Liebster Award II

Da hat es mich erneut erwischt.

 

(Erster Einwurf: Über diesen ersten Satz habe ich nun sechs Minuten gebrütet, ob ich ihn so stehen lassen kann. Denn wenn jemand möchte, dann könnte er mir Arroganz vorwerfen, weil ich „erneut“ geschrieben haben, während andere noch nicht nominiert wurden. Andererseits kann man heute jede Aussage so auslegen, dass der Aussager schlecht wegkommt. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als mit diesem Ritt auf der Klinge zu leben. Das Risiko, Ursache eines Scheißesturms zu werden, in welchem einem die verbalen Fladen nur so um die Ohren fliegen, macht doch erst den Reiz des Schreibens aus. Davon mal ganz abgesehen: Ich bin nicht arrogant.)
Ich halte mich nun an das über die Jahrtausende tradierte Protokoll dieses Preises, den ich natürlich gerne entgegennehme.
Zunächst bedanke ich mich recht herzlich bei Frau/Herr [ hier Blogname und so weiter eintragen ] für die Nominierung und habe diese oder diesen sowie auch alles zwischen und außerhalb dieser binären Geschlechterkonstrukte hiermit namentlich erwähnt. So will es das Protokoll und mit solchen ist nicht zu spaßen.
Desweiteren sieht diese Prozedur vor, dass ich die zehn Fragen beantworte, die mir von Frau/Herr [ hier Blogname und so weiter eintragen ] gestellt wurden. Unnötig diesen Punkt auszuformulieren, aber jetzt ist das Kind schon den Brunnen gefallen, weil ich auf einer Schreibmaschine schreibe und ich nicht wieder von vorn beginnen möchte. Damit müsst ihr nun alle leben. Und mit dem Teil in den eckigen Klammern ist selbstverständlich Frau Nicole Inez – eine überregional bekannte Psychologin – gemeint, die mich zu folgenden Antworten motiviert hat:
Los geht’s!

1. Bist du eine Nachteule oder ein Morgenmensch?

Ich stehe sehr gern früh auf. Das hat verschiedene Gründe. Erstmal fällt es mir morgens immer leichter, mich mit den Füßen voran in meine Laufschuhe zu stopfen und diese samt Inhalt und zugehörigem Menschen auf die Straße/den Park/das (dämmerungsbedingt) überraschenderweise sehr dunkle Marschland einer Rheinschleife zu schwingen. Je weiter der Tag fortschreitet, desto weniger motiviert bin ich und irgendwann wird es wieder langsam dunkel. Das ist übrigens die größte Schwachstelle der Theorie, dass die Erde eine Scheibe sei. Denn angenommen es wäre so, dann würde die fehlende Erdkrümmung dafür sorgen, dass das Sonnenlicht gleichbleibend stark vorhanden und dann plötzlich weg wäre. Das kann ich aber auch nur so forsch behaupten, weil ich ein in den Augen der katholischen Kirche noch lange als „Irrgläubiger“ definierter Protestant bin. Sieht man aber kaum.
Außerdem schaffe ich einfach mehr, wenn ich früh aufstehe. Eine wahnsinnig weise Erkenntnis, die mich wie ein Hammer traf, als ich schon einige Zeit das Elternhaus verlassen hatte. Vor allem bin ich früh morgens sehr schreibwütig, weshalb einige Artikel innerhalb von 30 Minunten kurz nach dem Aufstehen angefangen und beendet wurden.

Das Problem:
Ich bleibe gerne lange wach, weil ich auch zu später Stunde kreative Schübe erhalte, die ich sofort sinnvoll kanalisieren muss. Das hier ist so ein Fall. Das führt logischerweise zu der einen oder anderen Kollision; insbesondere, wenn es um ein gesundes Schlafpensum geht. Früh aufstehen und spät schlafen gehen funktioniert nicht dauerhaft, weshalb ich auch gerne mal lange schlafe oder spät aufstehe…was war nochmal die Frage?

