Das Talent, Gegenstände und Lebewesen zu zerstören

pimmelstadt
„Die Pi***lstadt“ – Ein Schrottwichelgeschenk (jetzt kaputt)

Vermutlich besitzt jeder ein ganz besonderes Talent. Mein besonderes Talent liegt meiner Fähigkeit, Anrufe oder Nachrichten vorauszuahnen. Manchmal habe ich einen unbändigen Drang, mein Handy aus der Hosentasche zu friemeln, welches just in diesem Moment zu brommseln beginnt. Brommseln ist übrigens das Talent vieler Meerschweinchen. Das Brommseln ist ein Laut, den insbesondere Männchen dann äußern, wenn sie fickerig sind oder wenn unangenehme Geräusche ertönen. Weil das ja nun auf einer Skala zwei recht weit voneinander entfernte Dinge sind, kann das nur heißen, dass Meerschweinchen auf unangenehme Geräusche stehen oder aber von weiblichen Meerschweinchen, den Meersäuen, geradezu angewidert sind. Ja, so sind sie, die Meereber. Undurchsichtig, unnahbar.

Nun sollten Kinder kurz weghören, damit sie nicht traurig werden.

  1. Der Weihnachtsmann ist allein durch die Regeln der Physik widerlegt. Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der er sich fortbewegen müsste, um die ganze Welt an einem Tag zu bereisen, und der dadurch entstehenden Reibungshitze, würde er in einem herrlichen Feuerball aufgehen. Wenn es ihn also jemals gab, ist er mittlerweile tot.
  2. Der Nasenmann, unser treues Meerschweinchen, ist ebenfalls tot. Es starb in den frühen Morgenstunden des vergangenen Samstags an den Folgen eines Todesurteils. Euer Ehren, unsere Kaninchendame, verurteilte ihn schon vor Jahren zum Tode durch Altersschwäche. Nun war es soweit. Von der finanziellen Warte aus betrachtet ein Gewinn, denn Haustiere sind gelegentlich ein Fass ohne Boden. Im Fall des der(!) Nasenmann war er ein Fass ohne Hoden. Er war kastriert.

Genug der traurigen Botschaften und zurück zum Wesentlichen.

Talente.

Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, hat das unfassbare Talent, doppelte Leerzeichen aufzuspüren und demjenigen, der sie verbrach, vorzuwerfen. Kurioserweise besitzen wir beide zudem ein Gemeinschaftstalent, das so gar nichts mit unseren Einzeltalenten zu tun hat. Wir haben das einzigartige gemeinsame Talent, Automobile in einem angenehmen Rhythmus von zwei Jahren ihrem Ende zuzuführen. Als ich die Frau, die in unserer Wohnung lebt, kennenlernte, besaß sie ein Auto, welches zwei Jahre später an einem kühlen Herbstabend den Geist aufgab. Wir schafften es in die Straße unserer damals schon gemeinsamen Wohnung. Dann leuchtete am Armaturenbrett ein bunter Tannenbaum aus lauter vielfarbigen Lichtern auf. Eine davon: die Motorkontrollleuchte. Der Wagen fuhr fortan keinen Meter mehr.

Wir bekamen einen lächerlich hohen Preis beim Verkauf an einen Händler, der der Meinung war, dass er die Karre mit geringem Aufwand wieder hinbekäme. Er lachte sich ins Fäustchen, weil wir den Wagen – ahnungslos, wie wir nunmal sind – als defekt anboten. Von Baden-Württemberg schickte er seinen Lehrling, das Auto zu holen. Da müsse nur eine neue Batterie rein und etwas an der Elektronik gebastelt werden. Der Lehrling kam, kaufte eine neue Batterie, gab uns die Kohle, unterschrieb den Kaufvertrag und fuhr.

Am Folgemorgen rief er mich an. Er sei nach wie vor in Düsseldorf, sei nur bis zur nächsten Querstraße gekommen und habe in einem Hotel übernachten müssen. Ich nahm es zur Kenntnis. Der Händler aus Süddeutschland nahm es zum Anlass, mit einem Abschleppwagen anzureisen. Aber ob es tatsächlich so kam, darum ranken sich Mythen. Ich kenne keinen einzigen davon. 

Das zweite Auto, ein alter Ford, wurde bei einem vertrauenserweckenden Händler in einer Nachbarstadt gekauft. Zwei Jahre später vertrauten wir dem Wagen nicht mehr. Der TÜV ebenso wenig. Weil man durch einen Verkauf in der Regel weniger einnimmt, als man beim Kauf ausgab, mussten wir einen noch viel älteren Ford mit allerdings deutlich geringerer Laufleistung kaufen. Unser treues Viech. Es fährt, es funktioniert, es tut, was es sollte. Die metallischen Bauteile tun es ihm gleich und tun, was sie gemäß chemischer Gesetzmäßigkeiten tun sollten: Sie rosten. Das sieht der TÜV ungern, weil der Auspuff dadurch sehr laut und die Türschweller sehr undicht werden.

Unser offizieller Fordhändler nannte einen voraussichtlichen Betrag. Wir fuhren nach Hause. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, fluchte. Ich weinte. Nun rostet das Viech auch von innen. Salzwasser. Schwierig.

