Oh bitte, anglisiere mich!

Nein, hier soll es nicht darum gehen, dass ich etwa Anglizismen konsequent ablehne, auch wenn auf manche verzichtet werden könnte. Auch nicht darum, dass Englisch per se etwas Negatives ist. Es ist eine Sprache, die vernünftig verwendet sogar zur Kommunikation genutzt werden kann. In bestimmten Berufsgruppen kommt man nicht umhin, ein Kauderwelsch, das sich irgendwo zwischen Deutsch und Englisch bewegt, anzuwenden. Innerhalb dieses Metiers, dem wohl die meisten Medienberufe angehören, werden diese Ausdrücke wohl auch verstanden. Wobei es eine lustige Vorstellung ist, davon auszugehen, dass selbst dort kaum jemand weiß, wovon der andere gerade faselt.

Der Aspekt, dass man mit Hilfe einer Sprache kommuniziert, dürfte kaum angezweifelt werden. Ob sie nun verständlich ist oder nicht, darf da keine Rolle spielen, denn glaubt man weisen Männern wie Friedemann Schulz von Thun oder Paul Watzlawick, dann ist es unmöglich, einem Verhalten keinerlei Botschaft abzugewinnen. Watzlawick hat das mal prägnant zusammengefasst, was ich hier nicht wiederkäuen werde. Die Phrase ist mittlerweile zum Slogan abgenutzt. Fast wie eine auffällige Fahne, die allen signalisieren soll „Schaut her! Ich weiß etwas sehr Kluges!“. Ähnlich wie der Ausdruck Diskurs, der in der Bildungssprache fälschlicherweise gern synonym zu Diskussion verwendet wird. Übrigens ist das Tier mit zwei Höckern nicht bloß ein Kamel. Das ist ein Dromedar nämlich auch. Und der Koala ist mitnichten ein Bär. Das zeigt, dass Begriffe, die oft verwendet werden, nicht zwangsläufig richtig sind. Sie haben sich schlicht eingebürgert.

Wie eine Vielzahl an englischen Ausrufen und Bezeichnungen.

Irgendwie unterliegt man heute dem Zwang, alles Erdenkliche in einer Sprache auszudrücken, die vermeintlich cooler ist als die deutsche. Vielleicht interpretiere ich da ein bisschen zu viel hinein, aber mir kommt es fast so vor, als würden aktuelle Interpreten deutschsprachiger Musik bewusst die Aussprache schleifen. Fast, als wolle man damit irgendwie kaschieren, dass man in diesem harten, unästhetischen Geräuschunfall singt. Deutlichkeit ist keine angesagte Tugend mehr. Ein Grund mehr, sich hinter schwammigen Wendungen zu verstecken, von denen selbst derjenige nicht weiß, was sie bedeuten, der sie von sich gibt.

Eines von vielen Schlüsselerlebnissen hatte ich vor Kurzem, als ich nachmittags – ich weiß, das sollte man nicht tun – die Flimmerkiste (liebe Kinder, so nennt man Fernseher, bei denen man nicht die Bilddiagonale in Zoll sondern das Volumen misst; in m³) anschaltete. Gerade noch rechtzeitig, um in den zweifelhaften Hörgenuss zu kommen, dass sich irgendeine Modepuppe bei Shopping Queen zum Outfit einer Konkurrentin einen Ring „als kleines give away“ gewünscht hätte. Man möchte mich korrigieren, wenn ich da falsch liege, aber handelt es sich bei give aways nicht um Kleinigkeiten, die man kostenlos in die Hand gedrückt bekommt? Sollte man nicht total darauf abfahren, Bekanntschaft mit Ladendetektiven zu machen, sollte man einen Ring vielleicht nicht als Gratisware betrachten.

