JUBILÄUMSWOCHE: Erster Dampfbloqueburtstag

Guetesiegel

Vorwort 

Es verspricht selten, ein guter Beitrag zu werden, wenn die Frau, die in unserer Wohnung lebt, gleich beim Titel des Beitrags das Gesichts verzieht, als hätte sie auf eine Zitrone gebissen, während jemand mit extrem dünnen und daher brüchigen und weichen Fingernägeln, die schnell umknicken, über eine großzügig mit Kreide bekritzelte Tafel kratzt.

Vorwort Ende

Und doch oder gerade deswegen lasse ich den Titel so stehen. Die Menschen werden sich daran reiben, werden sich empören und möglicherweise aufgrund der Polyvalenz des Titels Religionen gründen. Gegen und für den Titel. Da bin ich sehr offen. Hauptsache irgendjemand gründet halt eine Religion. Was man nicht vergessen darf: Wortspielereien, die vielmehr Lautmalereien der alleruntersten Schublade sind, sind heute der Alltag vieler Werbeschaffender. Verurteilen will ich das nicht, aber ich kann das auch nicht gutheißen.

Worum gehts eigentlich? Heute, an dem Tag, da sich der erste Beitrag, den der oder das Dampfbloque je sah, erstmalig jährt, jährt sich der erste Beitrag, den der oder das Dampfbloque je sah, erstmalig. Zu meiner großen Überraschung stellte ich vor etwa zwei Wochen fest, dass der oder das Dampfbloque als Seite – wenn auch ohne Inhalt – bereits den ersten Geburtstag feierte. Ich kam nach Hause und alle waren sie da und feierten mit ihm.

Aber bleiben wird mal ein wenig seriös.

Als ich vor sehr genau einem Jahr den Beitrag Bleiben Sie im Haus! Draußen ist Wetter! durch unsere wohnungseigene 100er-Leitung von Unitymedia (Gruß an dieser Stelle! Die Störungen nehmen nicht mehr so stark zu mittlerweile.) jagte, war mir gar nicht so recht klar, was ich überhaupt wollte. Andererseits war es mir da schon etwas klarer, als noch neun Tage zuvor, als ich eine Buchstabenfolge in ein unscheinbares Textfeld eingab. „Dampfbloque“ als Kompromiss, weil alles andere, was mir vorschwebte, schon vergeben war. Die Alternative „Manu’s freche Stöberecke“ stieß bei vielen Befragten in dieser Wohnung auf wenig Gegenliebe und wurde unter der Androhung von Trennung verworfen. Es hätte ohnehin nicht gepasst, weil mich der ironische Seitenhieb gegen viele Friseursalons irgendwann in den Wahnsinn getrieben hätte. Die Rede ist vom Deppenapostroph.

Erst kürzlich tauschte ich mich mit einem über die hiesige Stadtteilgrenze hinaus bekannten Blogger über das Setzen von Apostrophen aus, wobei ich eine Menge lernte, diese Menge aber durch Regeln, die Ausnahmen thematisieren, wieder verlernte, was mich auf den Stand eines etwa 30-jährigen Mannes brachte, der noch nie wirklich ernsthaft über das Setzen von Apostrophen nachgedacht hatte. Also gilt für mich nach wie vor: Genitiv-s ohne Apostroph‘. 

Dann also „Dampfbloque“, was mir anfangs aufgrund des „que“ etwas Bauchschmerzen bereitete, aber mittlerweile sogar erste Plagiate verursachte. Man schmückt sich gern mit dieser Buchstabenfolge, die so unterschiedlich ausgesprochen werden kann, obwohl sie das Resultat eines Missverständnisses ist, welches auf meinen Defiziten in fremden Sprachen beruht. Ich hielt es für Spanisch, was es de facto nicht ist. Dazu ließ ich mich bereits aus.

Der oder das Dampfbloque sollte ein Ventil werden, über das ich regelmäßig den Druck ablassen wollte, der entsteht, wenn man sich im Alltag tummelt, was wohl jeder von uns täglich tun wird, sofern er lebt. Und in diesem Ballerspiel der digitalen und analogen Informationen kann es nicht schaden, eine Plattform zu haben, auf der man den entstandenen Dampf ablassen kann. Die Absicht, diesbezüglich überwiegend gesellschafts- und medienkritisch ans Werke zu gehen, hat sich bis heute tatsächlich durchsetzen können, weshalb sich hier zwar ein recht heterogenes Beitragsfeld präsentiert, dem aber immer etwas Kritisches innewohnt. Ob das ein Alleinstellungsmerkmal ist, wage ich zu bezweifeln. Ich denke viel nach und wo andere ihren Psychiater aufsuchen, was im Übrigen jenseits des großen Teichs gängige Praxis ist und man fährt gut damit, schreibe ich mir gelegentlich das von der Seele, was mich bewegt.

