Junggeselle auf Zeit III – Essen, Google und Katzenatem

Hier geht’s zum zweiten Teil!

(das Beitragsbild ist natürlich nicht echt)

Kontext

Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, lebt vorübergehend nicht in dieser Wohnung, sondern hat ein Zimmer eines Krankenhauses bezogen, um sich einen noch unbekannten Dämon austreiben zu lassen. Das bedeutet für mich, dass ich einige Tage allein zuhaus sein werde, was schon bei einem Kind namens „Kevin“ keine gute Idee war…ob es nicht vielleicht grundsätzlich bei Kevins keine gute Idee…lassen wir das. Nach einem etwas surrealen Traum und dessen Projektion auf die Wirklichkeit habe ich Probleme damit, eine gewisse Krankenschwester ernstzunehmen und sie nicht einer flugunfähigen Vogelart zuzuordnen.
Nach der Besuchszeit beginnt also eine Phase des tatsächlich in der Form noch nie dagewesenen Alleinseins.

Ein Nebeneffekt der häuslichen Einsamkeit ist die Tatsache, dass niemand da ist, mit dem man zusammen essen könnte. Wobei ich just in diesem Moment feststelle, dass das nicht wirklich stimmt. Aber Meerschweinchen und Kaninchen sind mutmaßlich anatomisch nicht darauf ausgerichtet, Fleischprodukte und anderes gekochtes Nahrungsgut zu verdauen. Da könnte es gut geschehen, dass die nach einem gepflegten Gelage mit Kokos-Chili-Wok nebst Hähnchenbrustfilet und Chinakohl unter lautem Getöse den Löffel abgeben. Kohl bläht bekanntlich. Da ich kein Interesse daran habe, der Frau, die vorübergehend nicht in unserer Wohnung lebt, die Sauerei im Wohnzimmer und das Fehlen von vier kleinen Fellknäuels zu erklären, stehe ich vor einem Problem:

Man kann für sich allein schlicht und ergreifend keine angemessene Menge Fraß zubereiten, ohne diesen am Folgetag erneut essen zu müssen.

Ich koche gern, aber da ich mich gerne selbst inszeniere und Zuspruch benötige, ist Gesellschaft ein notwendiges Kriterium, um tatsächlich gerne zu kochen. Das entsprach jetzt nur zur Hälfte der Wahrheit, denn Selbstinszenierung liegt mir – von diesem Blog mal abgesehen – reichlich fern. Es macht und ergibt aber nun wirklich keinen Sinn, für sich allein die Herdplatten anzufeuern. Unter ökonomischen Gesichtspunkten eventuell, aber ich verstehe wenig von BWL und Konsorten, weshalb ich mich des Internets bediente und zielstrebig einen Lieferdienst ansteuere, der in diese Wohnung nur noch sehr selten seine Produkte verfrachtet. Pizza ist nicht gleich Pizza und auch wenn ich die italienische Art durchaus zu schätzen weiß, spricht nichts gegen die amerikanische Art. Die Frau, die vorübergehend nicht in dieser Wohnung lebt, sieht das etwas anders. Daher der Seltenheitswert.
Nun ist sie aber nicht hier und abgesehen davon wurde mir von ihr sogar die explizite Erlaubnis erteilt, diesem Umstand auszunutzen. Also wird der erste Abend mit Köstlichkeiten aus dem Hause Smileys eingeleitet.

Anschließend wird es sehr langweilig. Einige feiern den Umstand einer sturmfreien Bude, aber ich finde mich zwischen Haustieren und einem Apfel-Amaretto sowie dem furchtbaren Fernsehprogramm wieder. Als dann irgendwann die Nachricht kommt, dass die Operation der momentan in diesem Haushalt fehlenden Person so früh angesetzt wurde, dass sie gegen viertel vor sieben morgens bereits abgeholt werden würde, gibt es endlich einen Grund, ins Bett zu gehen.