Aber das passt zur allgemeinen Unart, seine Wortäußerungen mit allerlei Fremdsprachlichem aufzupeppen. Dass es sich dabei mittlerweile fast nur noch um bedeutungslose Tünche handelt, die dem Gesagten mehr Pepp verleihen sollen, scheint kaum jemanden zu kümmern. Zumindest nicht diejenigen, die es von sich geben. Hier werden Antworten in Diskussionen gerne mit „darling“ eingeleitet, da ertönt ein schrilles „oh my gooood!“, dort näselt jemand ein arrogantes „whatever“. Das alles weckt in mir den Wunsch, die Sprecher vor die Kamera zu zerren und sie dort die Frage beantworten zu lassen, warum sie das gerade so gesagt haben, wie sie es getan haben. Es würde im Endeffekt auf den Drang, sich vor dem anderen zu profilieren, hinauslaufen (was niemand zugeben, geschweige denn formulieren würde/könnte). Denn all das kann auch im Deutschen ausgedrückt werden, wobei auch „oh mein Gott“ schon längst nicht mehr als eine Worthülse ist. Niemand ruft heute mehr Gott an. Vielleicht Geistliche in der Kirche und gläubige Menschen, aber die hört man doch eher selten diesen Ausruf zirpen, wenn sie beispielsweise von einem „hottie“ angeschaut werden.

Insbesondere, wenn derjenige „fame“ ist, kann das schonmal vorkommen. Und da mag man mich gern als „grammar nazi“ titulieren, aber in jeder Hinsicht ist dieser Gebrauch grammatikalisch falsch. Man nimmt es ja nicht mehr so genau mit Nomen, Verben und Adjektiven. Daher kommen ja auch so herrliche Sprüche, wie „Ich mach dich Messer!“. Das geht auch deutlich flüssiger über den Knorpel als „Ich steche dich nieder mithilfe eines Schneidegeräts, aufdass du des Todes stürbest!“. Alternativ ginge noch „Ich ermessere dich!“. Bei „fame“ handelt es sich nun aber um ein Substantiv. Abstrakt (weil nicht greifbar), aber nichtsdestoweniger ein Ding-Wort. Wie man das nun adverbial verwenden möchte, ist mir ein Rätsel, denn wörtlich übersetzt hieße ein Satz „Ich wäre gerne voll Ruhm so.“ und das ist schwer vorstellbar. Niemand möchte gerne „voll Ruhm so“ sein, weil er es nicht sein kann.

(Als kleiner Einschub: Die Geschichte mit „grammar nazi“ betrachte ich mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Mitleid. Fassungslos macht es mich, weil es zeigt, dass Sprache und sprachliche Richtigkeit überspitzt formuliert heutzutage keine Instanz mehr sind. Linguistisch betrachtet gibt es zwar kein richtig oder falsch, solange Kommunikation funktioniert, aber in der Schriftlichkeit funktioniert sie nunmal aufgrund von Regeln. Dass diese nicht nur als unwichtig angesehen, sondern darüber hinaus auch diejenigen, die auf den richtigen Umgang mit ihnen hinweisen (die „Oberlehrer“), verlacht werden, ist mir unbegreiflich. Zumal mit Nazi ein Fass geöffnet wird, dem ich mich nicht verbunden fühle.

Mitleid habe ich deswegen, weil diejenigen, die sich nicht von Konventionen „beirren“ lassen, irgendwann an ihre Grenzen stoßen werden. Sei es bei Bewerbungsunterlagen, bei Klausuren, bei Abschlussarbeiten an der Uni oder im Beruf. Denn daran wird man gemessen, weil der konkrete Erstkontakt in der Regel schriftlich stattfindet.
„Hör besser auf den Streber. Du kannst nur von ihm lernen.“)

Und falls nun der Einwand kommt, dass die Ursache für diesen Trend die Medien sind: Das ist richtig. Allerdings fasst man unter Medien gerne nur jene zusammen, die geschäftsmäßig handeln. Die bösen, bösen Medien. Die da oben! Die zwingen uns ja geradezu und verbreiten immer mehr englischen Kram!
Das ist nicht meine Auffassung von Medien. Beispiel: Wann immer in letzter Zeit die Rede davon gewesen ist, dass in den Medien ein „shitstorm“ (lustige Vorstellung) entbrannte, waren es seltener Zeitschriftenportale, Fernsehsender oder Presseagenturen, die die Initialzündung gaben. Es waren die „user“ bei den sozialen Medien, die maßgeblich das Bild beeinflussen. Wir sind also höchstselbst dafür verantwortlich, was wir uns schreiben und wie wir uns gegenseitig schreiben. Das bedeutet, dass bei allen Trends, die uns natürlich auch von Werbung etc. vorgegeben werden, wir wohl für englische Sinnlosigkeiten nicht nur empfänglich sind, sondern diese auch mit großer Freude verbreiten und verinnerlichen.