Und aus irgendeinem Grund scheint es dem einen oder anderen zu gefallen. Jedenfalls sanken die Leserzahlen in der Tendenz nicht, wenn man die vergangenen zwölf Monate betrachtet. August 2015: 0 Leser, August 2016: mehr als 0 Leser. Dass die Zahlen zuletzt etwas schwächelten, gab und gibt mir Rätsel auf. Ob es am Sommer und dem zugehörigen Loch liegt, an einem gewissen Abnutzungseffekt oder ob Blogs mittlerweile nicht mehr angesagt sind, kann ich schwer abschätzen. Für letzteres spricht, dass ich die Gabe besitze, Trends gelegentlich hinterherzulaufen. So war es kein Wunder, dass ich auf tumblr, einer Plattform von Yahoo, einen Ableger des Dampfbloques installierte und nur Tage später Yahoo gewisse Geldnöte offenbarte. Wieder zu spät dran. Ob das generell für Blogs gilt?

Ich sehe Blogs allerdings weniger als Tagebuch an. Das ist denke ich eine weitverbreitete Ansicht, die in vielen Fällen auch durchaus bestätigt wird. Es wird vielleicht zu wenig differenziert, denn den Blog als solchen gibt es so wenig, wie es Musik als solche gibt. Da spielen subjektive Präferenzen eine nicht unerhebliche Rolle. Und während ich mit Fashion- und bzw. in aller Kürze reinen Werbeblogs wenig anfangen kann (weil sie – von diesem anbiedernden Unterton ganz abgesehen – gelegentlich an meinem Anspruch an gute Texte scheitern), sehen es andere nicht ein, Beiträge jenseits der 1000 Wörter zu lesen. Nicht jeder Beitrag ist ein Meisterwerk und die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht jeder mit Ironie und Sarkasmus umgehen kann.

Das machte mich innerhalb der vergangenen zwölf Monate abwechselnd zum traurigen und neidischen Menschen, zum Bahnhofsklatscher und erst neulich zum Sexisten. Denn, auch das lehrte mich das erste Jahr, der Mensch des Internets analysiert gerne, psychologisiert und bewertet über bzw. liest Dinge, die nicht da sind. Damit kann ich prinzipiell gut leben, stoße aber dann an meine Grenzen, wenn es um aus meiner Sicht ganz grundsätzliche Werte geht, die ins Lächerliche gezogen werden. In einigen Beiträgen wurde deutlich, dass Vorurteile nicht meine Sache sind. Es passt jedoch zur schnelllebigen Zeit, dass einige mit Vorverurteilungen sehr rasch zur Stelle ist, sobald man sich in Diskussionen begibt. Dass es neben schwarz und weiß noch sämtliche Grauschattierungen gibt, scheint manch einem unbegreiflich zu sein. Für meinen möglicherweise – wer weiß das schon? – naiven Hang dazu, nicht alle über einen Kamm scheren zu wollen, lasse ich mich ungern durch den Kakao ziehen. Nur kommt man gegen Polemik auf der Ebene, wie sie dann beizeiten betrieben wird, nicht an.

Glücklicherweise haben sich im Laufe des letzten Jahres überwiegend Leser im Dampfbloque eingefunden, die den Grundsatz verinnerlicht haben, dass das Gegenüber kein Vollidiot ist, auch wenn er eine andere Meinung vertritt. Dass Leser kamen und gingen oder mal aktiv waren und dann in der Versenkung verschwanden, ist wohl normal. Ein kleiner, aber relativ harter Kern blieb von Beginn an bestehen, zu dem man auf ganz eigenartige Weise eine Beziehung aufbaute. Dass die Frau, die in unserer Wohnung lebt, diesbezüglich außer Konkurrenz startet, dürfte klar sein, aber sie kenne ich ja auch schon ein wenig länger als ein Jahr. Doch vor ihr müssen die Beiträge als erstes bestehen. Das ergab sich, weil sie glücklicherweise regelmäßiger liest, als ich es anfangs gedacht hatte.

