Unterhalten sich zwei Autoren – Im Dialog mit Thees Tósterón

2016-08-21 16.27.02

Manchmal, was eine gnadenlose Untertreibung ist, liest man sich Gesprächsverläufe mit einem Gesprächspartner durch und muss erkennen:

Diese Unterhaltung darf niemals an die Weltöffentlichkeit gelangen!

Nicht, weil man empfindliche Informationen austauscht. Die Formel zur Lösung sämtlicher Probleme auf der Erde schrieb ich schon vor Monaten einem Freund in den USA, weil ich hoffte, dass Facebook und Google diese im vermeintlich überwachten Schriftverkehr sämtlicher Menschen auf diesem Planeten entdecken und an relevante Personen weiterleiten würden. Nichts geschah, weshalb davon auszugehen ist, dass Facebook-Konversationen relativ vertraulich sind. Nicht einmal der Freund aus den USA erzählte irgendjemandem von der Formel. Lange nichts mehr von ihm gehört…

Nein, manche Unterhaltungen dürfen die eigenen vier Kanten des Bildschirms deshalb nie verlassen, weil man sonst in Verdacht geriete, ganz gewaltig einen an der Waffel zu haben. Das kann durchaus reizvoll sein, weil man an den Reaktionen mancher Menschen deren Fähigkeit, Sarkasmus oder eine gewisse Art von Humor zu verstehen, ablesen kann.

Es würde gelegentlich einfach verstören, würde man die geistigen Glanzlichter der online-Kommunikation zu lesen bekommen, die bei mir vor allem im Zusammenspiel mit einem geschätzten Freund (ich schätze ihn als Freund ein) entstehen. Es gipfelt oft genug im Abstrusen, was überaus inspirierend wirken kann und mich letztlich dazu verleitete, den Teil eines gestrigen Dialogs zu veröffentlichen. Weil ich ohnehin gerade keine andere Idee habe. Weil es schlicht lustig war. Weil die Welt lange genug im Unklaren gewesen war hatte sein ist!!!1!!einself!?

Thees ist Schriftsteller. Wie ich. Nur eben online. Wie ich. Auf seinem Blog, dem Tósteróløg, ist er zuhause. Nun lest die Geschichte. Sie ist unglaublich!

Thees Tósterón: Achso. Okay. Das ‚unterbezahlt‘ war déplacé.
Tolles Wort.

Dampfbloque: Viele Apostrophe.

(Hierbei handelt es sich um einen Scherz, der sich denjenigen, die nicht eingeweiht sind, nicht erschließt. Diejenigen, die eingeweiht sind, erschließen ihn allerdings. Mit Thees Tósterón philosophierte ich vor kurzem über das Setzen von Apostrophen, weshalb sie von da an gelegentlich aus Verlegenheit und verlegentlich aus Gelegenheit geschrieben werden. Nun ist jeder im Bilde.)

Thees Tósterón: Die musste ich ergooglen.
Weiß nie, wohin sie zeigen müssen.
Auch eine der schlimmsten Tasten.

Dampfbloque: Ja. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, weiß sowas meistens. Ich wusste, bis ich sie kennenlernte, gar nicht, dass es da Unterschiede gibt. Fragte mich schon immer, warum auf der Taste zwei Striche zu sehen sind. Irgendwann habe ich per Zufall herausgefunden, wie man sie setzt. Es war ein Versehen.

Thees Tósterón: Hahahahahahá!
Find die erstmal beim Handy.
Musste gerade für den billigen Gag an den Rechner.

Dampfbloque: Àà.

Thees Tósterón: Ah!
Sie werden mitgeliefert.

Dampfbloque: Lange gedrückt halten. Musste dafür jetzt extra zum Handy neben mir greifen.
Jeder Buchstabe kann die, glaube ich. Ich muss nochmal nach links greifen.

Thees Tósterón: Ë. Das ist albern. Wenn das E wie ein Ö sein will.

Dampfbloque: 12éè456ùú8õ0åśdfghjklyxcvbń.
Ja, manchmal sind die einfach sehr oberflächlich und mit sich selbst im Unreinen.
Das ’s‘ und ’n‘ mit dem Akzent sind mir sehr suspekt, weil sie keinen Tonverlauf haben, den man variieren könnte.

Thees Tósterón: Das ist pure Egozentrik. Ich trage auch eines über meinem Kopf. Vielleicht gestern aufgefallen.

