Die (Problemlösungs-)Strategien des anderen Geschlechts II – Shoppen

Ich hasse es, zu shoppen. Hassen ist ein starkes Wort. Man sollte es eigentlich nicht verwenden, weil ein Ausdruck kaum negativer sein kann. Also: Ich hasse es, zu shoppen. Das muss man allerdings ein wenig differenzieren, denn die erste halbe Stunde ist in Ordnung. Das ist die Zeit, in der ich für gewöhnlich alles bekomme, was ich benötige. Das weiß ich nämlich bevor ich shoppen gehe. Der Ausdruck shoppen geht mir auch gegen den Strich. Irgendwie klingen mir da Teenager in den Ohren, die sich gegenseitig „Los Mädels! Woohoooo! Shoppääääään!“ zuflöten. Ich mache soetwas nicht, was unterschiedliche Gründe haben kann:

Erstens haben Tests gezeigt, dass ich kein Teenager mehr bin und aus diesem Grund auch von dieser Bevölkerungsgruppe nicht akzeptiert werde; unter Umständen noch nicht mal registriert. Wie auch? Schauen ja alle auf ihre Displays.
Zweitens müsste ich mich nach dem Ausruf der obigen Formel sehr wahrscheinlich übergeben, weil meine Seele den Körper verlassen wollte. Als Strafe und aus Frust. Daher kommt übrigens die Formulierung „sich die Seele aus dem Leib kotzen“.
Drittens habe ich zwar durchaus weibliche Wesen in meinem Bekanntenkreis, aber die würden mich wohl verprügeln, wenn ich denen derartig daherschwafeln würden.
Und schließlich viertens besucht die Frau, die in unserer Wohnung lebt, ebenfalls äußerst ungern sogenannte Shopping Malls, weshalb ich auch ihr gegenüber vom Gebrauch des Satzes da oben absehen würde. Und verprügeln würde sie mich sowieso.

Leider, leider, leider müssen sowohl Mann als auch Frau gelegentlich den Gang ins Einkaufszentrum antreten.

[Liebe Kinder, „Einkaufszentrum“ ist ein sehr altes Wort aus der Zeit vor der übertriebenen Verwendung von Anglizismen. Damals trank man in einem „Café“ noch einen „Kaffee mit Milch und Zucker“ – vielleicht mit einem „Plätzchen“ – und es existierte noch die Wendung „wie dem auch sei“. Whatever.]

Das ist beispielsweise dann nötig, wenn ein Kleidungsstück für einen bestimmten Anlass benötigt wird. Bei mir waren es vor Kurzem Sackos, die mich nicht aussehen lassen wie einen schwarzen Kasten. Da ich alleine war, lautete die Marschroute:

C&A. Wenn C&A erfolglos: H&M. Falls H&M erfolglos: Das geringste Übel kaufen. Wird schon gut sein.

„Wird schon gut sein“ ist der Frau nicht gut genug.

Nun muss man fairerweise auch festhalten, dass sich Mode für Frauen durch die schier unendliche Addition diverser Accessoires und Modeartikel hervortut. Mir langt es eigentlich, eine Hose, ein T-Shirt und einen Pullover respektive Hemd anzuziehen. Vielleicht wird dieses Outfit durch das Hinzufügen eines Zylinders, Monokels und/oder seltenen Eule auf der Schulter aufgepeppt, aber die Grundzüge bleiben stets identisch: drei Kleidungsstücke, denen gar nichts anderes übrig bleibt, als aufeinander abgestimmt zu sein, weil Männer lediglich acht Farben unterscheiden. Das scheint wohl tatsächlich wissenschaftlich belegt worden zu sein.
Ich beispielsweise unterscheide rot, gelb, grün, orange, blau, lila, braun und rosa mit den Abstufungen „hell“ und „dunkel“. Andere Farben sind nicht relevant, weil sie (bis vor wenigen Jahren) die einzigen waren, die am Kleiderständer für Männer in hiesigen Modeläden zu sehen waren. Das erklärt vielleicht, warum man als Mann feinste Modifikationen der Haarfarbe seiner Partnerin nicht zwangsläufig wahrnimmt. Nein, es ist uns nicht egal, wir erkennen diese Farbe einfach nur nicht als eine andere als zuvor.

Diese Vielfalt an Möglichkeiten für die Ausstattung der Frau führt dazu, dass sie sich mit den bei H&M legalen fünf Kleidungsstücken in der Umkleidekabine verschanzt, während der Begleiter verzweifelt nach dem Bälleparadies sucht, es aber nicht findet. Er könnte es ohnehin nicht besuchen, denn wenn die Frau alle fünf Kleidungsstücke anprobiert hat, tauchen auch schon die ersten Probleme auch: das Top ist zu klein, die Hose farblich nicht passend, der Schal sowieso nicht, weil er nicht zur Hose passt und der Pulli riecht komisch.

„Vielleicht hat in der Fabrik ein Kind draufgereihert.“

„Das erklärt auch, warum es farblich nicht ganz stimmig ist.“

Ich merke an, dass die Sachen doch farblich gut harmonieren. Sie weist mich darauf hin, dass dieses Dunkelrot nicht mit jenem Dunkelrot zusammenpasse, weil dieses eher braunrot sei und jenes lilarot. Meine Farbtiefe beschränkt sich bekanntlich auf 3 Bit, weshalb ich entgegne, dass es doch trotzdem dunkelrot ist und es deshalb passe. In meinen Augen sehe es sehr stimmig aus.