Und dann sind da noch einige andere, auf deren Urteil ich viel gebe, was ich vor einem Jahr nicht erwartet hätte. Denn obwohl ich davon ausging, dass ich für mich bleiben würde, lernte man hier und da doch jemanden kennen und man blieb sich erhalten. Kurios übrigens, dass man über den jeweils anderen – zumindest mache ich es so – immer mit dessen Blognamen spricht. Sei es über eine gewisse Auxkvisit, die ich um ihr Logo beneide und die vor allem mit ihren Beiträgen zu sozialmedialen Phänomenen (etwa schöne Sprüche auf Facebook) bei mir offene Türen einrennt, eine Dame namens Criticalpixie, die in Wirklichkeit ganz anders heißt und aus irgendeinem Grund zu jedem Thema etwas zu sagen hat (was beeindruckend ist und keinesfalls negativ verstanden werden soll), oder nicht zuletzt dieser Seppo, der dem seppolog den Namen gab. Irgendwie blieb man sich erhalten, obwohl man sich nur in diesem abstrakten Raum der Virtualität kennenlernte, der nur zu häufig Unverbindlichkeiten fördert. Vielleicht schätzte man sich anfangs wegen der ähnlichen Schreibweise und wusste gleich, wie man sich zu nehmen hat. Das ist in der rein schriftlichen Kommunikation schon viel wert.

Ein Jahr vorbei. Aus http://www.dampfbloque.wordpress.com wurde in diesem Jahr http://www.dampfbloque.com und auch, wenn der Frust zuletzt wegen ausbleibender Leser ein wenig zunahm, würde mir das hier doch sehr fehlen, würde ich es einstellen. Und irgendwie macht es dann doch zu viel Spaß. Abgesehen davon übertrug sich die digitale Vernetzung in einem Fall auf die Realität, also kann das hier so falsch nicht sein.

Ich danke jedem, der jemals hier vorbeischaute und hängenblieb, was angesichts meiner Bandwurmsätze, die euch manchmal quälen, ein großes Wunder ist. Bleibt weiter hängen und harrt der Dinge, die da kommen mögen.

Es ist im Grunde exakt so wie vor einem Jahr. Mal schauen, was daraus wird. Ich weiß es nach wie vor nicht.


Von Beileidbekundungen bitte ich Abstand zu nehmen. Am 19. August wird diesem Blog zu Ehren eine wilde Party stattfinden, die im Wesentlichen auf Wein, Mädchenbier und Kartoffelecken basiert. Vielleicht schreibe ich darüber, wenn ich wieder schreiben kann. Bis dahin vertretet euch die Beine auf Facebook und fühlt euch dazu genötigt, mir in den Kommentaren zu einem Jahr Beharrlichkeit zu gratulieren. Der Verzicht darauf, diesen Beitrag zu re-posten, ist keine Option!

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17 Kommentare

  1. Happy Dampfbloqueburtstag 🙂

    Mein Spitzname ist Pixie 🙂 Mischung aus Nach und der Abkürzung des Vornamens und ich vermutlich ich habe ihn erhalten weil es übersetzt eigentlich Kobold heißt 🙂 aber mittlerweile heißen Feen ja auch so 🙂

    Jetzt mache ich allerdings einen auf Terminator und versichere Dir …. Ich komme wieder 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Da komme ich doch just darauf, dass ich vor vielen Jahren (eher einem Jahrzehnt) die Idee hatte einen Blog zu machen, der einfach leer bleibt, allenfalls ein Blogpost pro Jahr. Heute bin ich glücklich, das ich es nicht tat. Das hat jetzt überhaupt keinen Bezug, waren nur so Erinnerungen an dumme Gedanken aus einer grauen Vorzeit.
    Wie auch immer: Gratulieren kann ich trotzdem, in dem Fall dampfend. 😉

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  3. Bloggeburtstag? und wie immer registrier ich’s zu spät ^^ nun, trotzdem – Happy B-Day nachträglich. Ich tippe ob der gesunkenen Leserzahlen entweder auf das Sommerloch oder auf die schiere blogüberflutung mit.. *zensiert* blogs, zwischen denen alles andere mal untergeht 😉 schön weiterschreiben, vielleicht schaff ich meinen Geburtstagsgruß im nächsten Jahr pünktlich 😉

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