 

2. Was sind deine Lieblings-Genres in der Musik und warum?

Alles begann mit der EAV und den Prinzen. Müsste es nicht „den ‚Die Prinzen'“ heißen? Das führte dann über Limp Bizkit und Silbermond zu Green Day, worauf ich dann letztendlich hängengeblieben bin. Irgendwann zwischendurch hat sich Ska-Punk noch untergefudelt, den ich auch heute noch gut finde, wenn er nicht zu hektisch ist. Das hat seine Ursache wohl darin, dass wir in der Anfangsphase unserer zeitweise professionellen Musikkapelle oft mit Bands zusammenspielten, denen es primär darauf ankam, möglichst wild zu klingen. Es gelang. Ska lebt meiner bescheidenen Meinung nach davon, dass geschwindigkeitsbedingt sehr sauber gespielt wird. Kurzum: Das kann nicht jeder. Aber generell ist mir jede handgemachte Musik lieber als der Ton aus der Dose. Ein relativ bekannter Tontechniker – hab seinen Namen vergessen – hat in einschlägiger Literatur mal konstatiert, dass bei guter Musik jeder Klang einmal durch die Luft geflogen sein muss, um von einen Mikrofon eingefangen zu werden. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren.
Es ist mir übrigens ein Bedürfnis mitzuteilen, dass ich ein wenig dem alten Kram von Green Day nachtrauere. Die Sachen nach 2004 waren ok, aber haben ein wenig des charmanten Drecks von den 90ern (bis 1997) eingebüßt, wobei „American Idiot“ 2004 schön hart produziert war. Danach kam vielleicht noch guter Durchschnitt. Von Silbermond übrigens nur die rockigen Sachen. Und Melodie ist wichtig. Schlager wird gemieden.

 

3. Was ist deine Meinung zu Helene Fischer?

Find ich super. Ich liebe Schlager.

Aber mal im Ernst. Ich kann den Hype nachvollziehen, weil die Volksmusik aktuell ein ordentliches Lifting erfahren hat und deshalb auch junge Künstler auftauchen, die sich gut vermarkten lassen. Aber ich kann es mir nicht anhören. Übrigens schreibt ein Germanistik-Absolvent die Texte für Helene Fischer. Wenn also alle Stricke reißen…

 

4. Wenn du dir heute wünschen könntest, dass eine Sache auf der Welt für ein Leben lang so bleibt: Was wäre das?

Erinnerungen. Und Pizzeria Minerva in Düsseldorf Flingern. Und Leo’s Grill in Düsseldorf. (Der Deppenapostroph ist leider Teil des Namens, was ich nicht gutheißen kann.)

 

5. Bist du eher der Tagträumer oder mehr der Lebemensch?

Ich basel viel erstmal in meinem Hirn rum, bevor ich zur Tat schreite. Man könnte meinen, dass die Dinge dadurch sehr ausgereift sind. Das ist ein Trugschluss, wie ich mir selbst regelmäßig beweise. Nach Weihnachten habe ich ein selbstgeschustertes Regal in der Küche anbringen wollen, was schon seit einem halben Jahr geplant war. Relativ einfach. Wenn es dieses räumliche Denken nicht geben würde. Veranschlagt waren 10 Minuten. Es wurden anderthalb Stunden.

 

6. Was bewunderst du an anderen Menschen? (Ich bevorzuge hier innere Werte als Antwort ;-))

Ich wäre tatsächlich manchmal gern ein wenig souveräner, wobei sich das jeder mal wünscht. Man reagiert spontan in einer bestimmten Situation. Tage später fällt mir ein, wie ich stattdessen hätte reagieren sollen. Allerdings finde ich auch oft genug die richtigen Worte zur rechten Zeit. Etwas weniger schüchtern in einigen wenigen Momenten wäre ich auch gern. Das überspiele ich ganz gern erfolgreich, was es nicht weniger anstrengend macht.

 

7. Was verbindest du mit “Psychologie”? 

In erster Linie Freud. Und direkt in dem Zusammenhang mit hanebüchenen Aussagen über die Geschlechteridentitäten, in denen unsere weiblichen Vertreter denkbar schlecht wegkommen. Penisneid, Hysterie – und diesem theoretischen Ansatz folgend – das verbietende Geschlecht und das Phallische. Die Uni hat mich nachhaltig geprägt und obwohl mich das Thema Gender über alle Maßen nervt, weil es öffentlich kaum sinnvoll zur Sprache kommt, ist doch Einiges hängengeblieben. Hauptsächlich eben dieser verrückte Freud, der ja irgendwie Psychologe war.