Um eventuell den einen oder anderen Taler zu sparen, lernte ich den Freund eines Onkels kennen. Das klingt immer ein wenig nach Orient, wenn man vom Freund eines Onkels spricht. Der Freund eines Onkels veschafft dem halbstarken Sohnemann vielleicht einen Job beim dortigen Teppichhändler, um mal ein weiteres Klischee zu bemühen. Oder unterrichtet ihn in der Kunst des Ziegenzüchtens. Ehrbare Berufe. Und doch ist es hier ganz anders. Der Freund eines Onkels ist ein Freund des Onkels der Frau, die in unserer Wohnung lebt. Nennen wir ihn Hugobert. Hugobert besitzt automobilen Sachverstand und bot uns an, einen Blick unter den Wagen zu werfen, um die Gerüchte im besten Fall zu wiederlegen oder immerhin eine abwärtsgerichtete Preiskorrektur in Aussicht zu stellen.

Also trafen wir uns und fuhren zu einer Mietwerkstatt, die um 9 Uhr öffnete. Um viertel nach neun kamen zwei Herren mittleren Alters angeschlurft und öffnenten das Rolltor. Hugobert manövrierte das Viech auf die Hebebühne, testete diverse Funktionen.

„Die elektrischen Fensterheber tun es auch nicht mehr.“

gab ich zu Bedenken und erntete einen nüchternen Blick. Denn das Viech ist mit Fensterkurbeln ausgestattet. Für den Rest der Untersuchung kauerte ich mich in eine Ecke mit öligen Handtüchern, auch um den schlechten und misslungenen Witz besser verarbeiten zu können. Das Ergebnis: Es hat sich an der Ausgangssituation kaum etwas geändert, wenn man mal davon absieht, dass nun noch neue Bremsflüssigkeit fällig wird, die man bei der Inspektion vor zwei Monaten wohl irgendwie vergaß zu wechseln.

Immerhin keine neuen Überraschungen. Ob das Viech von uns noch eine TÜV-Plakette erhalten wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall haben wir wieder eine Karre innerhalb von zwei Jahren gehimmelt. Allerdings auch nur, weil man alle zwei Jahre überhaupt darauf aufmerksam gemacht wird, dass etwas im Argen liegt. Gäbe es den TÜV nicht, wir würden das Viech fahren, bis es auseinanderfällt. Aber nein, alle zwei Jahre muss der TÜV seine Hände über dem Kopf zusammenschlagen und seine Machtposition ausnutzen. Aus großer Macht folgt große Verantwortung. Denk mal drüber nach, TÜV. #dankemerkel

Aus ähnlichen Gründen sollte man nicht zum Arzt gehen. Der findet etwas. Immer. Er würde es nicht finden, würde man ihn nicht aufsuchen.

Nun sitze ich hier im Auto auf dem Aldiparkplatz. Ich suchte den dazugehörigen Aldi auf und tätigte den fälligen Hamsterkauf. Kaum ein Mensch war dort, was mich angesichts der aktuellen Hysterie über die Empfehlung der Bundesregierung, auf Vorrat zu kaufen, zunächst verwunderte. Das ist übrigens keine aktuelle Empfehlung. Die besteht in ähnlicher Form schon seit den 1960ern, was nur nicht jeder weiß, weshalb besonders bei Facebook die Emotionen derzeit hochschlagen, weil manch einer einen Krieg befürchtet. Warum sonst sollte die Bundeswehr im November Übungen vornehmen und die Regierung jetzt „plötzlich“ das Bunkern von Nahrungsmitteln empfehlen? So die kausale Verknüpfung in den sozialen Medien.

Dass nun niemand bei Aldi war, könnte mit der allgemeinen geistigen Trägheit von vielen Menschen zu erklären sein. Möglicherweise stehen viele bei Fressnapf oder Megazoo Schlange und hoffen, einen der letzten Hamster zu ergattern. Missverständnisse können also sehr lustig sein.

Ich werde nun nach Hause fahren. Heute morgen wurden wir wieder einmal von laut knatternden Gartengeräten geweckt. Wir haben noch nie wirklich beobachten können, was da genau gestutzt wird. Wie viel Gepflänz kann innerhalb einer Woche schon nachgewachsen sein? Nun weiß ich es. Denn als ich das Haus verließ, sah ich die Hausmeisterfirma bzw. drei ihrer Abgesandten. Zwei saßen im Kofferraum ihres Transporters und rauchten. Ihre Geräte waren ungenutzt an den Wagen gelehnt. Ein Hausmeister arbeitete. Er mähte die Pflastersteine. Erst beim genaueren Hinsehen erkannte ich die wichtige Aufgabe. Mit einem Rasenkantenschneider bearbeitete er Fuge für Fuge zwischen den einzelnen Pflastersteinen, um sie vom Moos zu befreien.

Mal sehen, wie weit er mittlerweile gekommen ist. Ich werde nun die Einkäufe nach Hause bringen. Vielleicht lese ich vorher noch einen Text, in dem es wohl um Herrenhandtaschen und deren Auswirkungen auf Oralverkehr geht.

Verrückt. Im Auto auf dem Parkplatz neben mir sitzt eine Frau mit Herrenhandtasche.


Hat jemand vielleicht einen Auspuff mit Kat zur Hand? Oder eine Achsmanschette? Oder einen Türschweller? Falls ja, bitte sendet mir ein Foto davon bei Facebook oder per Mail. Damit wäre mir extrem geholfen. Ich habe einen 3D-Drucker.

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