Einkaufen II – Laufschuhe

Kontext

Einkaufen könnte spaßig sein, wenn einem nicht neuerdings diese eigenartigen Begriffe entgegengeschleudert werden, die letztendlich dazu führen, dass man gar nicht mehr weiß, wie man das nennen soll, was man gerne möchte. Da es mir gründlich misslungen ist, mich mit einer Verkäuferin auf eine Bezeichnung zu einigen, die wir beide verstehen, verlasse ich meinen Schneider und widme mich neuem Schuhwerk für ausgedehnte Läufe entlang der Düssel mit ihren malerischen Stränden.

Das mit den Schuhen ist zu meiner großen Frustration noch ein wenig komplizierter als der Hosenkauf. Es ist das erste mal, dass ich tatsächlich Laufgeschäfte aufsuche, um mir Schuhe anpreisen zu lassen. Das Dumme daran ist, dass ich aktuell ein bestimmtes Preislimit habe und dieses auch einhalten will. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, versucht konsequent, mich davon zu überzeugen, dass ich mir ruhig mal was gönnen könnte, was ich gerne würde. Aber nicht um jeden Preis. Mein erster Besuch bei Bunert in Düsseldorf war zugleich der ernüchterndste.
Zunächst habe ich nicht bedacht, dass wenn man mich dort mit den Tretern auf ein Laufband stellt, ich mit meiner neuerdings rutschenden Hose aussehe wie ein Affe auf dem Schleifstein. Außerdem kostete das erste Paar Schuhe, das meinen Ansprüchen und meiner Fußanatomie gerecht wurde 150 Euro. Ein zweites Paar lag bei 130 Euro und ein letztes, das schon nicht mehr so gut saß, 100 Euro. Also verließ ich Bunert, um im Schlussverkauf von anderen Läden mein Glück zu versuchen. Zumal ich jetzt ein Referenzmodell hatte: der Nike AIR ZOOM STRUCTURE 16. Nike ist die Marke. Der Rest dahinter irgendwas anderes, was den Schuh genauer beschreiben soll.

Was mir rein gar nichts brachte und die Verwirrung letztendlich ins Unermessliche steigen ließ. Denn mittlerweile habe ich eine Liste von Schuhen, die alle in Frage kommen (unter anderem beide Nachfolgermodelle vom Nike, die im Internet sehr heterogen bewertet wurden: „Auf jeden Fall vielleicht kaufen. Es sei denn du bist XY und hast YZ, dann vielleicht auf keinen Fall!“). Alles sogenannte Stabilschuhe, weil meine Fußgelenke die unverschämte Eigenschaft besitzen, beim Abrollen einzuknicken. Es tobt ein kleinerer Glaubenskrieg zwischen denjenigen, die behaupten, dass Stabilschuhe den Fußgelenken aufgrund eines Zuviel an Unterstützung eher schaden und denjenigen, die sie befürworten. Ich persönlich merke an mir, dass mir der fehlende Halt nach innen gerade bei langen Strecken die Knie verhunzt. Beim Fußball fällt das nicht so extrem auf, weil die Füße da eh bombenfest in die Schuhe geschweißt sind und die Bewegungen lediglich phasenweise zyklisch.

Wie dem auch sei. Laufschuhe kosten ein Schweinegeld und das vermutlich durchaus berechtigt. Das habe ich schon bei der Anprobe gemerkt. Das ist übrigens die größte Schwäche vom Onlinekauf. Im Laden erhältst du eine direkte Rückmeldung vom Verkäufer oder von dir selbst, dass der Schuh passt oder nicht. Zuhause musst du dich durch Foren wühlen oder dich mit widersprüchlichen Ratgebern befassen. Nervig. Man neigt ja auch dazu, sich selbst zu betrügen und da kann es nie schaden, wenn einem ein Fachmann zur Seite steht. Oder eine Fachfrau.

Nach dem fruchtlosen Versuch, Hosen zu kaufen, zog es mich zum Punkt der Rennenden, der sich ebenfalls damit rühmt, gute Beratung zu bieten. Die Fachkompetenz lässt sich relativ leicht herausfinden. Nachdem ich die Ausstellungsexemplare auf ihre preisliche Verträglichkeit hin überprüft hatte, tänzelte eine junge Dame mit geglätteten Haaren und Lippenstift auf mich zu, was mich stutzig machte. Sie wollte wissen, ob sie mir behilflich sein kann. Ich machte den ultimativen Test.

