Zeitvertreib im Bad – Das Weib im Manne

2016-06-10 18.24.10

Frauen sagt man nach, sie nähmen das heimische sowie auch sämtliche andere Badezimmer gern und vor allem lang in Beschlag. Dagegen lässt sich wenig einwenden.

Weil es mir gerade ins Gesicht springt und ich vergangene Nacht mit jemandem kurz darüber sinnierte: Die aktuelle Rechtschreibung ist wenig intuitiv, was sich an Worten wie „einwenden“ hervorragend belegen lässt. Semantisch ist „einwenden“ ohne Zweifel ein Derivat von „Einwand“, was sich kurioserweise morphologisch nicht am Derivat nachweisen lässt. Andere Wörter werden in zweierlei Schreibung akzeptiert. So beispielsweise auch „räkeln“ und „rekeln“, wobei mir zweiteres einen Schauer über den Rücken treibt. Was mir mit meinem intuitiven Schreibverständnis enorm entgegenkam, war die ß-Regel, die ich bedingungslos nachvollziehen kann. Aber anderes…naja.

Tatsächlich scheinen Frauen deutlich mehr Zeit im Badezimmer zu verbringen, als es der Mann tut. Ohohoh! Obacht! Gibt da jemand ein Klischee als Tatsache aus? Ja, ich weiß. Es ist ein Klischee. Allerdings ein aus eigener Erfahrung untermauertes, was für mich damit den Tatbestand eines Fakts erfüllt. Nun weiß ich nicht, ob ein Fakt ein Tatbestand ist, aber es dürfte unbestritten sein, dass ein Fakt Tatsache und somit ein bestätigtes Klischee sein dürfte. Davon abgesehen ist es enorm anstrengend, den zahlreichen Minen auszuweichen, die von künstlich empörten Freizeitsensibelchen ausgestreut wurden, um den Mann ein ums andere Mal als Frauendiffamierer zu entlarven. Ja, Männer können Arschlöcher sein. Ja, Männer waren in der Vergangenheit ebenfalls durchaus Arschlöcher. Nein, ich bin es nicht, nur weil ich ein Klischee bemühe. Derer gibt es viele, welche die Frauen dem Mann mit ausgestrecktem Zeigefinger lachend gern ins Gesicht sülzen.

Männer seien wehleidig. Ich bin es nicht. Wobei das auch wieder ein wenig von der Art der Verletzung abhängig ist. Brich mir einen Knochen und ich ärgere mich darüber, dass ich mir etwas gebrochen habe. Sofern Brüche nicht kompliziert sind, schmerzen sie nicht. Erkältungen setzten Männer außer Gefecht. Nein! Ich bin – wenn ich überhaupt mal krank werde – so schnell wieder genesen, dass mir keine Zeit bliebe, mich der Erkältung hinzugeben. Aber wenn ich mir ein Nasenhaar zupfe, werde ich meiner Umwelt noch Stunden später mit geröteten Augen und niesenderweise meine Qualen schildern. Man merkt also, dass Klischees nicht immer zutreffen.

Manche aber eben doch.

So nunmal auch jenes, dass Frauen im Schnitt (!) länger mit der Vorbereitung für einen Ausflug beschätigt sind als Männer. Im Schnitt. Das ist ein nicht unerhebliches Detail. Aber es ist nur folgerichtig, dass ein Mensch, der lange Haare (Hohooo! Schon wieder ein Klischee! Der traut sich was!) besitzt, diese auch wesentlich länger trocknen muss als jemand mit kurzen und zudem immer seltener werdenden Haaren. Da mache ich mir nichts vor. Als Siebenjähriger verfügte ich über einen akzeptablen Haaransatz. Keine 23 Jahre später strebt die Stirn über zwei Buchten links und rechts vom Scheitel Richtung Nacken.

