Das Geheimnis guten Urlaubs – Dort Urlaub machen, wo andere arbeiten

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Die Vorgeschichte:

Es sollte eine ruhige Woche werden, die mit allerlei Wanderei durch die Vulkaneifel gefüllt sein sollte. An einem Sonntag kamen wir an, an einem Mittwoch fuhr ich für einen Tag allein zurück nach Düsseldorf, am Abend desselben Tages fuhr ich wieder in die Eifel. Es sollten noch vier Tage reinster Terminlosigkeit folgen. Stattdessen fuhren wir wegen der Verkettung ungünstiger Umstände am Donnerstag gemeinsam wieder nach Düsseldorf zurück.

Man sagt Düsseldorf eine gewisse Hässlichkeit nach, die ich nicht ganz abstreiten kann. Manches liegt auf der Hand. Beispielsweise haben einige Stadtteile, was das elitäre Image der Stadt angeht, kein einziges Krümelchen vom Kuchen abbekommen. Das Maghrebviertel, das vor einiger Zeit medial und vollkommen überzogen im Fokus stand, ist einer dieser Stadtteile. Schön ist es dort nicht. Und auch entspricht das Stadtbild nicht dem, was man mit der Kö verzweifelt aufrechtzuerhalten versucht. Die goldenen Zeiten dürften hier wohl langsam vorbei sein. Auf der Königsallee zeugen nur noch vereinzelte Portiers an den Eingängen einiger Geschäfte von dem Glanz alter Tage.

Düsseldorf hat allerdings durchaus seine positiven Seiten. Der öffentliche Personennahverkehr ist deutlich besser als das, was ich aus meiner Heimatstand Duisburg gewohnt bin, in der sich mein Aktionsradius auf etwa ein Drittel des Stadtgebiets beschränkte. Das lag vor allem daran, dass für mich im Grunde nur eine Bahnlinie zur Verfügung stand: die U79 vom Süden der Stadt in die Innenstadt. Die linke Rheinseite war nicht zu erreichen, alles nördlich der Ruhr wollte man nicht erreichen. In Düsseldorf ist das anders, denn hier fährt immer irgendwo irgendwas.

Ein weiterer Vorteil Düsseldorfs ist die Tatsache, dass man nur eine halbe Stunde in eine Richtung aus der Stadt fahren muss und schon wird es landschaftlich schön. Im Westen ist der Niederrhein, im Osten beginnt irgendwann das Bergische Land, im Süden ist Köln und im Norden Duisburg. Was den Norden angeht, müsste man möglicherweise noch ein wenig weiter fahren.

img_2797_01Als wir erfuhren, dass wir die Eifel verlassen müssen, stellte sich kurz große Enttäuschung und großer Frust ein. Man neigt in solchen Situationen dazu, in die „war-ja-klar“-Haltung zu verfallen, was wir auch kurz taten. Dann aber – und das setzten wir schon auf der Rückfahrt in die Tat um – sagten wir uns, dass wir jetzt erst recht Urlaub machen. Und wenn nicht in der Eifel, dann eben zuhause. Auf der Rückfahrt besichtigten wir noch eine Höhle und entschieden uns anschließend dafür, jede Autobahn zu vermeiden. Das brachte uns eine stundenlange Irrfahrt über die Landstraßen Nordrhein-Westfalens. Als wir zuhause ankamen, war es dunkel.

Nachdem wir denjenigen aus unserer Wohnung beförderten, der eigentlich in der Zeit unserer Abwesenheit die Tiere versorgen sollte, trafen wir eine Reihe von Vorkehrungen. Als erstes öffneten wir die Wohnungstür, denn jemand klopfte mit den Worten an, ob er denn wenigstens noch seine Schuhe anziehen dürfe. Sie störten ohnehin die Optik des Flurs, weshalb wir sie ins Treppenhaus warfen und die Tür von innen abschlossen.

Wir teilten allen mit, dass wir zwar wieder zuhause, nicht aber verfügbar seien. Wir versteckten unsere Laptops, schnitten das Stromkabel des Fernsehers ab, stellten das Festnetztelefon auf lautlos und hängten eines meiner Hemden davor. Wir wollten kein Blinken sehen, das uns verrät, das jemand angerufen hatte. Denn wir würden zurückrufen wollen, wenn wir es sähen. Darüber informierten wir alle, die es wissen mussten, damit sich kein Anrufer wundern würde, der wüsste, das wir wieder zuhause sind. Anschließend beschlossen wir, die Küche als Wohnraum zu erschließen, indem wir unseren Wandküchenklapptisch freiräumten und die dazugehörigen Barhocker erstmals in ihrem Leben als Sitzgelegenheit nutzten.

Unser Urlaub sollte nicht zuende sein, nur weil wir wieder zuhause waren.

Und nun sitzen wir hier und recherchieren Möglichkeiten, der Stadt zu entfliehen. Eine Seite, die sich den Wandermöglichkeiten in NRW verschrieben hat, schlägt uns die Eifel als Ausflugsziel vor, was ich für eine grandiose Idee halte, von der Frau, die in unserer img_2247_01Wohnung lebt, mit dem Argument „Nein“ abgelehnt wird. Unsere Wahl fällt auf eine handvoll Wanderrouten, die ohne allzu lange Anfahrt erreichbar sind. Derer gibt es zwar relativ viele, aber wir beschränken uns auf solche, die uns nicht vor das Problem stellen, dass wir uns in Hamm oder Hagen wiederfinden. Zufrieden beenden wir die Recherchearbeit.

Dann klingelt es. Wir haben, weil wir eigentlich vorhatten, in den Eifel an einem Abend essen zu gehen, feinste Köstlichkeiten an essbaren Dingen bestellt, die uns nun angeliefert werden. Weil das Licht in der Küche an Gemütlichkeit kaum zu unterbieten ist und uns der Ofen aus der Eifel fehlt, überfrachten wir den Küchentisch mit Kerzen, die wir mit Streichhölzern anzünden. Das ist wichtig. Ein Feuerzeug kann in Bezug auf den Geruch nicht das leisten, was ein Streichholz durchaus vermag. Wir schütten uns Wein ein und essen.

Es ist Donnerstagabend. Am vergangenen Sonntag fuhren wir in die Eifel, am Mittwochabend kam die Nachricht, dass wir zurückfahren müssten, am kommenden Sonntag wollten wir eigentlich erst fahren. Die Traurigkeit darüber haben wir längst überwunden. Wir haben alles so vorbereitet, dass wir auch zuhause eine schöne Zeit würden verbringen können. Es ist zwar nicht so ruhig, aber wir sind deutlich entspannter als sonst. Im Wohnungsflur hören wir kleine Schritte. Jemand stößt die Küchentür einen Spalt weit auf. Es ist die Katze. Sie sieht verschlafen aus und schaut uns vorwurfsvoll an.

„Was ist denn das hier für ein Aufstand? Ich dachte, ihr kommt erst am Sonntag.“, raunzt sie uns an.

„Wir auch. Planänderung.“, antwortet die Frau, die in unserer Wohnung lebt.

„Na toll! Ich hatte mich auf ruhige Tage eingestellt. Wisst ihr, ich habe Urlaub!“

„Wir auch.“, entgegnen wir ihr unisono.

Wir auch. Jetzt erst recht.


Wer die vorherigen Berichte lesen möchte, ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Wer das nicht möchte, soll es trotzdem machen.


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