Das Geheimnis guten Urlaubs – Arbeiten

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Die Vorgeschichte:

Wir befinden uns seit drei Tagen in der Vulkaneifel und wandern uns die Seele aus dem Leib. Im Urlaub macht man für gewöhnlich Dinge, die man zuhause nicht täte. Und manchmal ist es sogar so, dass man im Urlaub Dinge macht, die man im Urlaub für gewöhnlich nicht täte. Heute ist so ein Urlaubstag.

Nach einer relativ kurzen Nacht, in der ich lange wachlag, stehe ich auf, weil mein Wecker klingelt. Es ist viertel vor sechs. Normalerweise ärgert man sich darüber, wenn der Wecker klingelt, obwohl man frei oder gar Urlaub hat. Ich habe mir diesen Wecker bewusst gestellt, denn ich fahre heute zu meiner hoffentlich zukünftigen Arbeit, um dort zur Probe zu arbeiten.

Ich krame meine Anziehsachen zusammen und trage sie in den Wohnraum, wo ich sie auf das Sofa werfe. Mit halb geschlossenen Augen schlurfe ich hinter die Küchentheke und koche mir Kaffee. Um meinen Körper davon zu überzeugen, dass der Schlafmodus tatsächlich verlassen wurde, schmeiße ich die Festbeleuchtung an. Jeder Lichtschalter wird betätigt und taucht das Innere des Hauses in ein gleißendes Licht. Nachdem ich wieder sehen kann, mache ich einige Lichter wieder aus.

Kurze Zeit später höre ich Schritte. Die Frau, die in unserer Wohnung lebt, schiebt ihren Kopf durch einen kleinen Spalt in der Schlafzimmertür und fragt, ob ich hier gerade mit Röntgenstrahlen experimentiert habe. Sie habe meine Umrisse durch die Schlafzimmerwand erkennen können. Ich informiere sie über die Strategie, meinen Körper durch Licht in den Wachzustand zu überführen.

„Hat es geklappt?“, möchte sie wissen.

„Ich war kurzzeitig blind, was mir einen Schock versetzte. Also ja, jetzt bin ich wach. Und froh, dass ich nicht erblindet bin.“

Im Auto hängen seit der Hinfahrt mein Hemd und mein Jackett, die ich gestern vergaß ins Haus zu holen. Da sie ohnehin während der schätzungsweise anderthalbstündigen Fahrt verknittern würden, ziehe ich mir einfach eine Laufjacke über. Ich werde ohnehin noch kurz zuhause vorbeifahren müssen, weil ich meinen Laptop brauche. Um zehn Uhr soll ich bei der Arbeit sein. Genug Zeit für einen Abstecher nach Hause, zumal ich von dort nur eine gute Viertelstunde bräuchte.

Mein Handy verspricht mir eine freie Strecke. Eine Einschätzung, der ich misstraue, weil ich an Köln vorbei muss. Als ich losfahre, ist es noch dunkel und mein Handy korrigiert die Fahrtzeit auf zwei Stunden. Noch immer kein Problem. Ich möchte um halb zehn zuhause wieder losfahren. Das wäre immer noch ein Puffer von etwa einer Dreiviertelstunde. Kein Grund zur Panik. Panik macht mir nur, dass ich keine Kontaktlinsen trage und die Straßen hier teilweise weder beleuchtet noch markiert sind. Ich würde erst dann bemerken, dass ich von der Straße abgekommen wäre, wenn ich die Böschung hinunterrollen würde. Glücklicherweise hat das Tageslicht zu Beginn des Tages die Angewohnheit, zunächst zuzunehmen, weshalb ich bald entspannt fahren kann.

img_2476_01Köln liegt mittlerweile hinter mir. Die Fahrzeit hat sich um eine weitere Viertelstunde verlängert. Google Maps bietet mir wegen eines Staus eine schnellere Alternative an, die ich annehme. Nachdem ich wenige Minuten auf dieser Route bin, verändert sich die Ankunftszeit und ich würde später ankommen, als wenn ich auf der ursprünglichen Streckenführung geblieben wäre. Etwa zwanzig Minuten blieben mir noch als zeitlicher Puffer zuhause. Langsam werde ich nervös.

Google Maps empfiehlt mir, die Autobahn zu verlassen, weil es eine viel schnellere Route fand. Ich finde mich auf einer Landstraße wieder und stecke kurze Zeit später in einem Stau. Ich schaue auf mein Handy in der Halterung und muss machtlos dabei zusehen, wie die Ankunftszeit mittlerweile auf 9:22 Uhr wechselt. Acht Minuten blieben mir noch. Gut, ich habe für den Weg von Zuhause bis zur Arbeit großzügige 30 Minuten eingeplant, weil man nie weiß, wie die Straßen um diese Uhrzeit aussehen. Vermutlich habe ich noch etwas mehr Zeit, aber sicherer wäre es mir, wenn ich um halb zehn loskäme. Acht Minuten müssten reichen, um auf den Parkplatz hinters Haus zu fahren, in die Wohnung zu gehen, Hemd und Jackett anzuziehen, mich kurz frischzumachen und dann mit dem Laptop wieder loszufahren.

