7 Gründe, sich schnellstmöglich von mir zu trennen IV

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Des letzten Akts zweiter Teil:

Ich bin etwas irritiert. Für gewöhnlich bin ich derjenige in diesem Haushalt, der ohne Unterhalt auf seine Tastatur einhackt, zwischendurch lacht, dann wiederum gefrustet die Backshift-Taste hochfrequent penetriert. Aktuell sehe ich mich allerdings mit folgender Situation konfrontiert:

Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, schreibt einen längeren Text. Das wäre soweit nicht ungewöhnlich, wenn sie arbeiten würde, was sie aber nicht tut. Sie schreibt. Und sie redet mit mir.

„Was war das nochmal mit den umfallenden Ziegen?“

Ich mache mir Sorgen. Ich sollte derjenige sein, der abstruse Beiträge verfasst. Ich habe außerdem Bedenken, dass ihr diese Beitragsreihe hier nicht doch den einen oder anderen Denkanstoß gegeben hat. Mir bleibt nichts anderes übrig, als der Dinge zu harren, die dort kommen mögen. Es wird offensichtlich um stürzende Huftiere gehen.

6. Ich vernichte ihre Pflanzen

Es ist kein Geheimnis, dass mein Verhältnis zum Pflanzgut der Frau, die in unserer Wohnung lebt, ein gestörtes ist. Ich kenne mich nicht aus, ich weiß nicht, welche Pflanze welche Bedürfnisse hat und folglich mache ich falsch, was man nur falsch machen kann. Aus diesem Grund schrieb die Dame des Hauses mir im vergangenen November eine lange Liste, die mir genau erklären sollte, wie ich mich den Pflanzen gegenüber zu verhalten habe. Für die Zeit ihres Krankenhausaufenthaltes sollte ich die Stellung halten.

„Also: Die Limette muss nicht so viel Wasser bekommen. Alle drei Tage vielleicht. Und wenn du dann auch immer dem Bananenableger einen Schluck gibst, machst du nichts falsch.“

„Kann ich nicht einfach immer allen gleichzeitig was geben? Was kann da schon passieren?“

„Die gehen kaputt. Dann lieber was weniger. Die Orchidee darf übrigens auch nicht zu nass werden. Die australische Kastanie kann alle paar Tage etwas Wasser in den Untersetzer kriegen…hörst du noch zu?“ 

„Was?! Ja! Das Grüne, ne?“

„Die sind alle grün!“

Ich will nicht akzeptieren, dass Pflanzen, die normalerweise Tag für Tag der Witterung ausgesetzt wären und demnach nicht so wählerisch sein dürften, was die Wasserzufuhr angeht, derart empfindlich sind. Bei Tieren ist es leicht: Man wirft ihnen jeden Tag etwas Fressbares hin und solange die Tiere länger als breit sind, ist es noch nicht zu viel. Tiere sollte man auch nicht so oft gießen. Aber Pflanzen sind ganz und gar undurchschaubar.

Im November überkam mich zwei Tage, nachdem die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ins Krankenhaus gezogen war, eine gewisse Panik, weil ich wirklich nicht zugehört hatte und einige Pflanzen, die mehr Aufmerksamkeit verlangen, seit zwei Tagen keine solche erfahren hatten. Aber es klappte. Die australische Kastanie erfreute sich bester Gesundheit, die Kafir-Limette bekam ein neues Blatt und der Rest ging zumindest nicht ein. Mir erschließt sich nach wie vor nicht, weshalb man Bananenpflanze um Bananenpflanze züchtet, wenn die nicht mal Bananen bilden, aber ich akzeptiere dieses Spiel. Ein Spiel, in dem ich auf subtile Art und Weise versuche, den Pflanzenbestand in dieser Wohnung zu reduzieren.

Während ich im Februar abermals für eine Woche allein zuhaus war, hätte ich die australische Kastanie dann beinahe dahingerafft. Ich hatte vergessen, sie zu gießen. Wie ich es bei allen Pflanzen vergessen hatte, was sich hier und da durch formvollendete Knusprigkeit äußerte. Die sagen einem aber auch nichts!

7. Ich bin vergesslich

Welcher Horst hat unseren Wäschetrockner entworfen? Wer hat überhaupt Wäschetrockner entworfen, die vollkommen unintuitive Beschriftungen zur Verunsicherung des bedienenden Menschen aufweisen? Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, kann sich eigenartigerweise merken, mit welchem Programm Socken richtig toll trocken werden. Ich kann es nicht. Denn ich muss die Gedankengänge hinter einer Sache erst nachvollziehen, um sie mir zu merken. Beim Trockner gibt es diese Logik nicht, weil jedes Programm für sich völlig unabhängig ist. Was ich mittlerweile verstanden habe, ist dass wir immer (!) mit der Auswahl „schranktrocken“ trocknen. Ich hielt anfangs „bügeltrocken“ für sinniger, weil beim Bügeln ja in der Regel Dampf verwendet wird und die Wäsche demnach schon sehr trocken aus dem Trockner kommen muss, um nach dem Bügeln nicht klatschnass zu sein. Falsch! Aber das weiß ich mittlerweile.