(Noch ein Einschub: Es tragen übrigens auch nicht die offiziellen Medien Schuld daran, dass wir online nicht mehr diskutieren können. Wie wir uns verhalten, ist noch immer eine individuelle Entscheidung. Sascha Lobo, der mir irgendwie immer ein wenig suspekt ist, aber regelmäßig auch kluge Dinge von sich gibt, hatte gestern in seiner Kolumne bei Spiegel Online in eine ähnliche Kerbe geschlagen. Das ist aber eine etwas andere Baustelle.)

Es folgt eine kleine Handreichung verbaler Happen, die sich vortrefflich auch in unserer hässlichen Sprache formulieren lassen:

no go – das Keingeh

whatever – wie dem auch sei

oh my god – oha!

shitstorm – Stürm der Entrüstung

darling – du blöde Pute

fame – berühmt

fashion – Mode

dislike – Mag ich nicht.

slim tapered boot cut dragon fit denim – Jeans

no way – Was?! Nein!

i like – Dies sagt mir zu.

no comment – Sprich mit der Hand.

location – in Deutschland fälschlicherweise meist für ‚venue‘ verwendet; Veranstaltungsort

must-have – Ding, das für etwa drei bis vier Wochen total angesagt und sauteuer ist

Natürlich gibt es Begriffe, für die es im Deutschen keine Entsprechung gibt. Handy ist eine solche Leerstelle, die man wohl aus sprachökonomischen Gründen eingeführt hat, weil Mobiltelefon deutlich mehr Silben besitzt. Aber es wie die Thüringer Allgemeine 2012 zu formulieren, dass Anglizismen generell Lücken in unserem Wortschatz schließen, halte ich für unangemessen. Denn wenn die deutsche Sprache eines kann, dann sind es Wortkomposita. Man nehme fünf Substantive und kleistere diese zusammen. Man wird immer ein grammatisches Wort erhalten. Das kann weder Englisch, noch Spanisch, noch Französisch.


Die Liste kann übrigens gerne in den Kommentaren erweitert werden. Da fehlt bestimmt noch einiges an hippen (ha!), glamourösen Wendungen.
Und muss natürlich nicht jeder meiner Meinung sein. Sprachkritik ist weder eine klar definierte Disziplin, noch muss jeder ihr zustimmen. Tobt euch aus! Schimpft auf mich! Gebt mir Tiernamen! Folgt mir auf Twitter und Facebook! Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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46 Kommentare

  1. By the way…“Ich steche dich nieder mithilfe eines Schneidegeräts, aufdass du des Todes stürbest!”…. Da regt sich doch sofort die Hobby-Sepulkralfachkraft in mir, weil auch der von vielen nicht völlig zu unrecht verehrte Herr Flotho zu nämlichen Zusammenhängen (Tod & sterben) zu wenig Differenziertes postulierte. Müsste es nicht eigentlich … Ich steche dich mithilfe eines Schneidgerätes nieder, auf dass du des Todes seiest! … wahlweise: … auf das du zu Tode kämst! … heißen? Wobei noch zu diskutieren wäre, ob ein Messer, das als Schneidgerät beschrieben wird, überhaupt ausreichend zum Stechen geeignet ist. Alter Deine Mutter. ^^ 😉 😀

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  2. Schön beschrieben 🙂
    Man kann mitmachen, man kann es auch sein lassen. Zumal, wenn man wie ich aus einer anderen Zeit kommt, die klare Sprache liebt und keine Lust sowie keine Notwendigkeit hat, sich solcher Art zu produzieren.
    Ein Kumpel bringt, da zweisprachig, den Neuankömmlingen die deutsche Sprache auf seine, eben arabische Weise näher:

    „Die Deutschen türmen gerne Worte aufeinander und freuen sich, wenn es einen Sinn ergibt…“

    Grüße aus dem Tal der Wupper!

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    • Mark Twain hatte mal in Bezug auf den Satzbau in „Die schreckliche deutsche Sprache“ etwas Ähnliches geschrieben. Recht unterhaltsam.
      Was die Vermischung von Sprachen in Kontaktsituationen (etwa wie bei deinem Kumpel) angeht, kann man wenig bemängeln. Die meisten Kollonialsprachen sind auf diese Art und aus der Notwendigkeit heraus entstanden.
      Die sehe ich bei vielen Anglizismen allerdings nicht. „No offense“ ist auch so ein überflüssiger Zusatz.

