Die neue Frisur – oder: Zeit für Veränderungen

veranderungen

Veränderungen sind etwas Gutes, so sagt man. Veränderungen führen zu einem neuen Lebensgefühl, sagt man. Da könnte was dran sein. In erster Linie – und das ist eine ganz persönliche Weisheit – zeitigen Veränderungen Veränderungen. Wer mir widersprechen möchte, kann dies gern in der Kommentarfunktion dieses mächtigen Kommunikationswerkzeugs „Blog“ tun. Ihr findet sie unten, weil sie oben keinen Sinn machen würde, da man erst lesen muss, was man später in einem Kommentar unter Verwendung derber Sprache zerreißt.

Zerreißen. Das Wort der Stunde! Da ich mich neuerdings auf einem vermutlich länger andauernden Trip der Seriösität befinde, ließ ich mir Angebote diverser Plattformen zukommen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Websiten zu beherbergen bzw. deren Inhalte auf ihren eigenen Servern zu speichern. Kurzum: Ich suchte außerhalb von WordPress nach einem geeigneten Auserwählten für eine gänzlich geschäftliche Präsenz. Die Angebote lassen sich in zwei Kategorien einordnen: mit Werbung und ohne Werbung. Ohne Werbung kostet Geld. So wichtig ist es mir dann doch nicht. Weil ich von den Möglichkeiten, die WordPress einfach nicht bietet, vollkommen überwältigt war, legte ich einen Account auf einer Seite an, deren Name israelischer Herkunft Grund genug gewesen wäre, bei der Erschließung des deutschen Marktes eine Namensänderung in Betracht zu ziehen. Wie dem auch sei. Unter http://manuelhoettges.wixsite.com/manuelhoettges findet ihr eine halbfertige und bald gelöschte Seite. Der Name der Hostingplattform gab den Ausschlag, was mich zerreißt, weil die Funktionen einfach hervorragend sind. Vom Fehlen responsiver Designs mal ganz abgesehen.

Also doch WordPress. Und wie ich so nach geeigneten Designs Ausschau halte, klicke ich in ein Feld und gebe einen Suchbegriff ein. Kurze Zeit später erhalte ich von Charlie eine Antwort. Charlie ist mein Ansprechpartner im Chatsupport, den ich versehentlich mit der Suchanfrage „onepage theme header responsive“ fütterte. Charlie war ein wenig irritiert, was ihn als Mensch aus Fleisch und Blut identifizierte. Bots sind ähnlich wie Marionetten selten irritiert. Pinocchio stellt da sicherlich einen Hybriden dar, der unterm Strich dann doch zu einem Wesen aus Fleisch und Blut wurde. Ein richtiger Junge! Auch Charlie ist ein richtiger Junge. Und wie es richtige Jungen so tun, vergaß er nach einer Weile, dass ich kein Geld für ein WordPress-Design ausgeben wollte und schlug mir zwei der Premium-Themes vor. Ich beschimpfte ihn wüst und beendete das Gespräch.

Anschließend testete ich neue Themes für den oder das Dampfbloque, klickte versehentlich auf „aktivieren“ anstatt „ausprobieren“ und löschte damit sämtlichen Firlefanz außer dem Grundgerüst. Mittlerweile sind die wichtigsten Widgets wieder da und ich nach kurzer mehrtägiger Rücksprache mit meinem befreundeten Onlineautor Thees Tósterón, der dasselbe Theme verwendet, zu der Erkenntnis gelangt, dass es gar nicht so schlecht ist.

Thees Tósterón: „Also es ist schon ein ganz gutes Theme, das wir da haben.“
 
Dampfbloque: „Stimmt schon. Das von Rabidur Pottweck ist mir beispielsweise zu dunkel und böse. Ich habe beim Lesen seiner Beiträge oft Angst.“

Seriöse Machenschaften verlangen nach seriösem Auftreten. Und maßloser Selbstdarstellung, die mir – das ist kein Scherz – fernliegt. Was bringt es mir und meinem Gegenüber, ein Bild zu entwerfen, dass ich in der Folge revidieren muss? Aber so läuft es wohl. Auch Thees hinterfragt diese Praxis, aber wenn es jeder macht, ist das eben der Maßstab. Widerstrebt mir dennoch.

Weil es allerdings ohnehin längst fällig war, besuchte ich meinen Barbier, dass er mir eine hübsche und vor allem seriös wirkende Frisur auf die Melone zaubere. Friseurbesuche sind generell heikel. Man kennt das eventuell von Frauen, die sich ohnehin nicht gern ans Haar gehen lassen, und nach dem Friseurbesuch den Tränen nahe garantieren, für die kommenden zwei bis drei Jahre nicht mehr aus dem Haus gehen zu können. In der Regel klappt es dann doch, woran die Reaktion der Mitmenschen eventuell erheblichen Anteil hat. Alles andere als „Das sieht aber gut aus!“ ist da kontraproduktiv und zeitigt Veränderungen. Veränderungen bezüglich des Beziehungsstatus oder der Unversehrtheit des Gesichts desjenigen, dem ein „Um Gottes Willen!“ entfuhr.

Nun ist es aber so, dass auch Männer eitel sein können. Etwas, was ich von mir bislang noch nicht wusste. Fadi, der mir bereits vor einigen Monaten ein Rasiermesser an den Hals setzte, fertigte mir eine seinem Empfinden nach gutaussehende Frisur an. Kürzer als gewohnt und ich begrüßte es. Wieder zuhause begrüßte mich die Frau, die in unserer Wohnung lebt.

