UPDATE: „Kann er nicht!“…

…brülle ich öfter mal auf dem Spielfeld, wenn der Gegner versucht, sich in Schussposition zu begeben und ich weiß, dass der Spieler den Ball gerade auf dem falschen Fuß hat und nicht vernünftig draufhalten kann.
Kann er nicht!„, rufen die Gegenspieler, wenn ich den Ball in Strafraumnähe habe und ihn auf links habe. „Denkste!„, sage ich mir und ziehe mit links ab. Beweis erbracht. Es gibt Einwurf für den Gegner.

Und weil Sport im Grunde wie das echte Leben ist, sieht es auch in den heimischen Gefilden ähnlich aus:

In diesem Haushalt geschehen Dinge. Einige kann ich verstehen, andere wiederum nicht. Es scheint irgendwie so zu sein, dass ich manches einfach nicht beherrsche. Das ist für mich ein Umstand, der schwer zu akzeptieren ist. Wobei das auch nicht wirklich immer stimmt. Denn mit manchen Dingen könnte ich prima leben, aber die beeinflussen eine weitere Person, die mich dann wohl mit Bratpfannen verprügeln würde. Kochen kann ich übrigens gut.

Ich sitze gerade alleine zuhause auf dem Sofa und ich habe über das Schreiben des letzten Artikels vergessen, die mir aufgetragende Aufgabe zu erledigen. Ich möge doch bitte den Trockner mit den Dingen anwerfen, die sich in der (sich seit einer Stunde schon im Feierabend befindlichen) Waschmaschine befinden. Gut, jetzt ist eine Stunde nicht viel Zeit und mein Versäumnis wurde wegen Abwesenheit der Auftraggeberin nicht bemerkt und folglich nicht mit einer Strafe belegt und mittlerweile läuft der Trockner auch. Aber das Wie ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Bevor ich es vergesse: Eine Maschine anzuwerfen ist eine hochgradig uneindeutige Angelegenheit. Um der Frau, die in unserer Wohnung lebt, diese Tatsache zu beweisen, habe ich mal folgende Erklärung angefertigt:

Aber zurück zum Trockner. Ich weiß, was ein Trockner bei richtiger Bedienung zu vollbringen imstande ist. Ich weiß auch, dass man da etwas einstellen muss, damit der so richtig toll trocknet. Aber ich habe jedes mal erneut keine Ahnung, auf welche Stellung der Drehschalter befördert werden muss, damit es am Ende gut wird und die Klamotten nicht so aussehen, als müssten sie Kleinkindern passen. Es wäre zu einfach gewesen, Programme zur Verfügung zu stellen, die eindeutig beschriftet sind. Nein, da muss geraten und gehofft werden, damit die Wahl keine negativen Konsequenzen nach sich zieht! Denn was genau ist „pflegeleichte“ Wäsche? Wird „pflegeleichte“ Wäsche ganz rustikal mit Temperaturen jen20151107_152907seits der Schmerzgrenze getrocknet? Das würde Sinn ergeben, weil pflegeleicht bedeutet für mich „Kann man wenig mit falsch machen“. Die Beherrscherin dieser Teufelsmaschine hat mir allerdings schonmal erklärt, dass das wohl doch nicht so ist. Kann aber auch sein, dass ich das schon wieder verwechsle. Was ich mittlerweile aus eigener Erfahrung weiß, ist dass „schranktrocken“ in den meisten Fällen tatsächlich mit der in diesen Kulturkreisen üblichen Definition von „trocken“ übereinstimmt, wohingegen „bügeltrocken“ soviel wie „tonnenschwer, weil nass“ bedeutet. Völlig verwirrend ist übrigens auch die Unterscheidung von „schranktrocken“ und „extratrocken“. Mit dem Wissen, dass „pflegeleichte“ Wäsche mit „schranktrocken“ wirklich trocken wird, erschließt sich mir nicht so recht, weshalb „schranktrocken“ bei „Koch-/Buntwäsche“ nicht trocken werden sollte und man deshalb die ultimative „extratrocken“-Auswahlmöglichkeit benötigt.
Mit welcher Temperatur das Teil im Zeitprogramm arbeitet, kann auch niemand sagen. 60 Minuten sorgen nämlich allenfalls für klamme Wäsche, während „schranktrocken“ im „pflegeleicht“-Modus in der selben Zeit für trockene Mode sorgt.

