7 Gründe, sich schnellstmöglich von mir zu trennen III

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Eigentlich kann eine Beziehung nur davon profitieren, wenn sich die Beziehungsteilnehmer ihrer eigenen Schwächen bewusst sind. Offenheit ist ja immer so ein Thema, das jeder totaaal wichtig findet und auch totaaal zu schätzen weiß. Ob sie wirklich so total supi happy ist, wenn er ihr offenbart, dass er am liebsten täglich mit 20 Kilo Gehacktem kopulieren und währenddessen Helene Fischer hören würde, ist nicht bekannt. „Oh, wie lieb, dass du mir das sagst. Ich finde Offenheit ja totaaal wichtig und weiß sie totaaal zu schätzen. Jetzt kann ich damit umgehen.“ Und verlässt ihn.

Anders, als vom hochgeschätzten Repliklieferanten vermutet, liegt mir wenig daran, dass die Frau, die in unserer Wohnung lebt, die Reißleine zieht, weil ich ihr Gründe liefere, sich von mir zu trennen. Es steht ihr selbstverständlich frei. Die Entscheidung darüber muss ich ihr überlassen, damit mir nachher keiner mit dem Totschlagargument „unterdrückendes Patriarchat“ ankommt. Frauen können heute schon sehr viel. Auch sich von ihren Partnern trennen. Allerdings sind ihr die Gründe einer möglichen Trennung bekannt. Sie lebt mit ihnen und erträgt sie seit Jahren. Man arrangiert sich damit. Ich denke, das macht den Unterschied zwischen guten und schlechten Beziehungen aus. In einer schlechten Beziehung werden Dinge, die zu Beginn noch total süß und sympathisch waren, im Laufe der Zeit als nervend empfunden. Wer nicht versucht, diese Eigenarten des Partners aus eigenem Interesse zu bekämpfen sondern diese akzeptiert, befindet sich in einer guten Beziehung. Zumal jeder so seine Macken hat.

5. Ich bin zu ruhig

Gerade läuft im Fernsehen irgendeine Sendung übers Kochen und/oder Tiefkühlkost. Protagonist ist unter anderem ein Koch, der wohl etwas von seinem Handwerk versteht. Es ist ja häufig so, dass Sendungen von einem Fachmann und einem x-beliebigen Statisten bestritten werden, wobei der Statist immer unqualifizierte Fragen stellt, um den Fachmann noch fachmännischer wirken zu lassen. Klappt übrigens auch in der Werbung. Der Lehrling fragt, warum die Deutschländer eigentlich Deutschländer heißen. Der Wurstmeister antwortet souverän und beginnt mit „knackig wie Wiener“. Aber weil der Lehrling einfach so strunzdumm wirkt, nimmt man dem Meister die Schwäche in Geographie nicht übel. Er ist ja schließlich Wurstmeister.
In der gerade laufenden Sendung stellt die 0815-Nebenfrau dem Fachmann keine Fragen. Sie brüllt sie. Und das bilde ich mir nicht ein, denn der Fachmann mahnt sie zu Ruhe, indem er entsprechende Töne von sich gibt und betont leise redet.

Das ist auch meine Strategie. Das An-„pscht“-en ist nicht so meins, weil ich es selbst nicht so gerne habe, wenn mich jemand an-„pscht“-et. Aber ich weiß die Kraft einer ruhigen Stimme zu nutzen. Problematisch ist das dann, wenn der Partner oder die Partnerin manchmal einfach jemanden braucht, mit dem man zusammen schimpfen kann. Ich müsste dazu in der richtigen Stimmung sein. Es gibt beispielsweise Situationen, in denen die Frau, die in unserer Wohnung lebt, schon durch die Existenz anderer Verkehrsteilnehmer zur Kernschmelze ansetzt. Zu ihrer Verteidigung muss ich hier festhalten, dass Düsseldorf eine undankbare Stadt für Autofahrer ist. Es gibt ein Sprichwort oder eine Redensart – auf jeden Fall sagt man das so – dass man in Düsseldorf immer 20 Minuten braucht, um im Auto von A nach B zu gelangen; egal wie kurz die Strecke ist. Nach oben dürfte diese Zeitskala wohl offen sein.

Jedenfalls ist manchmal jede Regung eines Verkehrsteilnehmers für die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ein Grund, denjenigen umzubringen. Das würde sie aber niemals tun. Denn ich bin ja da und beruhige sie. Das hört sich dann so an.

„Meeeeinee Güüüüte, faaaaaahr doch! Guck dir das an! Das Püppchen zieht sich gerade die Lippen nach. Warum fährt die denn nicht?! Und was will der hinter uns? Ich kann doch nicht losfahren, wenn die da vor mir noch rumhampelt! Das sieht der doch! Wer hupt denn da? Meint der mich? Lass mal bitte tauschen!“

Ich tätschel ihr den Oberschenkel und spreche leise und friedlich.