Das wäre ohnehin auch schon viel früher sinnvoll gewesen, weil ich mir zwischenzeitlich einige Symptome ergoogelt hatte. Somit weiß ich nun, dass ein juckender Daumen nicht nur auf juckende Haut – was mich enorm überraschte – oder Neurodermitis hindeuten kann. Nein, ein juckender Daumen scheint ein untrügliches Zeichen für das baldige Ableben zu sein. Denn neben Krebs und Räude scheinen auch andere Krankheiten ihre Symptomatik mit großer Vorliebe auf die am weitesten entfernten Körperregionen auszulagern. So juckt bei einer Niereninsuffizienz ebenso der Daumen wie bei der obstruktiven Gallenkrankheit. Ich weiß nicht, was das ist; abgesehen davon, dass die Galle krank zu sein scheint. Eindeutig aber scheint der Daumen ein recht zuverlässiger Indikator für sämtliche Gebrechen des menschen Körpers zu sein.
Mein Daumen juckt ebenfalls. Wenn ich morgen aufwache und mein linkes Bein ist einfach abgefallen, wisst ihr Bescheid. Vielleicht sollte ich mich morgen prophylaktisch ebenfalls operieren lassen.

„Herr Doktor, mein Daumen juckt.“

„Ja, ich sehe schon. Ihr linkes Bein hat am Ansatz bereits Risse.“ 

Mit diesen Horrorvorstellungen und dem Verdacht auf Aidskrebs – mein linkes oberes Augenlid zuckt manchmal – begebe ich mich also ins Bett und versuche zu schlafen. Die Katze hat eine ähnliche Idee, ist allerdings vom Fehlen der zweiten Person deutlich irritierter als ich es schon bin. Da ich nunmal keine Katze bin, deute ich ihr Verhalten folgendermaßen:
Wenn eine Katze merkt, dass eine für gewöhnlich sich wiederholende Situation nicht eingetreten ist, müssen alle Quadratzentimeter des Bettes unter lautem Geschnurre abgegangen werden, ob sich die fehlende Person nicht irgendwo in einer Falte befände.
Das Tier pennt immer auf der Hüfte der Frau, die vorübergehend nicht in unserer Wohnung lebt. Sowohl Frau als auch Hüfte. Meine Hüfte scheint wohl von minderer Qualität zu sein, denn sie wird gemieden. Irgendwann erklimmt die Katze meine Brust und beginnt, die Bettdecke abzulecken. Das kann sie jederzeit gerne machen, aber nicht direkt vor meinem Gesicht, denn aus der Tiefe des Katzenhalses steigt ein Duft auf, der abgelaufene Sardellen vielleicht betört, mich aber am Schlafen hindert. Ich zwinge die Katze dazu, sich hinzulegen. Sie tut es und verhält sich ruhig. Nach einigen Minuten gähnt sie kräftig in mein Gesicht und es weht mir schaler Höllenatem entgegen. Ich überlege ihr aus Rache auf den Kopf zu reihern, bin dann aber leider eingeschlafen.

Morgen muss ich Hausmann sein. Mir wurden Erledigungslisten hinterlassen.

Hier geht’s zum zweiten Teil!Hier geht’s zum vierten Teil!

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16 Kommentare

  1. … ts ts ts, nachdem jetzt hier seit kurzem regelmäßig mitlese, bin ich enttäuscht, das ist nicht Dein Niveau.

    „Man kann für sich allein schlicht und ergreifend keine angemessene Menge Fraß zubereiten, ohne diesen am Folgetag erneut essen zu müssen.“

    ist schlicht und ergreifend eine bescheuerte, unkreative und inhaltlich falsche Ausrede für Nichtalleinekochenwollen.

    Gefällt 1 Person

  2. Das sind die sogenannten Head’schen Zonen. Viszerosensible Reize werden dabei vom Hirn auf das entsprechende Pendant (bestimmte Hautregion) übertragen und erzeugen dort Reaktionen wie Schmerz etc.

    Dermatome sind eine recht spannende Angelegenheit und können schwerwiegende Erkrankungen innerer Organe und Bandscheibenproblematiken indizieren.

    Mach dir jetzt aber keine Sorgen wegen des juckenden Daumens. Das kann auch ganz unspektakuläre Ursachen haben. 😉

    Bei eurer Katze müssten sich wohl mal die Beißerchen angeschaut werden. Sollte euch (bzw. eurem Tierarzt) dort ein Felsmassiv à la Rocky Mountains entgegenragen, dann könntet ihr zumindest diese olfaktorische Beleidung für jede Riechsinneszelle abstellen.

    Gefällt 1 Person

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