7 Gründe, sich schnellstmöglich von mir zu trennen II

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Beziehungen werden oft bloß von weiblicher Seite aus beschrieben und kritisiert. Sehr zur Freude diverser Zeitschriftenverleger, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Damenwelt mit allerlei sinnvollen und überwiegend -losen Beziehungsratschlägen zu versorgen. Man denke an x-beliebige Zeitschriftencover, die nach dem altbekannten Schema titeln.

„Würstchen und Strapse: So kriegen Sie ihn weg von seinem Computer!“

oder

„20 Gründe, warum er für die heimliche Kündigung seines Sky-Abos dankbar sein wird“

Ohne ein solches zu besitzen, könnte ich mir vorstellen, dass alles, was heimlich geschieht und das Entfernen von Dingen betrifft, die dem Mann Freude bereiten, dem guten Beziehungsklima eher weniger zuträglich ist. Ich bin mir fast sicher, dass das auch gar nicht die Absicht solcher Blätter ist. Denn angenommen, die zahlreichen Beziehungstipps trügen Früchte, entzöge sich die Brigitte höchstselbst die eigene Leserschaft.

Auf der anderen Seite der Front befindet sich beispielsweise die FHM. Korrekterweise muss man sagen, dass sich dort die FHM befand. Denn eine intensive Recherche der Dampfbloque Entertainment Group förderte die Neuigkeit zutage, dass im Jahre 2012 die letzte Ausgabe veröffentlicht wurde. Das ändert nichts daran, dass Männerzeitschriften oftmals das andere Extrem des Spektrums darstellen.

Gut. Wie bekomme ich die Kurve zum Thema? Vielleicht so:

3. Ich bin anstrengend

3.1 …weil ich um zu viele Ecken denke

…oder zu wenige. Man weiß es nicht. Beziehungen können auch von Männerseite reflektiert werden. Weil mir absolut nicht daran gelegen ist, jemanden dafür zu kritisieren, wie er ist, mache ich das mit mir und dem, was ich tue. Und wie man an endlosen Prologen und Themenwechseln unschwer erkennen kann, neige ich zu umfassenden Denktiraden. Das äußert sich zum Beispiel dadurch, dass die Frau, die in unserer Wohnung lebt, hungrig ist und einen Apfel wünscht. Einen Apfel! Niemand, der hungrig ist, sättigt sich mit einem Apfel. Weil ich den Apfel lediglich als notwendiges Werkzeug des Apfelbaums betrachte, sich fortzupflanzen, weigere ich mich, ihn als vollwertige Mahlzeit zu akzeptieren. Das überlasse ich lieber einem Kaninchen oder so und koche lieber ein Festmahl.

Anschließend muss ich nachvollziehbar erklären, warum ich der Meinung war, Schweinemedaillons in Rotweinsauce mit Kartoffeln kochen zu müssen, obwohl doch ausdrücklich ein Apfel verlangt wurde.

Neulich erst sorgte meine Mitgliedschaft in diversen Facebookgruppen für Stirnrunzeln bei der Frau, die in unserer Wohnung lebt. Es handelte sich um den Versuch, die Reichweite meiner Beiträge zu erhöhen, weshalb ich einfach mal entschloss, in die Vollen zu gehen. Ich suchte mir also vier bis fünf Gruppen mit mehreren tausend Mitgliedern, die sich mit der Thematik – wie drückt man das vorsichtig aus? – des Poppens beschäftigten. FSK18 und Dating, um es salonfähig auszudrücken. Mir lag und liegt es absolut fern, mit irgendwelchen Menschen in diesen Gruppen Kontakt aufzunehmen, auch wenn ich eine mir bekannte Person aus dem echten Leben in einer Gruppe entdeckt habe. Befreundete Personen werden einem ja direkt als erstes angezeigt.

In diesen Gruppen habe ich dann die Artikel zur Beziehungs-, Gender- und den einen zur Potenzthematik veröffentlicht. Der Gedanke dahinter war folgender:

Menschen, die gewisse Vorlieben haben, haben eventuell auch Interesse an Artikeln, die von schlaffen Nudeln, Trennungsgründen oder Frauen mit Männergrippe  handeln. Denn jeder Mensch ist ein potenz(haha!)ieller Leser. Viele Personen in diesen Gruppen wollen auch mal schmunzeln und/oder erkennen sich in den Artikeln wieder, weshalb sie die Artikel teilen.

Mein Gedanke war grundlegend falsch. Entweder sind Menschen in diesen Gruppen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um Beiträge zu lesen, die länger sind als der Computer- bzw- Laptopbildschirm hoch (scrollen fällt flach, weil die rechte Hand mit anderen Dingen beschäftigt ist) oder sie wollen nicht lesen oder sie interessieren sich einfach nicht dafür.