 

8. Welche der 4 Jahreszeiten würdest du am ehesten abschaffen und warum? 

Eigentlich keine, womit ich diese Frage vollkommen falsch beantwortet habe und mein Recht auf Dasein in der elitären Bloggerwelt verwirkt habe. Ich führe das trotzdem aus:
Jede Jahreszeit hat seine Vorzüge, wenn man von der Unsitte der Medien absieht, jedes Wetterphänomen als etwas Negatives zu kommunizieren. Mein allerallerallererster Beitrag bringt unser Verhalten in dieser Hinsicht vor allem im letzten Satz ziemlich gut auf den Punkt.

Setz mich im Frühling ab und ich freue mich, dass es langsam heller wird und die Kälte irgendwie angenehmer zu ertragen ist.

Setz mich im Sommer ab und ich freue mich, dass es lange hell bleibt und man beim Laufengehen schon nach zwei Minuten völlig durchnässt ist. Ja, das ist durchaus positiv.

Setz mich im Herbst ab und ich freue mich, dass es noch nicht so kalt ist und die Bäume einfach schöner sind als im Sommer.

Setz mich im Winter ab und ich freue mich, dass ich endlich nicht mehr heimlich Glühwein trinken muss.

9. Was war der lustigste Suchbegriff, der deinen Blog je erreicht hat?

Irgendwie sucht jeder bei mir nur Begriffe, die mir nicht angezeigt werden, weil sie unbekannt sind. Oder es suchen tatsächlich mehrmals am Tag verschiedene Personen nach dem Begriff „Unbekannte Suchbegriffe“.

 

10. Wovor hast du Angst?

Da fällt mir wirklich nichts ein. Vermutlich wäre es anders, wenn dann doch etwas eintritt, mit dem ich so nicht gerechnet habe. Es gibt viele traurige Dinge im Leben, die aber irgendwie dazugehören. Wichtig ist nur, wie man damit umgeht. Was mich ein wenig beunruhigt, ist der Trend der letzten Jahre, dass die Menschen vor allem in den sozialen Medien immer weniger reflektieren und Fakten immer seltener von Gewicht sind. Es wird mir generell zu kurz gedacht, was oftmals dazu führt, dass sich große Allianzen gründen, die auf einer mehr als dürftigen Grundlage argumentieren.

Das Prinzip gilt allerdings für beinahe sämtliche Medienformen. Was die Recherche angeht, bleibt vieles doch recht einseitig. Und selbst dann lassen sich komplexe Sachverhalte in Sendungen oder Artikeln nicht angemessen vermitteln. Das sehen viele offenbar anders. Und das macht mir etwas Sorge.

Die Nominierten:

  • auxkvisit – Grafikdesignerin über das Leben in Augsburg mit vielen schönen und irgendwie „schwedischen“ Zeichnungen. Das ist aus irgendeinem Grund meine Assoziation. Es könnte auch am „Hej!“ liegen.
  • criticalpixie – Witziges, Kritisches, Interessantes und immer irgendwas Lesenswertes
  • derneuestefan – Satire und Unterhaltung gelegentlich mit einer Nuance Kritik verfeinert.
  • mitohnesahne – Manchmal lustig, manchmal zum Nachdenken; aber immer gut zu lesen.
  • Mitzi Irsaj – In Worten kanalisierter Alltag in angenehmer Schreibe.
  • wortinfarkt – Die vermutlich beste Art und Weise, die Kindheit zu verarbeiten…nicht die eigene. Man lese und lerne.

 

Die Fragen:

  1. Was hat dich veranlasst, einen Blog zu führen?
  2. Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du ein Thema in einem Beitrag verwurstest?
  3. Welche Kriterien muss ein Beitrag erfüllen, damit du ihn dir bis zum Ende durchliest?
  4. Was war das Beste, was du in letzte Zeit in einem Blog gesehen/gelesen hast und warum?
  5. Mir fällt gerade keine Frage ein, die gut zur Zahl 5 passt. Wie gehst du mit kreativen Hängern um?
  6. Was ist dein größtes Talent?
  7. Hat uns social media weitergebracht?
  8. Dein perfekter Tag muss wie aussehen?
  9. Welche Musik darf es denn sein?
  10. Deine klügste Weisheit und alles, was du gerade noch loswerden willst (inklusive schamloser Eigenwerbung):

 

Regeln des “Liebster Award”

  • Beantworte die 10 Fragen, die der Nominierende dir stellte.
  • Nominiere drei bis elf weitere Blogger_innen für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 10 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Artikel zum Liebster Award, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen.
  • Informiere deine nominierten Blogger_innen über die Nominierung und deinen Artikel.
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15 Kommentare