(Thees und ich trafen uns – jeweils mit Begleitung – für eine wichtige Besprechung am Vorabend in unserer Wohnung; in der von der Frau, die in unserer Wohnung lebt, und mir. Wir pflegen also intermedialen und -dimensionalen Kontakt in der Virtualität und Realität. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, und ich, wie auch Thees und ich.)

Dampfbloque: Ja, es fiel mir aber erst heute auf, weil seit gestern sämtliche Türrahmen oben recht mittig Macken haben. Hättest den Kopf etwas mehr einziehen sollen, als du sie durchschrittest. 
Durchschrittetetest. 

Thees Tósterón: Bin zu groß, da ich mit gedrückter shift-Taste unterwegs war.

Dampfbloque: Ich bin einfach nur mit Serifen ausgestattet. Damit ecke ich manchmal an.
Bin aber dadurch besser lesbar.

Thees Tósterón: Ich habe die wichtigsten Personen gestern unterstrichen.

Dampfbloque: Ich setze die lieber kursiv. Ist aber recht unökonomisch, was den zur Verfügung stehenden Raum angeht. Bei zu vielen Personen verkanten die sich, wenn die nicht alle in die richtige Richtung geneigt stehen.
Also, falls sie mal durcheinanderliefen.
Das gäbe heilloses Chaos. 

Thees Tósterón: Darum immer Leerzeichen einladen.

Dampfbloque: Die lockern das Ganze auf, ist richtig. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, beklagt sich nur gelegentlich, wenn zwei nebeneinander stehen.
Sie lektoriert Partys. Manchmal auch größere Menschenansammlungen und setzt, falls nötig, hier und da mal ein paar Absätze oder erhöht den Zeilenabstand, damit es nicht zu Handgreiflichkeiten kommt.

Thees Tósterón:
Die habe ich noch nie kapiert.
Hatte mal eine sütterlin Mottoparty.

Dampfbloque: Endete bestimmt mit der einen oder anderen Fraktur?

Thees Tósterón: Oha. Das ist nicht zu toppen.

Dampfbloque: Dann beenden wir das hier und ich verblogge diesen Dialog anonymisiert. 

Thees Tósterón: Auf jeden Fall.

Dampfbloque: Langt das denn schon von der Wortzahl? Ich übertrag das mal.
Nein.
Gerade mal 400 Wörter
Muss ich aufblasen.

Thees Tósterón: Aber für so etwas doch die passende Länge.
Steht für sich.

Dampfbloque: Ok. Ja, das stimmt. Dann können wir aufhören.
Vielen Dank.
Tschüss!

Thees Tósterón: Hæhæ.

Dampfbloque: Høhøhø.

Man sagt Naturwissenschaftlern – etwa Mathematikern, Physikern und auch Geologen – nach, dass sie in ihrer eigenen kleinen Welt leben und auf andere Menschen etwas sonderlich wirken. Ein Klischee, das wohl auch auf Germanisten zutrifft, sollte mich ein Dozent vor einigen Jahren nicht schwerst belogen haben. Germanisten sollen nach einer Weile zu einem zwanghaft gehobenen Sprachstil neigen, was sich in manchen Fällen durch lange Pausen mitten im Satz äußern soll, weil ein möglichst blumiges oder schwulstiges Wort gesucht wird. Das betrifft mich glücklicherweise nicht.

Dafür schreibe ich mit dem bekannten Schriftsteller Thees Tósterón über die Textformatierung am lebenden Menschen. Thees ist übrigens kein Germanist, beherrscht dieses Thema dennoch, wie man lesen kann.

Mein Studium ist rein gar nichts mehr wert.


Für die Nutzung von Facebook muss man nicht zwangsläufig studiert haben. Man muss nur wissen, wie man den wertlosen Bullshit von dem kostbaren unterscheiden kann. Eindeutig kostbarer Bullshit: mein sozialer Außenposten auf Facebook.

Tausend Wörter. 

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5 Kommentare

    • Das ist sogar sinnvoll, um sie besser verstehen zu können. Allerdings muss man dabei vorsichtig sein. Ein Mathematiker käme unter Umständen auf die Idee, das Wort vor der Klammer mit dem Inhalt der Klammer multiplizieren zu wollen. Die Verwirrung wäre enorm.

      Gefällt 1 Person

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