Sie: „Was das für 1 Frisur?“

Ich: „Vong Länge her?“

Sie: „Das ist aber kurz.“

Ich: „Oje.“

Sie: „Also das ist überhaupt nicht schlimm, aber eben sehr kurz.“

Ich: „Oje.“

Sie: „Warum hat er das denn so kurz gemacht?“

Ich: „Er meinte, das sehe gut aus. Ich fand es eigentlich auch ganz gut. Etwas kürzer halt.“ 

Die Katze: „Also ich habe echt Hunger.“

Sie: „Ja, aber hinten ist es schon sehr kurz.“

Ich: „Oje!“

Es ist ein oft beobachtetes Phänomen, dass Ehrlichkeit, so intensiv man sie auch einfordert, nicht willkommen ist. Das hat zum einen damit zu tun, dass Ehrlichkeit oft mit Unverschämtheit verwechselt wird, was hier natürlich nicht der Fall ist. Die Frage „Sehe ich in diesem Kleid fett aus?“ sollte man der Braut niemals ehrlich beantworten, egal wie spack es sitzt. Es ist also gesellschaftlicher Brauch, eine unehrliche Antwort zu erwarten. Das war auch mein Fehler, denn ich war sehr wohl darüber im Klaren, dass die Haare kürzer als gewohnt sind.

Sie: „Er hätte doch sehen müssen, dass du durch die Sonne etwas Farbe bekommen hast und deine Kopfhaut nun recht hell durch die kurzen Haare zu erkennen ist.“

Ich: „Was?! Oje!“

Die Katze: „Also…wirklich Hunger!“

Sie: „Also das ist echt nicht schlimm. Übermorgen ist das bestimmt schon etwas besser. Man muss sich daran gewöhnen.“

Ich: „Aber ich hatte gehofft, dass du es gut findest.“

Sie: „Es ist halt einfach nur etwas kurz.“

Ich: „Verdammt!“

Die Katze: „Futter!“

Sie: „Das ist doch wirklich nicht schlimm.“

Ich: „Aber du findest es zu kurz. Die Reaktion war ja eindeutig…“

Sie: „Gewöhn ich mich dran. So kurz waren die eben noch nie.“

Ich: „…und jetzt findest du mich hässlich!“

Sie: „Was?!“

Ich: „Ja.“

Sie: „Wann habe ich das denn gesagt?“

Ich: „Nicht gesagt, aber gemeint.“

Sie: „Nein. Ich hab es ja schon gesagt. Es ist einfach nur etwas kürzer als gewohnt…“

Ich: „Die Katze hat es auch so verstanden. Katze?“

Die Katze: „Alter, ganz im Ernst! Wenn ich nicht bald etwas zu fressen bekomme, werden sich hier unvorstellbare Szenen abspielen!“

Sie: „Ich finde die Frisur nicht schlecht. Hinten ist es nur etwas kürzer als gewohnt und wenn du runterschaust, sieht man die Kopfhaut ein bisschen.“

Ich: „Die sehe ich ja glücklicherweise nicht.“

Sie: „Na siehst du. Die Frisur ist völlig in Ordnung.“

Ich: „Aber nicht gut.“

Sie: „Doch, sie ist gut. Ich war nur etwas überrascht am Anfang.“

Ich: „Und jetzt?“

Sie: „Habe ich mich damit abgefunden.“

Ich: „Was?!“

Sie: „Hahaha! Stell dich nicht so an, Weib! Aber…könntest du vielleicht gleich mit deinem Hinterkopf das Balkongeländer schleifen? Ich will das streichen.“

Veränderungen sind schwierig.


Ich habe mich jüngst bei mir in einem Bewerbungsgespräch vorgestellt. Ich wurde angenommen und bin somit mein eigener Social Media-Manager. Kommet und bestaunet mein Werk auf Facebook!

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24 Kommentare

  1. Die Katze hat vollkommen recht – Magen leer, Haarlänge egal. Punkt.
    Übrigens sollte man Content nicht überbewerten, also Kommentare gleich zu Beginn könnte ich mir gut vorstellen. Bei dem Artikel wäre z.B.: „Oh! Eine Katze, wie süß!!“ möglich und noch nicht einmal völlig inhaltsabgekoppelt. Oder: „Veränderungen mag ich auch, nur nicht wenn sich dadurch etwas ändert“.
    Aber mir hat der Inhalt gerade sehr gut gefallen und wie mein Chef einmal sagte: „Die alte Frisur war doch auch schön!“ 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Es ist schon erstaunlich mit welcher Überzeugung man zu Frisör geht und mit welchem Selbstzweifel man wieder rauskommt 🙂 Geht mir gerade mit meinen halb gelben halb weißen Haar ähnlich in einem Monat wird es wieder Dunkel
    Der Abschluss mit dem Schleifen vom Balkon ist übrigens echt gut 🙂 Denn Spruch muss ich mir merken wenn der Galan mal wieder schneiden hat lassen

    Gefällt 1 Person

    • Ich kann allerdings bei Frauen durchaus nachvollziehen, warum sie sich oft sehr schwer damit tun, jemanden an ihre Haare zu lassen. Es war zwar nicht so tragisch, aber ich kürzte mir den Bart einmal eine Spur zu viel. Bei Haaren, an deren Länge man lang gearbeitet hat, ist das Hadern denke ich verständlich.

      Gefällt 1 Person

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