Junggeselle auf Zeit IV – Hausmann werden ist nicht schwer…

Kontext:

Die Frau des Hauses weilt operiert im Krankenhaus und genest. Ich bin alleine und muss ein einsames Dasein fristen. Zum Glück gibt es Dinge zu erledigen.

Was wir im Beitragsbild erkennen können, ist die altmodische aber sehr effektive Methode, Karten zu mischen. Das war insbesondere als Kind immer hilfreich, wenn man noch nicht gelernt hatte, alle Karten in den Händen zu halten, um sie dort zu mischen. Von dieser Definition von „Kind“ ausgehend habe ich erst mit 20 aufgehört, ein Kind zu sein. Die Hände waren groß genug, aber ich habe einfach zu selten Karten gespielt.
Andererseits bedienten sich selbst prominente Herren auch im höheren Alter noch dieser Mischtechnik, weshalb auch nichts dagegen spricht, sie ebenfalls anzuwenden. Ein prominenter Herr war übrigens Loriot im Sketch „Skat“.

„Was machen Sie denn da?“

„Nur auf diese Weise werden die Karten wirklich gemischt. Damit man nicht immer die selben bekommt.“

Soviel dazu.

Bereits vor meiner Vereinsamung habe ich diverse Hinweise bezüglich des Umgangs mit Pflanzen erhalten. Mein Verhältnis zu den grünen Lebewesen ist ein etwas gestörtes, weil die dummen Dinger einfach nie sagen, wenn denen was fehlt oder – und das ist offenbar schlimmer – sie zuviel einer Sache haben. Diese Sache ist meistens Wasser. Ich hatte früher mal Pflanzen, als ich noch im Elternhaus gehaust habe. Es waren insgesamt zwei. Die eine hat es recht lange Zeit ausgehalten, ließ dann aber irgendwann die Fühler hängen. Blätter sagt man bei diesen Dingern, die nicht laufen können. Weil man als handelsüblicher Mensch davon ausgeht, dass trockene und verfärbte Blätter bei gleichzeitiger Erschlaffung wohl durstig sind und man ohnehin immer nur hört „Musst du aber auch gießen, ne?“, habe ich das einzig Richtige getan und dem armen Teil Wasser zufügt. Mit dieser Tat habe ich sie zugrunde gerichtet. Erst 12 Jahre später und unter der professionellen Lehre der Frau, die vorübergehend nicht in unserer Wohnung lebt, sollte ich den Grund für das Verrecken der Pflanze: zuviel Wasser ist auch nicht gut. Was verrückt ist, denn in der Natur müssen die den Regen ja auch so nehmen, wie er kommt.
Das ist beinahe so wie mit dem Wetter, weshalb ich gerne noch einmal einen weisen Satz zitiere, der von einem schlechten Gärtner ersonnen und verschriftlicht wurde:

„Wetter ist gut. Aber nur dann, wenn es woanders ist. Und falls es doch mal hier sein sollte, dann soll es bitte anders sein als im Moment und vor allem später.“
(Dampfbloque auf der UN-Klimakonferenz 2015)

Ersetzte man Wetter durch Wasser, wird auch für Pflanzen ein Schuh draus. Was man daraus für Schlüsse ziehen kann, ist mir unbegreiflich. Immerhin weiß es eine Person in diesem Haushalt.
Die aber gerade nicht hier ist. Um die unglückliche Geschichte meines Botanikerdaseins abzuschließen, sei noch erwähnt, dass ich die kaputte Pflanze vorerst behielt. Sie hätte sich schließlich noch berappeln können. Ich kaufte mir einen von der Verkäuferin als robust angepriesenen Farn, den ich neben das kaputte Grün stellte, damit er seinem Kollegen ein wenig Lebensmut einhauchen möge. Zwei Wochen später war auch der Farn Geschichte.

Damit das hier bloß nicht geschehen würde, habe ich eine kurze Liste mit Anmerkungen bekommen, zumal der Operierten mein leichtes Desinteresse an Pflanzen nicht entgangen ist. Mir muss man es also genau erklären.

