zu spät ist…immerhin habe ich Falten) und fuhren noch einmal weg. Urlaub machen. Hier kommt meine Weisheit wieder ins Spiel. Wer klug ist und keine Kinder hat, wobei das eine nichts mit dem anderen zu tun hat, fährt dann weg, wenn es sonst keiner tut. Das hat den angenehmen Effekt, dass die Straßen leer, die Unterkünfte günstig sind, die idyllischen Örtchen nicht überlaufen und die Seele entspannt ist. Also fährt man außerhalb der Schulferien und vermeidet so die Geräuschkulisse, die man auch zuhause genießen könnte. Sowas weiß man. So auch wir. Das änderte allerdings nichts daran, dass wir trotzdem in der zweiten Woche der Herbstferien fuhren.

Unser Ziel war eine Region, die ich der Frau, die in unserer Wohnung lebt, im vergangenen Jahr, als wir über ein Wochenende urlaubten, aus spannungstechnischen Gründen mit „Es hat etwas mit Kegeln zu tun.“ anpries. Sie war entsetzt und warf sich aus dem fahrenden Auto, was insbesondere auf einer Autobahnbrücke gefährlich ist, darüberhinaus aber auch gar nicht stimmt. Was allerdings stimmt, ist der Umstand, dass ich mit „Kegeln“ nicht die eher als Trinksportart bekannte Ballsportart meinte. Es ging mir vielmehr um die geometrische Form. Als dann das erste Schild erschien, dass uns mitteilte, dass wir uns nun in der Region der Vulkaneifel befänden, fiel der Groschen.

Dorthin fuhren wir nun also erneut. In die Vulkaneifel. Ohne konkretes Ziel. Nach einer Weile fanden wir ein kleines Häuschen, das uns passend erschien, und wir klopften an. Niemand öffnete. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, und ich schauten uns ratlos an.

„Ob dieser Schlüssel, den ich gerade in diesem Moment zufällig in meiner Jackentasche fand, wohl passt?“, fragte ich geheimnisvoll und kramte einen Schlüssel aus meiner Jackentasche.

„Das ist unser Wohnungsschlüssel.“

Und sie hatte Recht. Er passte zwar, aber erst nachdem ich ihn mit einem Stein im Schloss versenkte. Nachdem uns der Schlüsselnotdienst das Schloss aufgebrochen hatte, in dem mein abgebrochener Wohnungsschlüssel steckte, betraten wir das Haus und richteten uns ein. Das bedeutet, dass wir unsere Taschen ins Wohnzimmer stellten, unsere Wandersachen herauskramten und uns sofort auf die Socken machten. Denn das hatten wir uns vorgenommen: jeden Tag unterwegs sein. Es ist erstaunlich, wie viel entspannter man etwas unternehmen kann, wenn man dieses Vorhaben nicht in einen Tagesplan integrieren muss.

Wir fuhren zu einem Parkplatz, stiegen aus und gingen los. Unser Plan: Irgendwelche Wege nehmen. Am liebsten fort von den zwar überschaubaren aber nichtsdestotrotz vorhandenen Massen, die den sonnigen Sonntag für einen Spaziergang nutzten. Wir wollten nicht spazieren. Wir wollten forschen. Unberührte Gebiete erkunden. Ausgerüstet mit einer Kamera, zwei Objektiven, anderthalb Litern Wasser, einem halben Liter Isodrink, 100g „Salamettis“ von Aldi, einem Apfel und fünf „Nimm2“.

Die „Salamettis“ hätten wir als Ablenkungsmanöver wilden Tieren vorgeworfen. Das hätte uns wertvolle Zeit zum Fliehen gebracht. Danach wären wir wohl mangels Nahrung verhungert. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir sind gerade erst angekommen.

Und wir laufen los.

Nach Osten.

Oder Westen.

Irgendwo in der Vulkaneifel.


Wie es weitergeht, müsstet ihr morgen eigentlich hier erfahren. Woanders eher nicht. Das würde mich doch stark wundern. Vielleicht noch am ehesten bei Facebook.


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