  1. Lieber Dampfblogger, also, das ist mir ja nun echt zu ville! – Ich hab inzwischen festgestellt, dass Autorinnen und Autoren verstärkt „Lesungen für Flüchtlinge“, „Yogakurse für Flüchtlinge“ etc. anbieten, weil die ja viel Zeit haben und das ansonsten keiner hören will. „Blog-Award-Wähl-Kurs“ wäre ja auch ein Angebot – also bloß mal als Vorschlag.
    – Ist ja nicht so, dass mich Deine Fragen nicht interessieren, aber „mit der Quantität ändert sich auch die Qualität“, hat Karl Marx (glaub ich) gesagt, Paracelsus inhaltlich etwa das Gleiche, als er Medizin und Gifte unterschied. – Ist ja kein Gift von Dir, erinnert mich eher an BANKSYs „Exit Through The Gift Shop“, das kann ich mir aber auch nicht frühmorgens reintun.
    Zu Helene Fischer: Ich hab 20 Jahre lang mich praktisch aus dem Gedudel und Gedödel rausgehalten und dann einen gefragt, der bei der Post die Briefe sortierte (auch frühmorgens), was angesagt ist, und der erzählte mir, die Russlanddeutschen stehen auf Helene Fischer, weil sie auch eine Russlanddeutsche ist. Das ist jetzt schon paar Jahre her, ich hab mir dann eine CD von Helene Fischer und eine CD von „Elements Of Crime“ gekauft, um wieder Up To Date zu sein. Die erste ist dann jeweils auch die letzte geblieben, es ist beides nicht meine Welle.

    Dein Aufruf am Schluss kommt mir vor wie diese Kettenbriefe, die es in den Zeiten vorm Internet gab. Da sollte man dann 1 bis 10 DM an den Absender überweisen und den Brief an 20 Leute weiterleiten, und man bekam vorgerechnet (20×20), wie viel Geld dabei rumkommt (oder es war noch mehr und Geld-Empfänger der Vor-Vor-Absender, das weiß ich jetzt nicht mehr).

    Na, OK, das reicht jetzt. Schönen Tag noch!
    😉

    Gefällt 1 Person

    • Was die Kettenbriefhaftigkeit angeht: Prinzipiell ist es nichts anderes. 🙂 Sinn des Liebster-Awards war/ist es (gewesen), unbekannte Blogs etwas bekannter zu machen. In meinem Fall geht es mir eigentlich eher darum, der Bitte nachzukommen, die Fragen zu beantworten, die mir gestellt wurden. Und das ist natürlich auch eine gute Gelegenheit, etwas mehr von den Menschen hinter den Blogs zu erfahren, die man selbst ganz gern liest.
      Das sind doch recht edle Intentionen. 😉

      Gefällt 4 Personen

  2. Frage 1 könnte meine Antwort sein.
    …und die Pizzeria merke ich mir. Gerade gesehen, dass meine Schwägerin da gerade mal 1,5 Kilometer von entfernt wohnt – perfekt. Was mich aber zu der Frage führt, wie riesig Flingern ist… Dorfkind, ich… 😉

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  3. War schön, deine Antworten zu lesen :).
    Ich bin erleichtert, so schöne Fragen gestellt zu bekommen. Da fällt mir sicher etwas ein. Vielen Dank noch einmal. Das ist der einzige „Kettenbrief“ an dem ich mich gerne beteilige – macht Sinn, was du weiter oben darüber geschrieben hast.
    Liebe Grüße

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  4. HEJ!! 😀
    Coole Antworten – und coole Fragen! Ich freu mich schon drauf, Danke für die Nominierung 🙂 Und das mit den vernünftigen Schlafenszeiten kriegen wir Bloggenden irgendwann auch noch hin. Dumdidum.

    Die Kettenbrief-Dynamik wird irgendwann anstrengend, ja, aber es ist doch immer wieder schön, sich darüber auszutauschen. Und hilft im Falle von Frage 5.

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    • Die Fragen sind das schwierigste, weil man ja nicht völlig belanglosen Krempel fragen möchte und die Fragen trotzdem halbwegs allgemein halten muss.
      Probleme der Auszeichnungsträger. Aus großer Macht…man kennt das ja.

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