Sport mit Frau – Herausforderung angenommen

2016-08-01 12.40.26

Eine Frau hat mich eingeladen. Das kann vieles bedeuten. Möglicherweise feiert sie Geburtstag oder ihre Hochzeit und sucht noch den passenden Mann. Ob es sowas gibt?

„Du, ich habe am 30.07. so einen Termin. Nichts Wildes. Aber wenn du deine Geburtsurkunde mitbringen könntest, wäre das super. Kann den Termin nicht verschieben. Der steht seit Jahren fest.“

Es soll ja solche Menschen geben, die nichts dem Zufall überlassen und wichtige Ereignisse jahrelang planen. Und dann kann es eben vorkommen, dass du von einer Frau eingeladen wirst und am Ende des Tages verheiratet bist. Das sollte mal publik gemacht werden. Geht ja gar nicht!

Wird man von einer Frau eingeladen, ist das für manch einen schon ein Grund, in seine beste Unterbuchse zu schlüpfen, Achseln, Nase und Ohren zu rasieren und kurz vor dem Treffen schnell noch ein paar Liegestütze zu machen. Letzteres macht zwar nur mental einen Unterschied, denn nur, weil man seinen zitternden Leib zehn- oder zwanzigmal vom Boden stemmt, werden die mickrigen Muskeln nicht unverzüglich wachsen, aber immerhin schwebt man anschließend für etwa zehn Minuten selbstbewusst durch die Welt. Man hat schließlich Sport gemacht.

Die Einladung ist für mich allerdings ein guter Grund, vorher keinen Sport zu treiben. Denn dem werde ich heute noch umfangreich frönen. Es wäre eigentlich ein Grund, zu frohlocken, wenn eine Frau zum gemeinsamen sporteln lädt, denn die Wahrscheinlichkeit, durch die eigene Leistungsfähigkeit zu glänzen, ist relativ hoch. Frauen sind zart. Doch angesichts der Mythen, die sich um meine Begleitung ranken, weicht das Hochgefühl der Sorge, ich könnte mein Gesicht verlieren. Die Dame, die hier aus Respekt vor ihrer Privatsphäre und der nackten Angst, ihren Namen auszusprechen, Frau M. von S. genannt wird, soll in sportlicher Hinsicht ein Tier sein.

Ihr gilt es heute die Stirn zu bieten. Ein dreistündiger Drill erwartet mich. Gemeinsam mit einer handvoll weiteren Masochisten werde ich die Mittagszeit damit verbringen, Sand in sämtlichen Körperfalten zu sammeln. Das kündigte mir Frau M. von S. schon an. Der Sand wird mein geringstes Problem sein, denn allein beim Gedanken an sogenannte Burpees bin ich dem Herzkreislaufkollaps schon gefährlich nahe. Frau M. von S. wird diese vermutlich mit Leichtigkeit absolvieren. Schließlich munkelt man, dass sie des Nachts ehrenamtlich Verletzte von Verkehrsunfällen in umliegende Krankenhäuser fliegt. Ohne Hubschrauber. Gerüchte haben immer ihren wahren Kern.

Aber ich werde mein Bestes geben. Nicht vor einer Frau wanken. Ich kündigte der Frau, die in unserer Wohnung lebt, gestern an, dass sie mich heute wird pflegen müssen, wenn ich nach Hause käme. Wenn ich nach Hause käme. Nicht temporaler, nein, konditionaler Nebensatz. Um die Erwartungen herunterzuschrauben, teilte ich auch Frau M. von S. mit, dass ich ihr wohl nicht das Wasser werde reichen können. Das war nicht klug von mir, denn somit stehe ich nun unter Beobachtung. Nachdem das Organisatorische geklärt war, teilte ich meine ambivalenten Gefühle mit.

„Alles klar. Freu mich! Hab Angst! Irgendwas dazwischen.“

„Zur Not nehme ich dich das letzte Stück einfach Huckepack.“

Hahaha! „Das letzte Stück.“ Dass mich Frau M. von S.‘ Freund parallel anschrieb und fragte, ob ich denn wisse, was da auf mich zukäme, machte es kaum besser. Andererseits wäre es doch gelacht, wenn ich die drei Stunden nicht überstünde, ohne mein Gesicht und meine Selbstachtung zu verlieren.

Es würde vor allem aber ein Kampf gegen mich selbst werden.


Die Fortsetzung „Sport mit Frau – Ich bin ihrer nicht würdig“ folgt noch heute. Bleibt wachsam. Nehmt außerdem die Verfolgung auf. Hier, hier, hier und hier.

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11 Kommentare

  1. Naja, Sport mit Frau kann durchaus eine grosse Herausforderung sein. Wenn ich mit Frau Z. von P. joggen gehe, dann werde ich wohl klar gewinnen. Aber wenn ich mit derselben Frau schwimmen gehe, dann ertrinke ich garantiert noch bevor ich überhaupt die erste Länge geschafft habe. Und Frau Z. von P. bereits das zweite Mal an mir vorbeischwimmt. Nur zur Klärung: ich kann Schwimmen. Aber eben nicht so wie die genannte Frau.

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  2. Also selbst ohne Kräftemessen mit anderen – allein die Ankündigung drei Stunden Sport zu treiben, ist Schweiß treibend und es dürfte schon jetzt klar sein, zumindest wenn das nicht zum täglichen Fitness-Programm gehört, dass morgen einige neue Muskelgruppen durch ihre Schmerzen auf sich aufmerksam machen werden.

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  3. […] Dies ist der Nachfolger seines Vorgängers. Der zweite nach einem ersten Teil. Den ersten Teil kann man lesen, muss man aber nicht, zumal viele Worte auch ohne das Wissen des vorherigen Beitrags verständlich sein dürften. Wer es dennoch nicht lassen kann, dem sei folgender Link ans Herz gelegt, der sich in einem gänzlich neuen Fenster oder Tab (WordPress ist sich da nicht ganz einig) öffnen wird: folgender Link. […]

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