Was ich übrigens auch nicht kann, ist Tanzen. Also ich kann es schon. Im Alter von obercoolen 15 Jahren bin ich mit Kumpels in eine Tanzschule gegangen und beherrsche bis heute den Cha-Cha-Cha und diverse andere Tänze in Perfektion, die ich häufiger in der Düsseldorfer Altstadt präsentiere; zumindest in Gedanken, denn ich gehe kaum noch in die Altstadt, seitdem sich dort nur noch Kinder mit Hemd und Papis Kreditkarte aufhalten bzw. Mädchen mit derart kurzem Beinkleid, dass man das Gefühl hat, die müssten gewickelt werden und haben sich schonmal untenrum frei gemacht. Das ist nicht meine Welt und eine gepflegte Kneipe, die auch Pils zu üblichen Preisen anbietet, ziehe ich da vor.
Wenn es dann doch mal alle Jubeljahre in einen angesagten Club geht, bin ich der, der sich dem Tanz verweigert. Unter Einfluss von alkoholischen Stimulanzen sieht das schon wieder etwas anders aus, aber die Bewegungsabläufe ähneln dann schon eher denen eines narkotisierten Vogelstrauß, der seine Sedation noch nicht ganz mitbekommen hat. Ich tanze echt scheiße. Das ist übrigens ein guter Grund, weshalb diese StudiVZ-Gruppe nicht Recht haben kann. Die hieß glaube ich „Männer tanzen so, wie sie vögeln“. Darüber kann man erstmal nachdenken.

Was mir ein unerklärbares Rätsel ist und woran ich gelegentlich echt vor Wut verzweifele/vor Verzweiflung erwüte/vor Verwütung erzweifele, ist das Vorlesen von Texten. Ich kann lesen und ich kann auch gut lesen, solange ich es nicht laut mache. Vielleicht rede ich zu schnell und möchte schon früher sagen, was mein Hirn noch gar nicht weiß, weil die Augen es noch nicht gelesen haben. Ich weiß es nicht. Aber es nervt. Ebenso wenig kann ich eigene Texte gründlich auf Fehler korrigieren. Wobei das sehr wahrscheinlich eine weit verbreitete Krankheit unter Schreiberlingen ist. Ich würde mich eigentlich nicht als Schreiberling bezeichnen, weil ich diesen ganzen Kram hier nur nebenbei und wenig geschäftsmäßig betreibe, aber Schreiberling klingt noch weniger professionell als Autor oder Schriftsteller oder Genie. Natürlich spielt mir der letzte Begriff schon gelegentlich in die Karten, aber ich bleibe bescheiden.
Wegen meiner Unfähigkeit, eigene Texte zu verbessern, muss die Frau, die in unserer Wohnung lebt, alle Texte korrekturlesen. Das ist für mich immer ein Akt der Grausamkeit. Ich habe jeden Satz aus meinem Kopf über meine Finger geboren (teilweise unter großen Schmerzen) und muss dann dabei zusehen, wie er unter Stirnrunzeln dem Rotstift unterworfen wird. Ich neige zu langen Satzkonstruktionen, die ich in einem Rutsch niederschreibe und die nur von wenigen Menschen verstanden werden, weil sie zu kompliziert sind. Keine Sau steht auf verschachtelte Sätze, wenn es sich um einen Text handelt, der auf Lesbarkeit ausgerichtet ist. In der Uni sieht das anders aus. Forschungsliteratur muss völlig verstrahlt formuliert sein, damit das Wissen nur denjenigen zuteil wird, die sich tatsächlich längere Zeit mit dem Text befassen. Das hat wohl auf meine Schreibe abgefärbt und so fliegen während des Korrekturvorgangs Sätze in hohem Bogen aus meinem Werk. Eine brutale Abtreibung geistiger Föten, die Großes hätten vollbringen können.
Immerhin merke ich bei diesen Gelegenheiten, ob meine Artikel funktionieren. In meinem Kopf ergibt alles Sinn und die Struktur hinter dem Text zieht sich wie ein genialer roter Faden durch das Werk. Außerhalb von meinem Kopf gestaltet sich das schon etwas anders. Dann wird das eine oder andere von der kompententen Dame infrage gestellt und anschließend umformuliert. Für meine Ohren klingt das dann nur immer sehr brutal. Aus „Das versteht man nicht so gut. Vielleicht solltest du das anders formulieren.“ macht mein Gehirn

