Kurz notiert – Dem Wahnsinn gefährlich nahe

wahnsinn

Regen. Dieser Winter ist ein besonders harter. Er begann gleich im Oktober nach diesem fürchterlichen Sommer, der nach Ansicht einiger Medien – überwiegend derjenigen, die es generell nicht so eng mit der Recherche sehen – kein richtiger war. Der Herbst blieb aus. Er wäre auch fürchterlich geworden. Wetter ist generell fürchterlich, was im übrigen gänzlich unabhängig von dessen Qualität ist. Ist es schlecht, dann ist es schlecht. Ist es gut, dann ist das auch schlecht. Warum? Weil Wetter immer schlecht ist.

Dem geneigten Leser dürfte in diesem Moment auffallen, dass alberne Hysterie in der Luft liegt. Ich hätte mit dieser Feststellung zwar rund 16 Monate früher gerechnet, aber ich fürchte, von meinen Anfangslesern sind nicht mehr viele geblieben oder sie lesen schweigend mit, um meinem geistigen Verfall nach Art eines Voyeurs zu folgen. Wie die Truman-Show.

„Ach, schau mal! Jetzt schreibt er über Enten, die in seiner Nachbarschaft wohnen und in Versicherungen arbeiten.“

„Das ist doch gar nichts! Letztes Jahr vor Weihnachten schrieb er einen Dreiteiler über ein Räuchermännchen, mit dem er sich dann unterhielt. Mit ihm und seinen Haustieren. Einen Dreiteiler! Kannst du dir das vorstellen?! Welcher gesunde Mensch tut sowas?“ 

Die viel entscheidendere Frage dürfte lauten: Welcher kranke Mensch tut sowas? Mir sind keine Meldungen von kranken Menschen bekannt, die über benachbarte Enten, die bei einer renommierten Versicherung angestellt sind (Herr Scheuren macht seine Arbeit verdammt gut!) oder von einem gesprächigen Räuchermännchen schreiben. Ich wäre der erste kranke Mensch, der das täte, was ein großer Zufall sein würde. Gerade ich? Kann nicht sein. Also bleibt es dabei. Ich bin gesund.

Und doch bleibt der fade Beigeschmack drohender geistiger Umnachtung, die allerdings droht, seit ich denken kann. Und das ist eine lange Zeit. Ich denke schon solange, wie ich denken kann. Und seit ich die Frau, die in unserer Wohnung lebt, kenne, häufen sich Wortwechsel oder schlicht Äußerungen, die gelegentlich ohne erkennbaren Kontext stattfinden, den jeweils anderen aber in den meisten Fällen verunsichert zurücklassen. Verunsichert über den Geisteszustand des Partners.

Vielleicht ist das der wesentliche Grundzug funktionierender Beziehungen. Immer an der Zurechnungsfähigkeit des Partners zu zweifeln, ihn dies aber nicht spüren zu lassen. Das erspart Diskussionen. Es finden sich zahlreiche Beispiele dafür. Viele schrieb ich im Laufe der Zeit in meinen digitalen Notizblock namens Samsung. Oder ich verarbeite sie direkt. Die Beispiele. Gerade eben erst esse ich die letzten Löffel meiner Suppe, und die Frau, die in unserer Wohnung lebt, sagt etwas hinter ihrem Laptop:

„Heute habe ich ein sehr großes und neuronenreiches Hirn.“

Ich höre und verstehe ihre Worte und antworte angemessen mit

„Ok.“

Ich hinterfrage nicht, woher sie das weiß. Derartige Dialoge sind zwar nicht normal aber genießen eine bedenkliche Akzeptanz innerhalb dieser vier Wände. In gewissen Konstellationen werden sie ebenfalls hingenommen. Vor seinem Arbeitgeber allerdings sollte man deraritge Wortwechsel vermeiden. Er würde sie vielleicht missverstehen. Vielleicht aber auch nicht…es käme auf ein Versuch an.

Ich schaue raus und erfreue mich an der Erkenntnis, dass der Regen auf jeden Fall liegenbleiben wird. Weiße Weihnachten für Arme.

Dieser Winter ist ein besonders harter.


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