Der Nikolaus bringt hässliche Kürbisse I

Es ist immer gut, wenn man am Tag vor Nikolaus einkaufen geht. Eigentlich ist das nicht gut, weil sich das alle denken. Also dass es gut wäre, am Tag vor Nikolaus einkaufen zu gehen. Die allermeisten denken sich dann wohl beim Einkaufen ebenfalls, dass es nicht so gut war, am Tag vor Nikolaus einkaufen zu gehen und sind mies gelaunt. Hätten die sich mal vorher überlegen müssen, die Idioten. Nun bin ich ebenfalls so ein Idiot, aber ich hätte den ersten Satz dieses Artikels nicht geschrieben, wenn er nicht in irgendeiner Form Sinn machen und ergeben würde und der Wahrheit entspräche.

Vielleicht doch, aber dann liefe ich Gefahr, dass jemand diese Lüge entlarvt. Ich bin darin – im Lügen – extrem schlecht, weil ich dann häufig mein Sarkasmus-Gesicht auflege, das man bei Schriftverkehr zwar nicht sehen, aber spüren kann. Das hat schon ein paar mal dazu geführt, dass ich ungewollt meine Geschenkideen demjenigen verraten habe, der sich eigentlich erst viel später daran erfreuen sollte. Darüber könnte ich mal schreiben. Aber nicht jetzt. Ich lege einen neuen Entwurf an. Es ist Nummer 35.

Zurück zu den Freuden des Einkaufs am Tag vor Nikolaus, die sich übrigens mit denen eines Einkaufs kurz vor Ostern decken. Seit der Osterhase unzuverlässig geworden ist und nicht mehr kommt, muss man selbst aktiv werden. Was wohl aus ihm geworden ist? Wie dem auch sei.

Zunächst einmal erfreut man sich im fortgeschrittenen Dezember des Umstandes, dass Adventskalender recht günstig zu erstehen sind. Die Sache wird noch erfreulicher, wenn man am folgenden Morgen aufsteht und mit diebischer Freude feststellt, dass man nun sechs Türchen öffnen darf, denn die vergangenen Tage müssen nachgeholt werden. Es sei denn, jemand hat diese im Laden schon geöffnet. Das würde dann auch den vergünstigten Kaufpreis erklären. In unserem Fall waren aber noch alle Türchen vorschriftsgemäß verschlossen.

Viel wichtiger ist allerdings bei derartigen Einkaufstouren, dass man in Echtzeit noch Ideen für passende Nikolausgeschenke erhält. Natürlich sind schon in den Wochen zuvor immer mal wieder irgendwelche Dinge zu Protokoll gegeben worden, die ich dann in einem unbemerkten Moment aufgeschrieben habe. Allerdings – und das ist eine ganz besondere Qualität von mir – verdränge ich solche Listen gern einmal. Diese Strategie ist einen Tag vor Nikolaus, zumal dort, wo man das Objekt der Begierde kaufen kann, nicht durchziehbar. Insbesondere die größeren Geschäfte sind eine sprudelnde Quelle unverhoffter Inspiration.

Wohl wissend, dass am Folgetag ein Mann gefeiert wird, den man heute wohl zwangseinweisen würde, mussten wir gleich zwei Einkaufswagen oder -wägen von ihren Ketten befreien. Da wir aber erst allgemeine Einkäufe erledigen mussten, blieben wir vorerst zusammen. Das zog selbstverständlich in der ersten Hälfte unserer Einkaufstour den Zorn einiger Mitmenschen auf sich. Genau genommen zogen wir den Zorn auf uns. Denn damit keinem von uns der Wagen geklaut wird, haben wir uns zu zweit im Laden vorgearbeitet, die Einkaufswagen/-wägen im Schlepptau. Da wurde es schonmal eng in den Gassen der Obstauslage. Hätte uns jemand angemault, dann wäre unsere Entschuldigung zwangsneurotisches Verhalten gewesen. Von welchem wir nicht geplagt werden, aber Neurosen werden eigenartigerweise oft akzeptiert, weil sie ohnehin nicht schlüssig sind und damit unerklärbar.

„Ich esse nur die Seite vom Brot, die nicht mit etwas beschmiert ist.“

„Also nur eine Hälfte?“

„Nein, die Unterseite.“

„Aber dann macht und ergibt es doch keinen Sinn, dass du überhaupt was draufschmierst. Iss es doch trocken.“

„So ein Quatsch! Das schmeckt doch gar nicht.“ 

Wir wurden allerdings nur mit grimmigen Blicken bedacht, während wir im Schneckentempo mit zwei noch völlig leeren Einkaufswagen/-wägen durch den Markt schlichen (die Frau genest noch). Dabei konnte es natürlich vorkommen, dass die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ein Objekt erspähte, das sie in ihrem Besitz wissen möchte.

Nun muss man wissen, dass ich ein Meister der Illusion bin. Ich signalisiere Desinteresse bzw. verweise darauf, dass eine Sache doch viel zu teuer ist, um sie zu kaufen. Aber in Wahrheit bin voll auf Peilung. Und als wir am Obststand vorbeischlendern, weist mich die Frau, die in unserer Wohnung lebt, darauf hin, dass sie irgendwann mal eine Papaya probieren möchte.
Ich schalte blitzschnell und verfalle in den Illusions-Modus.

„Meinst du diese hässlichen Kürbisse da?“

„Das sind Papayas.“

„Aha.“

„Die beschleunigen den Heilungsprozess.“

„Die sind bestimmt voller Chemie. Außerdem, dafür, dass du wahrscheinlich eh nur ein paar mal damit spielst, sind die viel zu teuer. Und dann liegen die in der Ecke rum.“

Damit sollte sie mit der Papaya abgeschlossen haben. Ganz im Gegensatz zu mir.

Hier geht’s zum zweiten Teil!

 

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7 Kommentare

  1. heisst der Plural des Wagens nicht: Wagens? und, gibt es auch statt der Papayas: Mamayas? ich liefere die Antwort gleich mit: ja, gibt es; hier:
    What is Mamaya

    The Mamaya Festival is an African festival that acknowledges and celebrates the unity of all people.
    also nackend vor dem Spiegel tanzen und laut rufen: Hey, das ist Mamaya!!! dann erschreckst Du nicht nur die Frau, die mit in Deiner Wohnung wohnt, sondern vielleicht kommst Du dann auch in eine Zeitung mit 4 Buchstaben – auf die erste Seite 😉

    2011 will mark the 6th celebration of the traditional Mamaya Festival to be held in Toronto. We have established the festival within the local downtown Toronto community during this time and are poised to launch the festival to audiences and participants across the GTA.

    Gefällt 1 Person

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