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      • Das Worte-türmen bezieht sich mehr auf unsere zahllosen zusammensetzen Wörter wie Kühl-Schrank und dergleichen. Allerdings, was die blumenreiche arabische Sprache angeht, das kann ich unterschreiben 🙂

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  3. So wie ich es von einer meiner, wie sie es selbst sagte, der Bildungsschicht fernen Azubine als Kompliment genommen habe, dass sie mich spießig findet und ich dazu stehe, eher konservativ zu sein, so nehme ich es auch nicht als negativ auf, bezüglich meiner Rechtschreib- und Grammatikliebe kritisiert zu werden, wobei das Wort Nazi hierbei falsch und sehr wohl beleidigend ist. Man frage sich nur, ob das Leute sind, die einen überhaupt beleidigen können…
    Und die Einstellung zum Herrn Lobo teile ich exakt so 😉

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    • Der Punkt, ob man sich von solchen Leuten überhaupt beleidigen lassen kann, ist natürlich schon richtig. Im Grund fühle ich mich da auch nicht angegriffen. Nur versuche ich immer zu verstehen, warum jemand so reagiert, und da komme ich auf keine zufriedenstellende Erklärung. Und das wurmt mich ungemein.

      Und was den Lobo-Artikel angeht: Ich habe mir es tatsächlich bis vor ein paar Monaten freiwillig angetan, an Diskussionen zu brisanten Themen teilzunehmen. Es war fast immer ein frustrierendes Erlebnis, weil man auf unterschiedlichen Ebenen „miteinander“ redet. Da trifft Emotion auf Polemik, Polemik auf faktenbasierte Ansichten, faktenbasierte Ansichten auf Diffamierung. Das führt recht selten zu irgendwas, zumal viele dazu neigen, nur annähernd plausiblen Gerüchten mehr Glauben zu schenken als Fakten.

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  4. Nachdem ich mich mal wieder durch einen superlangen Beitrag von dir gekämpft habe 😉 …..
    Das Ganze ist sicher auch ein Problem der Jugend oder zumindest der Jüngeren: Wenn ich mich mit Altersgleichen (also 50 + X) unterhalte, kommt dergleichen kaum vor.
    Und dann ist es ja auch immer die Frage des Einzelnen, ob er dabei mitmacht oder nicht.
    Ich lächle immer, wenn ich das Wort „SALE“ in sämtlichen Schaufenstern sehe …. denn offenbar können die Leute nicht mal ordentlich deutsch, die das schreiben ….. denn bekanntlich schreibt man den Fluß, an dem ich wohne, mit ZWEI mal „A“.

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  5. Ein sehr interessanter Beitrag, der mal nicht nur jammert, sondern konkret wird. Statt „no go“ könnte man auch sagen: Das geht gar nicht. Keingeh – erscheint mir genauso wie Neusprech.

    Gegen „Oh, mein Gott!“ „Oh, Gott!“ finde ich nichts zu sagen. Das machen andere Nationen, wie z.B. die Italiener auch… selbst die, die nicht gläubig sind, und ich verwende es ebenfalls, obwohl ich von der Existenz des so Angerufenen nicht überzeugt bin. Alternativ kenne ich: „Liebe Güte!“, „Ach, du meine Güte!“, „Ach, du meine Nase!“ ….

    „No way!“ – „Niemals!“ oder „Nur über meine Leiche!“

    Deinen Vorschlag für „No comment!“ könntest Du mir vielleicht erklären. Ich hätte einfach „Kein Komentar“ gesagt.

    Über „Musst have“ habe ich sehr geschmunzelt. Wie überhaupt… immer bei Dir. Danke.

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  6. COME ON!
    Ist doch total cool. (Bei „Come on!“ bekomme ich tatsächlich die Krätze. Es fühlt sich schlimmer herabsetzend als „Halt die Klappe, du nervst/spinnst/hast nicht recht“ an, eben weil es NICHT Tacheles spricht. Tacheles ist nebenbei auch ein ganz wunderbares Wort. Such da mal die englische Entsprechung!)