„Ich bräuchte eine super skinny tapered low waist Jeans.“

Ich neigte mich etwas näher zu ihr und ergänzte leise aber mit Nachdruck:

„Mit Knöpfen!“

Sie verstand es nicht. Entweder, weil sie mich nicht mehr erkannte oder weil es vielleicht doch eine ganz andere Verkäuferin als bei H&M war, die einfach haargenau so aussah wie die von eben. Die sehen heute einfach alle gleich aus! Auch wenn es keine Verkäuferinnen sind. Als Sicherheitsleute vor dem Ladeneingang stehenblieben, musste ich handeln und prüfte die Fachkompetenz der Verkäuferin:

„Ich brauche einen Laufschuh mit Pronationsstütze.“ 

Ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Ausdruck bei Deichmann verständnislose Blicke geerntet hätte, aber die Dame konnte mir drei Modelle zeigen, die in Frage kämen. Es ist übrigens erstaunlich, dass mittlerweile fast jeder im Alltag mit Laufschuhen rumläuft (haha!). Wobei das eher Fitnessschuhe sind, die sportlich wirken, aber wohl selten für ihren eigentlichen Zweck verwendet werden: Fitness. Ich schickte die Verkäuferin fort, dass sie mir das günstigste Schuhwerk bringe. Sie verschwand und kam zurück. Nicht mehr tänzelnd. Sie war auch vorher nicht getänzelt, aber ich neige dazu, Verkäufer erstmal als inkompetente Sklaven des Geschäftsführers zu betrachten, bevor sie mir das Gegenteil beweisen können.

Das ist vielleicht ein wenig oberflächlich. Andererseits handelt es sich ja tatsächlich eher selten um Profis, die an vorderster Front operieren. Ein Kollege der Dame mit geglätteten Haaren und Lippenstift (nicht der Typ!) sollte mir einen anderen Schuh bringen. Er kam auch mit einem anderen, mit dem ich allerdings nicht gerechnet hatte, weil es eben nicht der war, der mir gebracht werden sollte. Vielleicht hatte er auch nur einen schlechten Tag. Den kann man ja mal haben. Insbesondere, wenn man eine Liste mit potenziell sinnvollen Schuhmodellen erstellt hat, die man in der Form bei der nächsten Sushi-Bestellung durchgeben könnte.

„Sushi Manthei Düsseldorf, was kann ich für Sie tun?“

„Guten Abend. Haben Sie noch das Menü Noosa Tri 10?“

„Nach Asics Art?“

„Ja genau.“

„Das war nur im Herbst. Jetzt haben wir das nur noch als Asics Gel-Noosa Tri 10.“

„Achso. Nee, Gel mit Noosa ist nicht so meine Kombination. Dann nehme ich einmal bitte Asics Gel-Nimbus 17, Asics Gel-Kayano 22 und das Menü Asics Gel-Fujitrabuco 4.“

Fujitrabuco geht jetzt nur noch mit Supernova Sequence Boost 8.“

„Watt’n ditte?!“

„Nach Adidas Art.“

„Achso. Ja, das dann auch.“

Adidas Supernova Sequence Boost 8. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Im übertragenden Sinne, weil Schuhe generell wenig schmackhaft sind. Man kann es mit Markennamen auch ein wenig übertreiben.
Wir verlassen den Punkt der Rennenden ohne ein neues Paar Laufschuhe, weil ein etwas bequemeres Paar wieder zu teuer wäre. Es ist ja auch nicht so, dass meine aktuellen Latschen komplett durch wären, aber weil ich jetzt weiß, dass es deutlich bessere gibt, möchte ich die natürlich auch haben. Das ist glaube ich ein relativ menschlicher Reflex. Alles ist solange gut, wie man nicht weiß, dass etwas anderes dasselbe viel besser kann. Die Frage ist nur, welcher der folgenden Anglizismen-Komposita besser ist.

  • Nike AIR ZOOM STRUCTURE 16
  • Nike AIR ZOOM STRUCTURE 17
  • Nike AIR ZOOM STRUCTURE 18
  • Asics GEL-NIMBUS 17
  • Asics GEL-NOOSA TRI 10
  • Asics GEL-FOUNDATION 12 2E
  • Asics GEL-KAYANO 22
  • Asics GEL-FUJITRABUCO 4
  • Asics GT-2000 3
  • Adidas SUPERNOVA SEQUENCE BOOST 8
  • Brooks ADRENALIN GTS

Außerdem:

  • keine Hose

Unsere letzte Hoffnung ist nun, dass uns zumindest Aldi nicht die dringend benötigten Lebensmittel vorenthält, was am 02.01.2016 tatsächlich passiert ist. Zumindest gab es manches nicht mehr. Ist ja auch klar. Wer weiß, wann man das nächste mal oder überhaupt jemals wieder Hähnchenbrustfilet würde kaufen können? Ein Phänomen, das gern vor und nach Feiertagen auftritt. Mehr zur letzten Station einer bis jetzt überaus unnötigen Einkaufstour morgen im dritten Teil.

Manchmal haben die ja auch Hosen und Schuhe…

Hier geht’s zum ersten Teil!Hier geht’s zum dritten Teil!