Als sich der Stau, der durch rein gar nichts verursacht wurde, auflöst, sieht mich Google Maps erst um 9:29 Uhr zuhause. Ich bin nun angespannt und bin heilfroh, dass die weitere Fahrt ohne Probleme verläuft. Als ich in unser Wohngebiet einfahre, entspanne ich mich ein wenig. Der Rest ist schnell gemacht. Ich biege in unsere Straße ein, von der aus ich hinters Haus fahren kann…und sehe mich einem LKW gegenüber, der mit Warnblinker die Spielstraße in kompletter Breite blockiert. Glücklicherweise kommt in diesem Moment der Fahrer des LKW und steigt in die Kabine. Unglücklicherweise steigt er wieder aus und verschwindet, ohne auf mich zu reagieren. Ich suche mir einen Parkplatz, greife Jackett und Hemd und eile zur Wohnung. Als ich den LKW passiere, legt ein Bauarbeiter ein nasses, dreckiges Seil über den Rand der Ladefläche. Einige Tropfen platzieren sich hämisch auf meine Haare, andere auf meine Laufjacke. Jackett und Hemd bleiben zum Glück sauber.

In der Wohnung werde ich von der Katze begrüßt, die sich mir in den Weg wirft. Im Wohnzimmer packe ich Laptop und Netzteil ein, werfe mich in die ordentlichen Klamotten und eile aus dem Haus. Es ist 9:35 Uhr. Auf dem Weg zum Auto gebe ich die Adresse der Firma ein: 18 Minuten. Knappe Kiste.

Es ist nicht mehr Verkehr als üblich auf der Straße und ich komme um kurz vor zehn an. Das wäre also geschafft. Erleichtert lasse ich mich in das Sofa des Empfangsbereichs fallen. Bis ich mir darüber bewusst werde, dass ich zwar pünktlich angekommen bin, aber noch rein gar nichts geleistet habe, was ein zukünftiger Arbeitgeber positiv bewerten könnte. Der Teil, der über die Zu- oder Absage entscheidet, wird jetzt erst kommen.

19 Uhr:

Ich sitze in dem nahegelegenen Ableger einer Fast-Food-Kette und verschlinge mein Körpergewicht in Burgern und Pommes. Den Tag über aß ich nichts, was mir auch nicht fehlte. Doch kurz nach Feierabend stellte sich ein unglaublicher Heißhunger ein, dem ich nachgab. Schließlich habe ich noch die Rückfahrt vor mir. Ein schlechtes Gewissen wegen der Unmengen an Kalorien habe ich nicht. Ab morgen wird der eigentliche Urlaub beginnen. Der Termin in Düsseldorf saß mir die ganzen Tage in der Eifel im Nacken. Ab morgen würden wir vollkommen entspannt lange Wanderungen machen. Keine Termine mehr bis Anfang nächster Woche.

Irgendwann setze ich mich ins Auto und fahre los. Einmal noch halte ich an, um mir wieder etwas Bequemes anzuziehen. Dann fahre ich auf die Autobahn in Richtung Eifel zur Frau, die in unserer Wohnung lebt. In diesem Moment weiß ich noch nicht, dass wir die Eifel schon am kommenden Mittag gemeinsam Richtung Heimat verlassen werden.


Doch was dann in der restlichen Woche geschah, damit hat niemand gerechnet!


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7 Kommentare

  1. Du lässt uns ja etwas im Unklaren darüber wann sich dieses tatsächlich zutrug. Diese Woche mache ich mir jedoch ernsthaft Sorgen, Köln könnte irgendwie kaputt sein.

    Als ich am Montagmorgen nach Süden an Köln vorbeimusste, hatte ich kurz den Eindruck, ich hätte mich verfahren. Sehr kurz aber nur, denn schon war ich im Westerwald, Köln schien geschrumpft. Bei der nordwärts gerichteten gestrigen Rückfahrt, konnte ich auf Höhe der Köln-Schilder eigenständig entscheiden, ob ich die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten möchte oder nicht und war 20 Minuten früher zuhause als erwartet. Mir ist das etwas unheimlich, gespenstische Fahrten waren das, Warten auf den Stau der nicht kommt. Ist Köln überhaupt noch da?

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  2. […] Es ist der 19. Oktober. Ich fahre gerade auf der A3 Richtung Süden, um zurück in die Eifel, zurück in den Urlaub zu fahren. Von dort fuhr ich heute morgen um halb sieben los, um einen Tag ganz in der Nähe von Düsseldorf zu verbringen. Aus den Boxen dröhnt die neue Platte von Green Day, die ich aus einem bestimmten Grund mit dem Tag heute und dem Ort, an dem ich heute war, verbinde. Nach einiger Zeit wieder ein gutes Album. Wie krank, für nur einen Tag den Urlaub zu unterbrechen. Wie war es dazu gekommen? […]

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