    Ich weiß nicht, ob ich Deutsch deswegen so sehr mag, zumal mein Englisch nach über 10 Jahren Kaumbenutzung gefühlt auf eine 4- gesunken ist, aber ich liebe klare und direkte Worte. In der Regel ist Kommunikation dann einigermaßen klar, wenn beide dieselbe Sprache sprechen oder sie gleich gut beherrschen. (Nonverbale Kommunikation klammere ich hier mal bewusst aus.) Sich mit Anglizismen da aufzuplustern, nur weil es geiler klingt und vielleicht gerade up to date ist, ist einfach dämlich, weil es schon wieder verbale Distanz aufbaut. Abgesehen davon finde ich unsere Sprache einfach wunderschön (was ich sicher auch über Französisch oder Suaheli sagen würde, wäre ich da geboren; die Sprache ist am schönsten, in der man sich am besten 1:0.9 ausdrücken kann, wie man sich fühlt. Wenn dann mal ein Shit oder What?! dazugehört, why not!).

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  7. Hm, tatsächlich fällt mir auf, wie wenige meiner Schüler im alltagsgebrauch tatsächlich jene angeblich so häufigen Anglizismen nutzen. Und bei denen würde ich eigentlich als erstes davon ausgehen, dass sich diese Begriffe durchsetzen. Tatsächlich ist eines der häufigsten Wörter tschüch, was aber aus dem Türkischen kommt: çüç.
    Die Überanglizismisierung in den Medien empfinde ich als genauso unecht wie die angeblichen Jugendwörter des Jahres …

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  8. (Interner) Sprachwandel entsteht laut Traugott durch Kreativität. Warum sagt man heute „übelst“ statt „übel“? Weil “ übel“ sich abgenutzt hat und dem Sprecher zu schwach erscheint. Auf diese Weise soll auch die doppelte Verneinung im Französischen (ne…pas) entstanden sein: Früher war es nur „pas“, das war irgendwann zu schwach, sodass man „ne“ davorgesetzt hat und mittlerweile ist „ne…pas“ auch nicht mehr stark genug, wenn man etwas mit Nachdruck verneinen möchte, sodass sich „ne… pas du tout“ im gesprochenen Französisch etabliert (man vergleiche hier auch den vermehrten Gebrauch von „gar nicht“ anstelle von „nicht“ im Deutschen; für die Verneinung ist das Phänomen der Abnutzung in der Literatur gut belegt).

    Ich bin nicht sicher, ob es mit einigen Anglizismen nicht auch so ist, dass sich ein deutsches Wort schlichtweg abgenutzt hat. Und manchmal werden dann eben englische Begriffe gewählt, um deutsche Wörter zu ersetzen und manchmal deutsche. Das erklärt allerdings natürlich nicht ganz, warum immer häufiger englische Begriffe dafür benutzt werden anstatt deutsche. Ich denke, es ist eine Mischung aus Kreativität und dem sehr „sophisticated“ Ruf, den das Englische hat.
    Der Ansatz erklärt aber, warum einige deutsche Wörter nicht mehr so oft benutzt werden. Und das sind ja dann auch die Wörter, die ein größeres „Risiko“* haben durch eine deutsche Neuschöpfung oder einen englischen Begriff ausgetauscht zu werden.

    *Wenn man das denn als Risiko betrachtet. Ich bin da sehr liberal.

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  9. Interessant finde ich auch die (von mir als) Unart (gewertete Tendenz), Euphemismen mithilfe von Anglizismen zu bilden. (Ich überlegte gerade, ob man Euphemismen und Anglizismen zu einem Substantiv verschmelzen könnte, aufdass künftig ein Wort für eben jene Tendenz verwendet werden kann, jedoch klingen Euphezismus und Anglimismus eher danach, als wolle der Wortbenutzer mit ihm fremden Fremd(ha!)wörtern punkten.)

    Mein ewiges Beispiel bietet hier der Hausmeister, der als facility manager wie ein gewitzter Geschäftsmann daherkommt. (Alle mal winken! Danke!)

    Holy cow, das ist so fucking awesome manchmal, da wird ja der dog in der pan ganz crazy!


    So, nun habe ich all deine von mir verpassten Beiträge nachgeholt. Deine Texte animieren mich stets zu einem Kommentar. Chapeau!

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    • Und ich bin zutiefst dankbar dafür. Glücklicherweise ist ja nichts verloren, wenn man den Tag der Veröffentlichung versäumt. Papier ist ja geduldig. Und TFT-Bildschirme. Und Retinadisplays.

      Ich würde es übrigens wohl einen „Angloeuphemismus“ nennen.