 

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28 Kommentare

  1. An dieser Stelle kann ich auf meinen Test eines gänzlich unscheinbaren, für mich aber fantastisch funktionierenden Paars Laufschuhe hinweisen:

    https://solera1847.wordpress.com/2015/08/05/experiment-neue-laufschuhe/

    Früher war ich ein reiner Asics Cayano-Läufer, zum extensiven Seilspringen benutzte ich Asics Gel-Nimbus, aber dann fragte ich die Dame im Decathlon, ob ich sehr am Markennamen hinge, was ich verneinte. Und dann stellte sie mir dieses Paar aus der 42K-Ecke von Decathlon vor die Füße. Da sie unter 90 Euro kosteten, dachte ich mir: Ein Test kann nicht schaden. 1.300 Kilometer später: Keine Knieprobleme, keine Gelenkprobleme am Fuß, alles super. Könnte vielleicht die Auswahl noch mehr erschweren…

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    • Das tut es. Vielen Dank. 😉
      Andererseits ist es ja genau dieses Preissegment, das ein wenig dünn besetzt ist bei den großen Marken und in dem echt gerne fündig werden würde. Muss mir die Modelle von Decathlon mal anschauen. Kannte ich bis gerade nicht.

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      • Ich wusste vorher auch nichts davon, aber meinen Füßen taugen die Schuhe – und sie sehen noch nicht einmal schlecht aus (wobei das eigentlich ja absolut *kein* Faktor beim Laufschuhkauf sein darf).

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      • Das Auge kauft unwillkürlich mit und die Treter sehen grundsätzlich schonmal nicht übel aus. Das wertet das Laufgefühl natürlich auch ungemein auf…auf den ersten Kilometern. Danach ist man ja mehr mit sich selbst beschäftigt.

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    • Hm, meins auch. Das Kreuz meine ich. Da ich aber früher gern gelaufen bin, habe ich mich tatsächlich zu Nordic Walking überreden lassen. Mache ich aber nur im Winter, wenn ich keine Freunde im Park und Wald treffe. Das Problem allerdings: Jetzt brauchte ich Schuhe UND Stöcke

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      • Tja, in meinem Fall kommt noch die Gleichgewichtsproblematik dazu und gewisse Koordinationsprobleme. Wie meinte damals ein Chefarzt: „Da haben Sie sich ja eine tolle Kombination ausgesucht“. Na ja – von Aussuchen konnte keine Rede sein.

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  2. Übrigens, bevor ich mich in den TienSchan aufmachte, einem bis 7000m hohen Ausläufer des Himalaja in China, Kirgisien und Kasachstan, musste ich mich komplett neu einkleiden. Da ich, wenn die Luft da oben schon knapp wird, wenigstens chic aussehen wollte, habe ich einige Monate lang einige Verkäufer diverser Fachgeschäfte in den Wahnsinn getrieben. Ich kann das also schon verstehen, was Du da beschreibst. Und lustig ist es ja immer erst im Nachhinein. Während es geschieht wird entweder der Verkäufer wahnsinnig oder der Kunde verzweifelt

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      • Gut zu wissen! Ich trainiere nur an Geräten und nicht im Freihantelbereich. Für das „Geräteturnen“ reichen mir da auch meine normalen Sneakers (irgendwelche stabileren Pumas, die mir gut passen). Chucks sind so schön, die gehören raus auf die Straße 😀

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      • Dann nutze in Zukunft doch auch die freien Hanteln und lasse die Geräte links liegen. 🙂
        Daß der Bewegungsablauf bei Geräten geführt ist hat zur Folge, daß Du zwar die von der jeweiligen Übung primär angesprochenen Muskeln sicher trainieren kannst; mit dem Kraftzuwachs kannst Du im Alltag allerdings weniger anfangen, weil der Körper nicht lernt, die ganze Sache selber zu stabilisieren und zu koordinieren…

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      • Ja, das Yoga dürfte dabei sehr hilfreich sein.
        Aber wieviele Jungs kennst Du, die im Fitnesstudio (ich weigere mich, das mit drei „s“ zu schreiben!) trainieren und danach zum Yoga gehen? Eben. 😉

        Ich bin ja ein großer Freund von Körpergewichtsübungen und von Rundgewichten (neudeutsch „kettlebells“). Ein Muskelberg wird man damit schwerlich werden können, aber das was man hat, das ist dann auch alltagstauglich einsetzbar…

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  3. Lass uns dealen: tauschen wir den den Mann, der bei mir lebt, gegen die Frau, die bei Dir lebt, für einen Shopping-Tag aus! Ihr Männer geht dann einkaufen… Hosen, Schuhe, Aldi. Wir Frauen machen uns einen schönen Tag (vielleicht beim Online-Heels-Shopping) und hören uns sogar hinterher eure Leidensgeschichte an. Zu Zweit lacht es sich einfach noch viel herzhafter 😀

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