Da fällt mir ein Bilderwitz ein, den ich als Kind gelesen und nie vergessen habe. Eine Fliege steht mit ihrem Kind auf einer Glatze und sagt: „Als ich so klein war wie du, war das hier alles noch dichter Wald.“

Der Vorteil dieser unvermeidlichen Entwicklung ergibt sich aus meinem Vertrauen in eine Regel, die ich vor Urzeiten mal irgendwo las oder hörte. Ein Mensch habe zeit seines Lebens die selbe Anzahl an Haaren. Diese verteilen sich bloß altersabhängig anders verteilen. Und es stimmt! Als Kleinkind begann irgendwann das Haupthaar zu wachsen. In dem Maße, wie es auf dem Kopf wuchs, verlor ich meine Gesichtsbehaarung. Ein Prozess, der sich aktuell umzukehren scheint.

Der weibliche Mensch ansich scheint sich gern zu schminken, was ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt, die der Mann damit verbringt, in Boxershorts auf dem Sofa rumzurobben. Weil er müde ist und sich langweilt. Irgendwann stürmt dann die Frau mit Handtuchturban ins Wohnzimmer und weist den Mann darauf hin, dass man in wenigen Augenblicken los müsse und noch die Fenster geschlossen werden müssten sowie die Tiere gefüttert und die Stromleisten ausgeschaltet. Weil der Mann aber weiß, dass ihm zu diesem Zeitpunkt noch ewige etwa vier Minuten Zeit bleiben, setzt er sich entspannt auf und sucht nach seiner Hose, die sich aus ihm unerfindlichen Gründen im Wohnzimmer befindet. Nachdem er alle Fenster verschlossen, Stromleisten ausgeschaltet und Tiere gefüttert habe, steht er angezogen im Flur.

Diese Routine existiert nicht mehr.

Korrekterweise muss ich anmerken, dass die Frau, die in unserer Wohnung lebt, tatsächlich nicht viel Zeit im Bad verbringt. Sie manikürt sich nicht täglich die Nägel und schminkt sich dezent, weil sie mehr Anfwand schlicht nicht nötig hat. Das ist für gewöhnlich innerhalb von vier Minuten erledigt.

Meine Zeit im Bad hat sich in den vergangenen Wochen vervielfacht. Zeit lässt sich wohl nicht vervielfachen. Hätte ich zunächst nur eine Zeit gebraucht, benötigte ich heute gleich drei Zeiten. Nein, so funktioniert das nicht. Ich habe meine Aufenthaltsdauer im Bad ausgedehnt. Das liegt zum einen an einem Geburtstagsgeschenk, das mir die Frau, die in unserer Wohnung lebt, zum 30. machte. Eine Badebürste. Diese Badebürste hat schon mal die Zeit in der Dusche multipliziert. Der größere Zeitkiller, den ich aber gern in Kauf nehme und sogar begrüße, ist der Bart.

Ich habe nie verstanden, warum sich manche Frauen andauernd durch die Haare gehen müssen. Nicht wortwörtlich. Im übertragenden Sinne, nämlich mit der Hand. Ich verstand also nie, warum sich Frauen auf den Händen gehend durch die Haare bewegten, denn abgesehen von fettigen Haaren zeigte sich keine Veränderung. Während meiner Studienzeit, die ich studienfachbedingt mit einer großen Anzahl zukünftiger it-girls verbrachte, blitzte andauernd irgendwo im Hörsaal ein kleiner Taschenspiegel auf und dann wurde nachjustiert. Es war mir ein Rätsel. Heute bin ich klüger.

Denn wenn ich aus der heimischen Badewanne steige, die gleichzeitig auch unsere Dusche darstellt, ist die Haarpflege noch nicht abgeschlossen. Das war für mich als Neubärtiger zunächst eine Umstellung, denn ohne je meine Haare gebürstet oder mit irgendeiner Art der Pflege versorgt zu haben, sah ich mich nun mit exakt diesen Aufgaben konfrontiert. Denn als wolle mich mein Körper verhöhnen, ist mein Barthaar um ein Vielfaches dicker und somit auch härter als mein Haupthaar, das mir jeder Friseur als „Mjoah…sehr dünnes Haar.“ bezeichnet. Haargel oder Haarwachs bzw. -wax allein führen bei mir zu keinem Ergebnis, das eine Tageszeit überdauern würde. Morgens gerichtet, legt sich das kraftlose Haar schon gegen Mittag erschöpft auf die Kopfhaut. Also muss ich es mit Haarspray einbetonieren, was ich trotz der Befürchtungen anderer, dadurch spontan in Flammen aufzugehen, beibehalten werde.