Dieses Ergebnis hätte mir die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ebenfalls prognostiziert, hätte sie vorher davon gewusst. Stattdessen aber war ich felsenfest davon überzeugt, dass es funktionieren kann und sie ob der eindeutigen Gruppen, denen ich beigetreten war, etwas verstört. Hier zeigt sich, dass ich gelegentlich auch um zu wenige Ecken denke. Ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass sie irgendetwas daran komisch finden könnte. Vor allem aber wies sie mich darauf hin, dass einem selbst die geschlossenen Gruppen gelegentlich als „empfohlende Gruppen“ am Rand angezeigt werden (mit dem Vermerk, wer sich noch in diesen Gruppen befindet). Mit diesem Wissen im Hinterkopf beschleicht mich nun das Gefühl, dass meine Freundesliste bei Facebook in der vergangenen Woche etwas geschrumpft ist. Ich kann es aber nicht mit Zahlen belegen.
Bewiesen ist allerdings, dass ich dazu neige, viel zu kompliziert zu denken. Moderatere Gruppen für den Feldversuch hätten es nämlich auch getan. Unter anderem dieses Denken um fünf Ecken führt zu folgender Feststellung:

3.2 Ich bin anstrengend, weil ich anstrengend bin

Nein, ich bin generell kein schwieriger Mensch. Ich bin äußerst ruhig und halte mir zugute, dass ich weder impulsiv bin noch zu Affekthandlungen neige, wenn man vom Einkaufen mal absieht. Das ist allerdings der Hunger schuld, mit dem man nicht einkaufen gehen sollte. Und so stehen wir gelegentlich im Supermarkt und ich muss die Frau, die in unserer Wohnung lebt, von der Notwendigkeit des Einkaufs von 2 kg Brot überzeugen.

Auch wenn ich sehr viel Wert auf die Fähigkeit lege, eigenes Handeln zu reflektieren, bin also auch ich gelegentlich verbissen und lasse mir in eine Sache nicht reinreden. Die längst überfällige Rasur unserer Haustiere ist so eine Sache, die ich seit mehreren Jahren in regelmäßigen Abständen zur Sprache bringe. Man stelle sich ein Meerschweinchen mit vollständig enthaartem Kopf vor. Da bleibt im Grunde nicht mehr viel übrig. Oder die Katze mit der mönchstypischen Tonsur. Und weil steter Tropfen den Stein höhlt, bleibe ich hartnäckig. Sie auch. Noch!
Direkt in dem Zusammenhang und weil ich es im ersten Teil kurz andeutete: Sehr zum Leidwesen der Frau, die in unserer Wohnung lebt, wimmelt es in meinem Gesicht vor Haaren, die sich langsam zu einem halbwegs geschlossenen Kurzhaar-Teppich formieren. In der Zeit, als die Frau, die in unserer Wohnung lebt, im Krankenhaus Urlaub machte, hatte ich gewissermaßen einen Freifahrtschein bezüglich der Gesichtsbehaarung. Sie müsse es ja nicht sehen. Jetzt muss sie.

Was tatsächlich sehr anstrengend ist und womit ich mir gelegentlich selbst stark auf die Nerven gehe, sind Wortspiele, Kommentare oder das Mitpfeifen von Melodien. Damit treibe ich die Frau, die in unserer Wohnung lebt, in den Wahnsinn. Ich bin Helge Schneider dankbar dafür, dass er mir einen Großteil kreativer Arbeit abnahm und einst das Präfix „po-“ erfand. In einem seiner Lieder bewies er ein äußerst scharfsinniges Gespür für Sprache und optimierte so langweilige Worte wie richtig oder lernen zu popichtig oder popernen. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, freut sich über meine Fähigkeit, diese Worttransformation in Perfektion zu beherrschen. Lachen erfüllt diese Wohnung. Beispiel:

„Kannst du mir einen Tee machen?“

„Fenchel Popenchel?“

„Ja, Fenchel.“

„Oder Ingwer Popingwer?“

„Vielleicht auch Ingwer…haben wir noch welchen?“

„Ich schaue po…“

„Mann! Jetzt hör doch mal auf!“

„…“

„…“

„Aufhören…popaufhören.“

Das Pfeifen hingegen stößt generell auf Ablehnung. Vielleicht schmerzt es ihr in den Ohren, was den Verdacht nährt, dass sie das Gehör eines Meerschweinchens besitzt. Die hören bekanntermaßen sehr gut, weshalb das als Kompliment zu betrachten ist. Jetzt wird die Sache allerdings etwas paradox, weil Meerschweinchen ihrerseits Pfeifen bzw. Quieken, womit sie sich pausenlos selbstgeißeln würden, sobald sie Töne von sich geben. So weit ist es bei der Frau, die in unserer Wohnung lebt, noch nicht. Jedenfalls wird Pfeifen hier nicht gern gehört und wird oft mit den Worten

„Männern, die pfeifen, und Hähnen, die kräh’n,
soll man beizeiten die Hälse umdreh’n.“

quittiert. Der Einwand von mir, dass es sich im Reim eigentlich um Mädchen handeln müsste und nicht um Männer, wird von ihr wohlwollend ignoriert. Ich sehe mich trotzdem als Gewinner dieses Kampfes. Denn ich habe sehr häufig Recht.