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  10. „Übrigens ist das Tier mit zwei Höckern nicht bloß ein Kamel. Das ist ein Dromedar nämlich auch. “ … Haben Dromedare nicht nur einen Höcker? … Ich mag englische Wörter imt Deutschen auch nicht unbedingt -> außer den Shitstorm – das find ich witzig, weil ich es mir im Kopf immer wörtlich übersetze … auch mit fashion hab ich jetzt nich so das problem – mich nervt es eher wenn leute beides gemischt reden/schreiben … ich antworte dann immer :“When you go mir on the Nerven, I put you in the Kanal put the Deckel drauf and you never come back to the Daylicht …“

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  11. Hood. Ich bin selber letztens drauf rein gefallen, habe es verwendet, ohne zu wissen, was es genau heißt. Asche auf mein Haupt. Ich bin übrigens und immer wieder sauer, wenn mir, vor allem im Job, gesagt wird, ich solle keine langen und verschachtelten Sätze bilden, weil die keiner lesen mag, ermüdet, bevor er das Ende erreicht und dann sowieso nicht mehr weiß, worum es eigentlich ging. Dabei liebe ich lange und verschachtelte Sätze, die ich mindestens zwei Mal lesen muss, um, am Ende angelangt, noch einmal nachzulesen, was eigentlich der Ausgang war und worum es ging. Das ich in meinem eigentlichen Job mit Wissenschaftlern zu tun habe und die also keine langen und verschachtelten Sätze lesen bzw diesen folgen können, stimmt mich traurig bis bedenklich.
    Und ach ja, mein Lieblingswort ist eh nach wie vor Backshop

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  12. Ein guter Beitrag, der, wenn auch recht lustig geschrieben, die heutige Kommunikation sehr ernst, teilweise kritisch beleuchtet und genau das hat mir gefallen. Wobei ich der Meinung bin, dass Sprache zudem durch die Persönlichkeit definiert wird, quasi jeder nach seinem „Gusto“ … ;

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      • Du bringst mich zum Schmunzeln, aber in der Tat, dem Anschein nach, ist es wohl oft der Fall, dass man sich der „Federn“ anderer bedient, was wiederum weder die Person, noch die Sprache schmückt… O.o

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      • Das mit dem übers Ziel hinaus schießen passiert aber nicht nur hier. Ich mochte schon als Studentin Studenten, die Fremdwörter benutzten, die sie nicht verstanden, mit 30 saß ich auf einem sogenannten Antifa-Kongress und war sprachlos angesichts, der, entschuldigt bitte, gequirlten Sch**ße, die da von sich gegeben wurde. Da schien es den Rednern nur darauf anzukommen, so viele Fremdwörter als möglich zu verwenden und ich war zwei Tage lang versucht, diesen symbolisch das Manifest um die Ohren zu hauen bzw war ständig versucht, zu schreien: „Erst Marx lesen, dann drüber faseln“ und „Das Kapital gibts im Osten für wenig Geld auf Flohmärkten“. Und natürlich trifft man an der Uni ständig Mitmenschen, die sich gern mit Fremdwörtern schmücken. Früher habe ich dann manchmal genervt gefragt, was das auf Deutsch heißt. Später habe ich es nicht mehr getan. Aus Mitleid.

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  13. Gelegentlich müssen scheinbar unnötigerweise konstruierte Pseudo-Anglizismen zur Verschleierung unliebsamer Sachverhalte dienen: als in Österreich seinerzeit die Einführung einer Autobahnmaut geplant war, wurde die nicht etwa »Autobahnmaut« genannt, sondern »Road-Pricing« – ein völlig sinnentleertes pseudo-englisches Wortkonstrukt. (Vermutlich um all diejenigen Autofahrer nicht zu beunruhigen, die sich unter einer dräuenden Autobahnmaut womöglich was konkreteres vorzustellen vermochten als unter Road-Pricing ; )

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  14. Wie du eingangs treffend beschreibst, ergeht es mir seit einiger Zeit zunehmend so, dass ich an Sitzungen nur noch station verstehe:
    Product Owner: Wir müssen uns clearly zwischen pull- und push-Strategie entscheiden.
    Kollegin aus der SEO-Abteilung: Und die crawler-error-Meldungen not to forget!
    Business Engineer: Und bevor wir das crowd-testing starten, muss das BI klären, wie der CTA implementiert wird, damit wir den KPV definieren können.
    Ich: wtf? ups.

    Ju nou wat ai min.

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