Der Bart ist ein widerspenstiger. Ein Widerporst. Um ihn kontrollieren zu können, muss ihm größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Lasse ich ihn einfach trocknen, verzwirbeln sich einzelne Barthaare, die mir aufgrund ihres Umfangs gefühlt den Unterkiefer aus der Rübe ziehen, wenn ich versehentlich mit den Fingern darin (in den Barthaaren) hängen bleibe. Sie sitzen bombenfest und verknoten. Also bürste ich ihn. Es gibt nichts Weiblicheres als einen Mann, der sich mit erhobenem Kinn im Spiegel betrachtet und währenddessen behutsam durch seinen Bart bürstet und hier und da ein trotziges Haar an den ihm angestammten Platz zurückweist. Ich warte auf den Tag, an dem die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ein unangenehmes Gespräch mit mir führen muss, bei dem sie mir die Unterschiede zwischen Binden und Tampons erklärt.

Ich gönne meinem Bart ein pflegendes Öl, das die Haare weicher, geschmeidiger machen soll, bis jetzt aber noch nicht wirklich etwas verbessert hat. Die einzige Veränderung, die ich wahrnehme, ist ein fettiges Handydisplay, weil ich mir andauernd in den Bart fasse. Vermutlich ist das exakt der Reflex, dem auch Frauen ausgeliefert sind, wenn sie sich die immerselbe Haarsträhne richten.

Frauen brauchen statistisch gesehen länger im Bad. Das ist kein Klischee. Es ist eine Beobachtung. Gleichberechtigung ist in diesem Zusammenhang absolut notwendig. Männer können heute schon sehr viel. Ein jeder Mann hat das Recht, morges im Schnitt länger im Bad zu brauchen. Und ich trage meinen Teil dazu bei, dass ein ausgedehnter Aufenthalt im Bad nicht länger den Frauen vorbehalten bleibt.


Ich habe eine gute Vorstellungskraft und weiß häufig recht genau, wie etwas aussehen soll. Allein an der Umsetzung hapert es, weshalb ich heute die Dienste eines Barbiers in Anspruch nahm, der in der Regel sein Handwerk beherrscht. Und er beherrschte es. Ein Kurzurlaub fürs Gesicht. Dazu in Kürze mehr.


Passend zur Gesichtsbehaarung: der soziale Außenposten der Dampfbloque-Entertainment-Group auf Facebook!


Schont die Augen, geht ins Ohr: Der DampfPod!

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7 Kommentare

  1. Na super! Da kommt der Fliegenwitz und mein Mann ist gerade bei der Tür raus! Arg! Jetzt muss ich mir den bis zum Vatertag am Sonntag (Ö) merken, damit ich ihn passend anbringen kann. *und grinst und grinst und grinst*
    Pflege-Öl für’s Handy kann man Bartträgern also auch schenken. Noch ein Vatertagstipp, sehr gut 🙂
    Ist Haarspray endlich wieder in? Pfffffffffffffffffft! Yeah, Baby, the 90ies are back!!! Aber mit den Pumpsprays (pft pft pft pft pft) und ohne Ozonloch Zerstörung ist es ja nur noch der halbe Spaß.

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  2. Da möchte ich dir widersprechen!!
    Wir leben in einer Zeit, in der auch Männer viel Geld in ihre Schönheit investieren. Sie benützen diverse Cremes und Düfte und manche sogar Schminke. Mancher Mann braucht viel länger im Bad als wir Frauen. Die Rasur alleine dauert ja schon ewig und dann noch der Kampf gegen Augenfältchen oder dunkle Ringe….lach ,

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