Auch das kann sehr anstrengend sein.

4. Ich bin nie krank

Wir blenden einfach mal aus, dass ich in den vergangenen Tagen kaum einen vernünftigen Gedanken fassen konnte, weil ich mir eine Erkältung eingefangen habe. Das müssen wir allein schon deshalb, weil ich sonst nicht Recht behalten würde mit der Aussage, dass ich nie krank bin. Es ist die knallharte Ironie des Schicksals, dass ich, der wirklich seltenst irgendetwas hat, kurz nach Veröffentlichung des Männergrippe-Artikels von eben jener heimgesucht werde. Weil mir das aber überhaupt nicht in die Argumentation passt, müssen wir das ignorieren.

Frauen belächeln den kränkelnden Mann, weil er ja keine Ahnung davon hat, was Geburtsschmerz bedeutet. Nun muss man Männern fairerweise die Tatsache zugutehalten, dass sie einfach keine Kinder kriegen können. Der Ausgang ist schlicht und ergreifend denkbar klein. Dann sollte man ihnen auch nicht vorwerfen, dass sie den damit verbundenen Schmerz nicht als Referenz für ihre unübersehbaren Leiden während einer Erkältung zurate ziehen können.

Dieser Zustand ist mir gänzlich unbekannt.

Nun könnte man behaupten, dass ein Mann, der nie krank ist, ein Segen sei, weil Männer im Krankheitsfall gemeinhin als Memmen bezeichnet werden. In meinem Fall ist es hingegen eher ein Fluch. Auch wenn ich aktuell nachempfinden kann, wie sich jemand mit einer Erkältung fühlen muss, so fehlt mir im Gesundheitszustand jegliche Empathie und ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll. Also schütte ich denjenigen mit Tee zu. Tee ist flüssige Gesundheit. Nicht für mich. Für alle anderen. Wenn ich Tee kochen kann, dann bin ich froh, dass ich überhaupt etwas machen kann und darüber hinaus dankbar dafür, dass mir jemand den wertvollen Auftrag gibt, etwas zu tun. Sachen zu bringen liegt mir. Ich scheiße den Kränkelnden oder die Kränkelnde mit Naturalien zu, weil ich einfach nicht weiß, was eine Erkältung darüber hinaus an Aufmerksamkeiten erfordert.

Deshalb bin ich so großer Fan von Knochenbrüchen oder Bänderrissen. Man tut etwas und eine Sache am Körper geht kaputt. Der konsultierte Arzt stellt fest:

„Also ich erkenne da nichts.“

„Ich bin privat versichert.“

„Ja, da ist was kaputt. Machen wir heile.“

Und dann macht der einige Dinge, die einen Effekt haben – nicht zwangsläufig einen Heilungseffekt, aber immerhin – und nach sechs Wochen ist der Bruch verheilt, der Muskelfaserriss verschwunden und der Bänderriss auch weg. Erkältungen verlaufen anders: Man spürt etwas, beginnt zu husten und nimmt Dinge zu sich, die dem Körper überhaupt erst signalisieren, dass er krank ist. Folglich fühlt man sich erkältet.

Aufgrund dieser Philosophie bin ich immer recht lange Verfechter der Strategie „Finger weg von Medikamenten! Der Körper macht das schon.“. Vielleicht liegt das auch an leicht sadistischen Zügen, die in mir schlummern. Erst wenn es unter der Bettdecke nur noch röchelt, gestatte ich Placebos. Sinupret beispielsweise. Oder nimm2.

Vielleicht bin ich diesbezüglich etwas zu gelassen.

Wäre das hier ein gesprochener Vortrag gewesen, könnte man mir nun die göttliche Gabe des Schaffens nahtloser Übergänge attestieren. Weil es sich aber um einen geschriebenen Text handelt und ich eigens für solche Momente ein Autorenteam beschäftige, war dieser Aufhänger für den Folgeteil von langer Hand geplant und ist somit wenig souverän.


5. Ich bin zu ruhig

Demnächst in 7 Gründe, sich schnellstmöglich von mir zu trennen III


Und voller Freude verweise ich auf Teil II und Teil III der Antwortbeiträge aus der Feder des Meistgelesenen.


Hier geht’s zum ersten Teil!Hier geht’s zum dritten Teil!

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