„Was?! Das versteht keiner! Mach das anders!“

Hätte ich manchmal schon beim Schreiben bemerken müssen. Dürfte mir bei den Ambitionen, kurzweilige Texte zu schreiben, gar nicht passieren. Ich versuche zu erklären, warum ich diesen oder jenen Satz so geschrieben habe, wie ich es eben gemacht habe.

Sie: „Aber das wird so nicht deutlich.“

Ich: „Ich bin doch noch so klein und kann das halt nicht so gut.“

Sie: „Du machst das schon. Aber das ist noch zu verschwurbelt.“

Texte schreiben und selbst korrigieren. Kann er nicht. Beweis erbracht.

UPDATE:

Beim Korrekturlesen dieses Artikels wurde ich darauf hingewiesen, dass ich bei dem mir aufgetragenen Trockenvorgang das falsche Programm gewählt habe. Ich weiß nicht warum. Keiner weiß warum. Es hätte „Koch-/Buntwäsche“ + „schranktrocken“ sein müssen. War es nicht. Die Wäsche ist nun vollkommen verstört.

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6 Kommentare

  1. Da habe ich mich doch glatt an so einigen Stellen wiedergefunden, und dies auch durch lautes Lachen zum Ausdruck gebracht.
    Das mit dem Wäschetrockner und dem Tanzen kann ich zu 100% unterschreiben, und zu Ersterem könnte ich auch einen eigenen Beitrag schreiben … mal sehen.

    Gefällt 2 Personen

  2. Was ein Wäschetrockner, bzw. die Handhabung und Bedienung desselben, doch so viele Fragen auf- und so viel Text abwirft ist geradezu unglaublich 🙂 Aber sehr unterhaltsam allemal, leistet doch dieser praktische Helfer seit Jahrzehnten bei mir gute Arbeit (der erste hat übrigens 20 Jahre gehalten) und ich habe mir noch NIE solche Gedanken über ihn gemacht. Fast plagt mich ein schlechtes Gewissen, hat mir dieses Gerät doch viel Arbeit abgenommen. Vielleicht bin ich ja u.a. auch deshalb bei WordPress gelandet, um endlich Dinge zu verstehen und von anderen verklickert zu bekommen, die ich bisher einfach nur benutzt habe – natürlich nach Lesen der Bedienungsanleitung! LG ☼Sigrid☼

    Gefällt 1 Person

  3. Unser Gemeinschafts-Wäschetrockner funktioniert laut meinen Erfahrungen überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob das stimmt, da ich zuvor noch nie einem Trockner so nahe war. Deshalb muss ich meine Wäsche immer aufhängen. Was meine Texte anbelangt: Ich mache eigentlich in jedem Text mindestens einen Geschwindigkeitsfehler. Aber egal welchen Fehler: ich sehe sie erst in der veröffentlichten Ansicht…. :-/

    Gefällt 1 Person

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