„Aber du siehst doch, dass es nicht passt.“

„Eigentlich nicht.“

„Es passt nicht.“

„Ja, stimmt.“ 

Das dürfte für alle die beste Antwort sein.

Weil es vom Zeitaufwand gesehen sinnbefreit wäre, alle Klamotten wieder anzuziehen, erneut auf Streifzug zu gehen, um anschließend mit weiteren fünf Teilen in der Kabine zu verschwinden, gehe ich ziellos nach Alternativen suchen. Das ist gefährlich, weil Frauen gelegentlich nach Kleidungsstücken suchen, für die es kein männliches Pendant gibt. Trotzdem watschel ich los. Ich, der ich offensichtlich farbenblind bin, bekomme die wichtige Aufgabe, Kleidungsstücke mit einer bestimmten Zahl, Farbe, Art und Form zu entdecken. Nun sind Zahlen tückisch. Ich verstehe sie nicht und bringe solange unpassende Dinge zur Umkleidekabine, bis die Frau, die in unserer Wohnung lebt, von den vielen Erklärungen entkräftet aufgibt. Woher soll ich auch wissen, was eine Übergangsjacke ist? Oder taupe?

Ich bin es anschließend schuld, dass sie nichts zum Anziehen gefunden hat. ICH! Das denke ich zumindest und vermute, dass sie es auch denkt. Und sie hätte wohl Recht. Denn ich war es, der keine passende Größe finden konnte, weil da auch einfach zwei Kosmen miteinander kollidieren: Ich lebe mit der Garantie, dass S, M und L exakt das sind, was sie vorgeben zu sein. Mit Zahlen kann ich wenig anfangen und  weiß gerade eben noch meine ungefähre Schuhgröße, die je nach Hersteller variiert. Irgendwas zwischen M und XM.

Und weil ich mich schuldig fühle, kaufe ich ihr bei Real gegenüber ein Überraschungs-Ei. Es ist etwas drin. Sie ahnte schon, dass was drin sein würde. Das schmälert natürlich den Überraschungseffekt.

Zu meiner großen Freude – und wie oben schon erwähnt – ist auch die Frau, die in unserer Wohnung lebt, kein großer Freund des realen Shoppings. Deshalb setzen wir uns zuhause aufs Sofa und lassen uns für Unmengen an Geld Kleidungsstücke zuschicken. Wir werden nur wenige davon kaufen und den Rest zurückschicken, aber immerhin bleibt das einzig Unangenehme der Gang ins Erdgeschoss, weil der Paketbote es mal wieder nicht einsehen wird, eine Treppe aufwärts zu stampfen. Damit hätte ich meinen Beitrag geleistet. Und wenn etwas Passendes dabei sein sollte, wäre das Problem der Leere im Kleiderschrank gelöst.
Das ist nämlich ein Defizit der weiblichen Optik: Sie kann lediglich acht Kleidungsstücke im Kleiderschrank unterscheiden.

Hier geht’s zum ersten Teil!

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13 Kommentare

  1. Du sprichst mir lustig aus der Seele. Ich „hasse“ einkaufen und finde diese modernen shopping malls grauenhaft. Egal wo auf der Welt – die gleichen Geschäfte, die gleichen Gerüche und Farben und die gleichen hektischen, ferngesteuerten Gesichter. Und jetzt zur Weihnachtszeit werden zusätzlich auch noch die Ohren aller Einkaufswilligen vergewaltigt. In diesem Sinne wünsche ich dir frohes Onlineshopping 😉. LG von gartenkuss 🌸

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  2. Mein Mann shoppt liebend gerne und kann gar nicht verstehen, dass ich nicht typisch frau bin. Ich gehöre auch zu denen, die nach einer halben Stunde zumindest keine Lust mehr haben, oder sogar genervt sind. Selbst aus dem Schuhladen bin ich schnellstens wieder draußen, wenn es nicht auf den 1. Blick die (z. B.) Booties gibt, die ich mir gerade so als Ergänzung meiner Outfits vorgestellt habe. Da geh ich dann doch lieber frische gute Sachen für das nächste Abendessen kaufen.

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  3. Ein Mann, der immerhin das Wort „Taupe“ kennt! Ich musste neulich in der Arbeit einem erklären, was das ist. Zum Glück haben graphikdesignende Männer irgendeinen Gendeffekt, dass sie doch mehr Farben wahrnehmen können – nur wissen sie eben nicht alle Bezeichnungen dafür 😉

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  4. […] Ich fahre meinen leistungsstarken Rechner hoch und vertreibe mir die Zeit des Wartens mit der Fütterung der heimischen Haustiere. Sie bedanken sich, indem sie die frisch gefüllten Näpfe umwerfen und mich wüst beschimpfen. Ich verlasse das Wohnzimmer und hole mir einen Kaffee aus der Küche. Die neue Kaffeemaschine passt farblich haargenau zum Mülleimer. Eines Tages werden sich diese beiden bestimmt näher kennenlernen. Vermutlich exakt an dem Tag, an dem die Garantie der Maschine abläuft. Doch selbst im Zustand der Entsorgung würde die Kaffeemaschine farblich mit dem Mülleimer harmonieren. Vermutlich sind es vollkommen unterschiedliche Farbtöne, die absolut gar nicht miteinander harmonieren, aber Männer unterscheiden bekanntlich weniger Farben als Frauen. […]

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