„Ruuuuuuhig.“

Dann verschwinde ich in einem Feuerball, der aus Richtung des Fahrersitzes abgegeben wurde. Sie möchte in solchen Momenten nicht beruhigt werden. Die Welt soll brennen, sie will gemeinsam mit mir all diejenigen verfluchen, die diesen Asphalt bevölkern und meinen, er gehöre ihnen alleine. Damit kann ich nicht immer dienen und manchmal muss ich wegen ihrer Autofahrerschimpfe anfangen zu lachen. Das ist mir früher schon bei meinem Geschwistern passiert, wenn die mal sauer waren. Dagegen kann ich auch nichts tun, aber für mich hat der Moment, in dem sich Menschen aufregen, manchmal unfassbaren Unterhaltungswert. Die sehen das erfahrungsgemäß anders.

Jetzt gerade brüllt die 0815-Statistin im Fernseher wieder irgendwas Unqualifiziertes. Langsam regt die mich auf. Bei aller Besonnenheit, die ich mir manchmal selbst aufzwingen muss (auch beim Autofahren; Stichwort: Parkplatzsuche), kann ich manchmal die Blödheit insbesondere des Fernsehens schwer ertragen. Und so sieht man mich gelegentlich regungslos auf dem Sofa sitzen, auf den Bildschirm starrend, um – wenn ich genug gehört habe – ohne Vorwarnung mir vollkommen fremde Personen wüst zu beschimpfen. Personen, die sich im Fernseher befinden und mir in diesem Moment ganz enorm auf die Nüsse gehen.

„Ruuuuuhig.“, höre ich es dann von links hauchen.

Ich werde ruhig und tippe weiter. Das erregt ihre Aufmerksamkeit.

„Bist du sauer?“

„Ich bin nie sauer.“

Ich bin wirklich selten sauer und wenn, dann ist das eigentlich eher eine Form von Frust. Das macht es für jeden auch unglaublich schwer, mit mir zu streiten. Lieber versuche ich, meine Harmoniesucht zu befriedigen, bevor Unmut aufkommt. Dazu gehört natürlich auch, in manchen Momenten nicht aufs Rechthaben zu pochen, auch wenn ich es besser weiß, was gelegentlich vorkommt. Ich lasse andere Menschen auch nicht so gern auflaufen. (Es gab auf der Arbeit mal eine Situation vor drei Jahren, bei der ich heute noch verkrampfe, weil es für jemand anderen einfach unfassbar unangenehm war.)

„Warum sollte ich sauer sein?“

„Wirkt nur so, weil du so aggressiv auf deine Tastatur einhackst.“

Das ist häufig der Hinweis darauf, dass ich zu laut bin und oft genug bin ich wirklich etwas aufgeregt, wenn ich zu laut tippe. Oder ich tippe zu laut, wenn ich aufgeregt bin. Aber sauer…ich wüsste nicht, was mich wirklich erzürnt.

„Was macht mich sauer?“

„Bohren.“

Sie hat vollkommen Recht. Wer mich zur Weißglut treiben möchte, muss mir irgendwo in Düsseldorf eine Bohrmaschine in die Hand drücken und ich werde innerhalb weniger Sekunden diese bescheuerte Stadt und ihre verkackten Wände verfluchen. Denn entweder besteht der Putz aus getrocknetem, mit UHU vermischten Sand, den man übertapeziert hat, weshalb man mit einem 8er Bohraufsatz ein 12er Loch in die Wand zaubert, das beim Reindrücken des Dübels noch einmal Vergrößerung erfährt, oder die viel zu harte Wand vernichtet den Bohraufsatz. Letzteres ist in unserer aktuellen Wohnung der Fall. Ersteres bei unserer vorherigen und meiner WG.

Ansonsten bin ich ein sogenannter ruhender Pol, als welcher ich auch von meiner Deutschlehrerin in der Mittelstufe bezeichnet wurde, während sie mir erklärte, dass ich in den kommenden Wochen neben den Klassenchaoten sitzen werde. Es klappte nicht. Die zwei blieben kleben. Aber ich hatte wieder meine Ruhe.


Teil IV kommt noch heute! Wer der Meinung ist, mich deshalb beleidigen zu müssen, möge dies bitte auf Facebook tun. Dort gibt es Dinge, die die Welt noch nicht gesehen hat. Die sie auch nicht sonderlich interessieren würden, aber wenn sie schonmal da sind…

 


Hier geht’s zum zweiten Teil!Hier geht’s zum letzten Teil!

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12 Kommentare

  1. Ich hoffe ja, dass du niemals erkennen wirst, dass es sich hierbei vielmehr um 6 Gründe (beim Bart bin ich zum Glück raus) handelt, warum du dich schnellstmöglich von MIR trennen solltest.

    Gefällt 3 Personen

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