Pflanzenanweisungen

Ein weiterer Punkt auf der Liste als Hausmann ist das Aufräumen. Eigentlich räume ich gern auf, wenn ich denn meinen Hintern mal hochbekomme und vor allem Stauräume zur Verfügung habe. Durch den Verlust unserers Kellers (der war auf einmal einfach weg!) muss sämtlicher Schrott, den man zwar irgendwann nochmal gebrauchen könnte, es aber faktisch im Moment nicht tut, in der Wohnung gelagert werden, die ohnehin mit zwei Zimmern alles andere als weitläufig ausfällt. Ein guter Tipp kam vor einigen Jahren von einem Freund, der mit seiner Freundin zusammenzog und sein Appartment in einem wildgewachsenen Zustand bevorzugte. Sie nicht. Die Frage von mir, wie er seine Bude denn schnell auf Vordermann bringen möchte, kam die Antwort: „Kabelbrand“. Sollte ich in Zeitnot geraten, wäre das eine Alternative, die zumindest als möglich erachtet werden könnte. Bis dahin spiele ich Wohnungs-Tetris mit Mozarts Requiem als Ohrwurm. Fragt mich nicht warum.

Die Abwesenheit einer Person wirkt sich eindeutig negativ auf alles um mich herum aus. Das Geschenk…das Geschenk…es ist nicht mehr zu verwenden. Dieser borstige Luxusartikel, der auf der Haut erst Todesqualen, anschließend ein Wohlgefühl auslöst, das seinesgleichen sucht, ist unsinnigerweise nicht für die Verwendung im Wasser geeignet. Dank fehlender Imprägnierschicht und trotz artgerechter Trocknungsposition ist das Ding aufgequollen, hat sich unangenehm verfärbt und muss umgetauscht werden.
Ich könnte die Bürste auch einfach an einem Band vor die Wohnungstür hängen. Ein wenig weihnachtliche Stimmung im Haus verbreiten. Wenn man sich Tannenzweige an den Eingang hängen darf, obwohl das ja nun wirklich relativ wenig mit der Weihnachtsgeschichte zu tun hat, dann gehen aufgequollene Badebürsten auch. Mal einen Trend setzen! Vor zehn Jahren hat schließlich hier auch noch kaum jemand Halloween gefeiert. Nächstes Jahr an Halloween stellen wir  einen Strauß Gurken vor die Tür.

Morgen kommt die Frau, die vorübergehend nicht in unserer Wohnung lebt, aus dem Krankenhaus. Das ist zumindest unsere Hoffnung. In Krankenhäusern wird man nicht gesund. Da wird man heile gemacht und bekommt zur Stärkung des Immunsystems noch ein paar Krankenhauskeime auf den Weg. Aber gesund wird man erst zuhause. Ein Grund mehr, endlich mit dem Schreiben aufzuhören und mal zu Potte zu kommen.
Ich muss mir heute auch noch was zu essen zubereiten. Das festliche Mahl sollte dann im abschließenden Teil dieser Serie als Beitragsbild dienen. Ich werde mich also ins Zeug legen.

 PS: Jetzt habe ich gerade – wie es mir aufgetragen wurde – eine Pflanze mit einer Sprühflasche gewässert. Als Dank hat sie mir zwei Blätter entgegengeschleudert. Mir schwant Böses…

Hier geht’s zum dritten Teil!Hier geht’s zum letzten Teil!

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5 Kommentare

  1. Tja, das mit den Pflanzen kenne ich. Wenn ich eine kaufen gehe, dann bitte ich um eine Pflanze „für Männer“. Und dass es Pflanzen gibt, die durch herabhängende Blätter nach Wasser schreien, um dann Flecken auf den Blättern zu bekommen, das erfahre ich grade.

    Gefällt 2 Personen

  2. Aber in der freien Wildbahn sind Pflanzen nicht in Töpfen eingesperrt und das zu viele Wasser versickert. Und anspruchsvolle Pflanzen suchen sich ein ihren Ansprüchen entsprechendes Plätzchen. Wenn man sie domestiziert, muss man dann dafür sorgen, dass die Ansprüche erfüllt werden. C’est la vie.

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