Was ich halbwegs begreife, ist die Unterteilung in „Bunt-/Kochwäsche“ und „pflegeleicht“. Wenn mir nun noch jemand erklären könnte, weshalb Buntwäsche prinzipiell nicht pflegeleicht sein kann, wäre ich ein sehr, sehr glücklicher Mensch. Trocknet bunte Wäsche anders als pflegeleichte? Ist pflegeleichte Wäsche immer weiß? Vor allem aber: Wie kann es sein, dass Wäsche nach dem einstündigen Zeitprogramm nicht annähernd so trocken ist wie Wäsche, die im gleichlangen „pflegeleicht – schranktrocken“ getrocknet wird? Dahinter lässt sich keine schlüssige Logik erkennen.
Diese Logik hat mir die Frau, die in unserer Wohnung lebt, schon mehrfach erklärt. Ich habe es wohl wieder vergessen.

Abgesehen davon habe ich eine äußerst sympathische Fenchel-Ingwer-Schwäche. In dem Sinne, wie man auch von Rot-Grün-Schwäche spricht. Eine Schwäche habe ich weder für das eine noch für das andere. Fenchel und Ingwer sind nämlich gänzlich unappetitliche Teesorten. Ich trinke ohnehin keinen Tee, aber in den letzten Wochen sind mir diese beiden Geschmacksrichtungen noch suspekter geworden. Denn schon die Erwähnung eines von beidem sorgt bei mir für kurzzeitige Demenz. Ich gehe in die Küche und frage die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ob ich ihr was mitbringen solle? Ganz gleich, ob sie Ingwer- oder Fencheltee sagt: Ich habe es vergessen, sobald ich vor dem Wasserkocher stehe. Also muss ich nochmal zurückgehen und nachfragen, ob sie Fenchel oder Ingwer wollte. Nur bei den beiden Sorten passiert mir das. Mittlerweile habe ich der Frau, die in unserer Wohnung lebt, beigebracht, nach Fenchel oder Zitrone zu verlangen. Sie gönnt ihrem Ingwertee gern einmal ein paar Tropfen Zitronensaft. Das kann ich mir merken.
Gestern sagte sie Ingwertee. Ich ging in die Küche, schmiss den Wasserkocher an und kam nach einer Weile zurück. Ohne Tee. Dafür bekam die Katze was zu fressen, worüber ich den Tee vergaß.

Dafür bin ich enorm begabt darin, mir Dinge zu merken, die nicht wichtig sind. Die kleinen Eisennägel? Die stehen nicht im Flurschrank beim restlichen Werkzeug. Da standen sie lange Zeit. Und zwar auf einem Eimer weißer Küchenfarbe, die wir bei Aldi mal gekauft hatten. Jetzt stehen sie auf der Ablage im Flur unter unserem Foto. Wichtig ist aber Folgendes: Wenn ich irgendwann mal die Nägel benötigen sollte, werde ich in den Flur gehen und felsenfest davon überzeugt sein, dass diese an ihrem mittlerweile angestammten Platz stehen. Ich werde sie dort nicht vorfinden. Sie werden verschwunden sein und ich werde mich nicht daran erinnern können, an welchem neuen Ort ich die blöden Dinger jüngst wieder versteckt habe.

Ich war gerade nachschauen, ob die Nägel noch dort sind. Zu meinem großen Entsetzen sind sie es nicht. Ich habe absolut keine Ahnung, wo die jetzt sein könnten.


Bald: Wie sie es mit mir aushält in „7 Gründe, ihm einen Gastbeitrag zu schreiben, in dem es unter anderem um stürzende Ziegen gehen wird“. Dieser Titel liegt zumindest nahe.


Für die Zwischenzeit empfehle ich die Lektüre des Antwortbeitrags vom Seppo(b)logger bzw. Sepp(mon)ologer Seppo auf diesen Artikel, der mich einmal mehr in einem noch schlechteren Licht erscheinen lässt.


Hier geht’s zum dritten Teil!

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14 Kommentare

  1. das kenn ich alles, nur daß es bei uns grad umgekehrt ist. ich hacke auf die Tastatur ein und ich kenne mich mit Grünpflanzen nicht aus, ich hab einen vertrockneten Daumen. Kriege deshalb auch öfters mal einen sogenannten Anschiss, was mich aber nicht ändert, sondern noch sturer macht.

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